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Meisterschaftsfinale in Europas Fußballligen

In rund drei Wochen beginnt die Fußball-EM. Daher stand am vergangenen Wochenende in den meisten europäischen Ligen der Saisonabschluss an – mit einigen Murmeltiertagen und wenigen Überraschungen. Wir bringen eine Übersicht.

Österreich: Bullenparade

Nein, also in Österreichs Bundesliga gab es keine Überraschung. Zum achten Mal in Folge gewinnt Red Bull Salzburg. Die Dosen standen bereits seit mehreren Runden als Meister fest – man könnte auch sagen: schon vor 32 Runden – und gingen letztlich mit 15 Punkten Vorsprung auf Rapid Wien über die Ziellinie. Für die Hütteldorfer war der Vize wiederum das Höchste der Gefühle und des Möglichen, am Ende wurde es gegenüber Sturm Graz sogar nochmal knapp. Ebenfalls im internationalen Geschäft ist der viertplatzierte LASK, den fünften Europacup-Startplatz spielen Wolfsberg und die weitgehend desolate Wiener Austria (7. Platz) aus. Der Tabellenletzte St. Pölten erhält noch eine Relegationschance gegen Klagenfurt (Zweitligameister BW Linz hatte verzichtet).

Deutschland: Bullen ohne Titel

Ebenfalls wenig Neues in der deutschen Bundesliga: Neunter Titel in Folge für Bayern München, dahinter erwartungsgemäß RB Leipzig und Dortmund (trotz Zwischentief, außerdem Pokalsieger gegen RB). Der vierte CL-Platz geht an Wolfsburg, Eintracht Frankfurt verspielt einen solchen ganz am Ende. Im Europapokal engagiert sind weiters Leverkusen sowie – tolle Topsensation – Union Berlin. Gladbach schaut durch die Finger. Die Absteiger sind prominent, es trifft fix Schalke und Werder Bremen, während Köln noch in die Relegation gegen Holstein Kiel muss (oder darf). Aufsteiger in Liga 1 sind Bochum und Fürth, HSV wieder nix (St. Pauli aber auch nicht). – Ein Gutteil des ÖFB-Nationalteams ist bei deutschen Vereinen aktiv, für diese lief es unterschiedlich: Kalajdžić (Stuttgart) toll, Sabitzer (Leipzig), Lainer (Gladbach), Trimmel (Union) und Hinteregger (Frankfurt) stabil, Baumgartner (Hoffenheim) optimierend, Lazaro (Gladbach) mit dem Tor des Jahres; für Schöpf (Schalke), Gregoritsch (Augsburg) und Friedl (Bremen) eine Saison zum Vergessen, der Rest wechselhaft. Alaba verlässt München mit einem Titelrekord, es geht vermutlich zu Real Madrid. Die österreichischen Trainer Glasner (Wolfsburg, 4.) und Hütter (Frankfurt, 5.) holen wohl das Maximum heraus. Letztgenannter wechselt nun zu Gladbach, Jesse Marsch (Salzburg) nach Leipzig. – Robert Lewandowski schnappte sich buchstäblich in letzter Minute den Torrekord von Gerd Müller (41 Treffer). FCB-Meistertrainer Flick wird vermutlich nach der EM Nachfolger von Jogi Löw beim DFB-Team. Ob’s nächste Saison interessanter wird? Nun ja, Nagelsmann hat bislang null Titel gewonnen – vielleicht bleibt’s dabei.

England: Pep entthront Klopp

In der Premier League gab’s ein Solo für Manchester City und Pep Guardiola, dahinter Stadtrivale United, mit viel Platz nach vorn und hinten. Liverpool und Klopp holen im letzten Atemzug noch Platz 3 und ein CL-Ticket, ebenso Chelsea. Leicester vergibt selbiges, gewinnt aber den FA-Cup. Außerdem im Europa-Cup spielen West- und Tottenham, Arsenal darf sich aufs nationale Geschehen konzentrieren. Absteiger sind tendenziell erwartungsgemäß Fulham (in your face, Hugh Grant!), West Bromwich und Sheffield United. Ralph Hasenhüttl und Southampton präsentieren sich zunächst stark, dann immer schlechter (Platz 15). Unter den Aufsteigern aus der Championship befindet sich Watford mit ÖFB-Goalie Bachmann.

Frankreich: Lille wer?

Tja, Geld gewinnt keine Meisterschaften – zumindest nicht immer. Für Paris Saint-Germain, Neymar, Mpappé und Di Maria reichte es um einen Punkt nur zu Platz 2 hinter dem OSC Lille, dessen Kader insgesamt weniger wert ist als die drei genannten PSG-Spieler. Dritter der Ligue 1 und CL-Teilnehmer ist Monaco, wiederum knapp vor Olympique Lyon, für den diesmal nur die Europa League bleibt, wie auch für Marseille. Die Fixabsteiger Nimes und Dijon waren deutlich, der Relegationsplatz bis zuletzt umkämpft: Nantes muss ins entscheidende Duell (vermutlich gegen Toulouse), Lorient mit Adrian Grbić rettete sich auf den 16. Platz.

Italien: Juve schaut alt aus

Die Titelserie von Juventus Turin in der Serie A ist trotz Torschützenkönig CR7 zu Ende – mit viel Glück und „Hilfe“ des SSC Napoli schaffte man gerade noch den vierten CL-Platz. Meister Inter Mailand war souverän, dahinter AC Milan (Zlatan!) und Bergamo. Die beiden römischen Vereine, Lazio und AS, spielen ebenfalls international. Die Absteiger Benevento und Crotone waren kalkulierbar, dass Parma auf dem letzten Platz landet, ist eher beschämend. Die Aufsteiger aus der Serie B sind Empoli, Salerno sowie – voraussichtlich – Venedig. Der drittklassige FC Südtirol aus Bozen kämpft derzeit noch im Playoff um den Aufstieg aus der Serie C in die Serie B. AS Livorno stürzt in die Viertklassigkeit ab.

Kroatien: Läuft bei Dinamo

Dinamo Zagreb holt anspruchsgemäß und souverän das Double, in der Meisterschaft landen Osijek, Rijeka und Hajduk Split in dieser Reihenfolge auf den (Europacup-)Plätzen.

Niederlande: Ajax in voller Größe

In der Eredivise gewinnt Ajax Amsterdam weitgehend unbestritten den Titel vor dem PSV Eindhoven. Dick Advocaat schafft’s im letzten Match seiner Trainerkarriere mit Feyenoord Rotterdam doch noch in den Europacup. Der Fixabsteiger heißt ADO Den Haag.

Portugal: Wenn zwei sich streiten…

Siehe da: Im Land des Noch-Europameisters heißt der Titelträger heuer Sporting Lissabon, was für die eigentlichen Platzhirschen Benfica (3.) und FC Porto (2.) eher unbefriedigend ist – sie dürfen trotzdem mit der CL-Teilnahme kalkulieren. Bei Sporting träumt man indessen von einer Rückkehr von Cristiano Ronaldo.

Schottland: Mitten ins grün-weiße Herz

In Schottland ist die Titelserie des Celtic FC aus Glasgow beendet – und dies nicht nur durch den „Old Firm“-Erzrivalen Rangers, was schon schlimm genug wäre, sondern auch noch auf überaus deutliche Weise: 102 Punkte aus 32 Spielen gegenüber 77 aus ebenso vielen bedeuten einen erheblichen Vorsprung und eine ungeschlagene Saison für die Rangers, die 2012 noch zwangsweise in die vierte Liga absteigen mussten. Rod Stewart wird not amused sein. Wir sind es auch nicht.

Schweiz: YB konkurrenz- und trainerlos

Einen Riesenvorsprung von 31 Punkten gibt’s auch für den Schweizer Meister, die Young Boys aus Bern, die zwar ihren Titel abermals verteidigen, aber den Trainer an Leverkusen verlieren. Basel (Heinz Lindner), Servette Genf und Cupsieger Luzern (Louis Schaub) spielen international. Vaduz steigt schon wieder ab, Sion muss gegen den FC Thun ins Relegationsduell.

Serbien: Meisterschaft als Stadtderby

Roter Stern Belgrad kommt auf bemerkenswerte 108 Punkte aus 38 Spielen (35 Siege, drei Unentschieden), Partizan hingegen „nur“ auf 95 Punkte. Um mehr geht’s in Serbien eigentlich nicht.

Spanien: Wenn zwei sich streiten… (ach, hatten wir schon)

Nachdem die jährlichen Topfavoriten Real Madrid und FC Barcelona mäßig in die Saison gestartet waren, konnte sich Atlético Madrid an die Tabellenspitze der Primera División setzen und absetzen – am Ende wurde es doch nochmals knapp, aber das Team von Diego Simeone behielt die Nerven: 11. Meistertitel für Atlético, zwei Punkte vor Real. Barça (auch Pokalsieger) und der FC Sevilla spielen ebenfalls CL, Sociedad aus dem baskischen Donostia/San Sebastián, Betis Sevilla und Villarreal in den minderwertigen europäischen Bewerben. Die Absteiger sind Huesca, Valladolid und – leider – SD Eibar. Fixaufsteiger aus der Segunda División sind Espanyol Barcelona und Mallorca, Rayo Vallecano verpasste das Aufstiegs-Playoff knapp.

Türkei: Zurück zur (knappen) Normalität

Enge Partie heuer: Nur aufgrund der um einen einzigen Treffer besseren Tordifferenz heißt der Meister Beşiktaş, dahinter landet punktegleich Galatasaray. Standesgemäß rundet der dritte Istanbuler Großklub, Fenerbahçe, das Bild auf Platz drei ab, Vierter wird Trabzon. Man könnte insofern auch sagen: Endlich ist in der Türkei wieder alles normal (fußballerisch gesehen). Titelverteidiger Başakşehir – Erdoğans Lieblingsverein – wird nur Zwölfter. Passt auch.

Quelle: ORF

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