Gastbeitrag von Gerhard Oberkofler, geb. 1941, Dr. phil., Universitätsprofessor i. R. für Geschichte an der Universität Innsbruck.
Vorwort
Im Meer der Bücher sind Autobiographien eine eigene Gruppe, auch wenn die allermeisten eine sehr kleine Wirkdauer haben und nur wenige eine kultische Ausstrahlung erlangen. Schon in der antiken Literatur finden sich öfters autobiographische Komponenten, die Erinnerungen apologetisch darstellen oder zur Kontemplation anregen wollen.[1] Der aus einem alten Athener Sklavenhalteraristokratie stammende Platon (427–347 v. u. Z.), Schüler von Sokrates (469–399 v. u. Z.), hat autobiographisch über das Werden seiner Dialektik von der vollkommenen Ideenwelt und der materiellen Wirklichkeit gesprochen. Wladimir I. Lenin (1870–1924) ist Platon als Schüler eines russischen Gymnasiums erstmals begegnet und hat sich in späteren Jahren immer wieder mit dessen staatsrechtlichen Lehren beschäftigt.[2] Antonio Gramsci (1891–1937), der in Turin, wo er lebte, mit der Gruppe „Ordine Nuovo“ die Keimzelle der Kommunistischen Partei gegründet hat und viele Jahre im faschistischen Gefängnis inhaftiert war, hat in seinen Gefängnisbriefen über Platons „Utopie“ geschrieben, dass dieser den mittelalterlichen Feudalismus vorgedacht habe, „mit der Funktion, die dort der Kirche und den Klerikern, der Intellektuellenkategorie dieser sozialgeschichtlichen Entwicklungsphase, zukommt“.[3] Die erste aus der Spätantike überlieferte Autobiographie, die als solche wahrgenommen wurde, sind die „Confessiones“ des römisch katholischen Kirchenlehrers Aurelius Augustinus (354–430), in welchen dieser als Subjekt und Objekt über seine jugendliche Verirrungen ebenso wie über seine Bekehrung zum Christentum Aufschluss gibt.[4] Die in der „abendländischen“ Welt unbekannt gebliebenen chinesischen Autobiographien setzen mit dem 3. Jhd. v. u. Z. ein.[5] Autobiographische Texte von Mao Tse-tung (1893–1976) sind in Europa bei einst stürmischen, inzwischen längst zu alten Dienern der kapitalistischen Gesellschaft transformierten Studenten bekannt geworden.
Zu Beginn dieses Jahres hat Papst Franziskus seine weltweit übersetzte, insbesondere die historischen Komponenten seines Lebens darstellende Autobiographie „Hoffe“ veröffentlicht.[6] Der Titel entspricht der Verkündigungsbulle für das „Heilige Jahr“, die er am 9. Mai 2024 unter dem Leitwort „Spes non confundit“ („Die Hoffnung lässt nicht zugrunde gehen“) aus dem für die katholische Kirche besonders wichtigen Römerbrief des 63 u. Z. hingerichteten Heidenapostels Paulus hinausgegeben hat.[7] Diese Autobiographie setzt die Reihe seiner in den letzten Jahren zur Veröffentlichung freigegebenen autobiographischen Texte fort.[8] Manche der päpstlichen Autobiographien sind „Bio-Interviews“, welche Darstellungsform erstmals Sergej Tretjakow (1892–1937) für die Niederschrift der Autobiographie des jungen chinesischen Revolutionärs Den Chi-Chua 1929, die seit 1932 in deutscher Sprache zugänglich sind, verwendet hat. Tretjakow erläutert im Vorwort, dass Den Schi-Chua den Rohstoff der Tatsachen geliefert und er selbst diese „ohne Entstellung“ gestaltet hat, denn „sein eigenes Leben genau zu untersuchen, ist eine schwierige Kunst“, die Den Schi-Chua noch nicht beherrscht habe.[9] Vom ungarischen Marxisten Georg Lukács (1885–1971) ist seine kurz vor seinem Tod entstandene Autobiographie „Gelebtes Denken“ im Dialog entstanden.[10] Der vietnamesische Buddhist Thich Nhat Hahn (1926–2022) und der US-amerikanische Jesuitenpater Daniel Berrigan SJ (1921–2016) haben in ihren gemeinsamen Gesprächen über buddhistisch-christliches Bewusstsein eine nachhaltige autobiographische Reflexion gefunden.[11] Thich Nhat Hanh, der monographische autobiographische Geschichten veröffentlicht hat,[12] und Berrigan SJ haben sich im Kampf gegen den Völkermord der USA in Vietnam, gegen die israelische Barbarei in Palästina und überhaupt gegen die Unterdrückung der Armen durch die Reichen im Einklang gefunden, was zeigt, dass Buddha und Christus nicht ausgetauscht werden müssen, wenn es um Menschlichkeit geht. Die Autobiographie von Papst Franziskus wird in Wiener Buchhandlungen gleichrangig nebst zahlreichen anderen autobiographischen Bestsellern wie jener der US-amerikanischen Jüdin Barbra Streisand (*1941), der deutschen Angela Merkel (*1954), der US-Amerikaner Barack Obama (*1961) und Bill Gates (*1955) oder des Russen Alexej Nawalny (1976–2024) angeboten.
Der Autor dieses Artikels hat über die oft genug innerkirchlich umstrittenen und abgelehnten Positionen von Papst Franziskus zur praktischen Friedenspolitik und zur Einhaltung der Menschenrechte publiziert.[13] In seiner Autobiographie wird bei allen Vorbehalten, die hier angemerkt werden, deutlich, wie sich der Blick von Papst Franziskus auf die vom Raubkapitalismus der Monopole zum Raubkapitalismus der Oligopole transformierte Realität entwickelt hat. Sein Appell „Für eine Wirtschaft, die nicht tötet“[14] will jedem einzelnen Menschen zum Glück auf dieser Erde verhelfen. Durch seine Autobiographie hat Papst Franziskus seinen vier Enzykliken einen historisch biographischen Hintergrund gegeben.[15] Die meisten kirchlichen Rundschreiben stammen von Papst Leo XIII. (1810–1903).
Als Kind italienischer Immigranten in der Wirklichkeit Argentiniens
Die Vielfalt der Bedingungen und historischen Situationen der im Südosten Lateinamerikas liegenden Republik Argentinien, das eine Fläche von etwa 2,8 Millionen km2 umfasst, wirken sich auf die dort lebenden Menschen wie auf die Katholische Kirche als Institution unmittelbar aus. Als Industrie- und Agrarstaat ist Argentinien im heute geprägt von der barbarischen Wirklichkeit der kapitalistischen Wirtschaftsweise, die mit dem seit 10. Dezember 2023 amtierenden Präsident Javier Milei (*1970) ihren von den US-Imperialisten bejubelten Botschafter hat.
Der am 17. Dezember 1936 in Buenos Aires als ältestes von fünf Kindern einer italienischen Immigranten-Familie geborene Jorge Mario Bergoglio hat sich nach seiner am 13. März 2013 erfolgten Wahl zum Oberhaupt der römisch- katholischen Kirche den Amtsnamen Franziskus gegeben. Die Rückbesinnung auf die Botschaft von Franz von Assisi (1182–1226) hat bei vielen Befreiungstheologen die Hoffnung auf einen neuen Frühling der Kirche mit der Option für die Armen erweckt.[16] Franz von Assisi, dessen ursprünglicher italienischer Name Giovanni Bernardone ist, hat die Ideale des Urchristentums selbst gelebt und eingefordert, sein Orden hat sich rasch ausgebreitet, aber Reichtum erworben und die von seinem Gründer gesetzten Ziele nicht erreicht. Papst Franziskus will einen Neuanfang seiner Kirche: „Wenn man von mir sagt, ich sei der ‚Papst der Armen‘, dann bete ich nur, dass ich mich dieser Bezeichnung würdig erweisen möge“ (S. 90).
Wie viele alte Menschen hat Papst Franziskus im Alter die ideale Vorstellung, als lebendige Brücke zwischen den Generationen zu wirken. Im antiken Griechenland und in der Geschichte Chinas hat es so etwas wie einen Rat der Alten gegeben, beratend, aber nicht mit exekutiver Gewalt ausgerüstet. Der herausragende Gelehrte Jürgen Kuczynski (1904–1997), dessen Familie seit Ende des 18. Jahrhunderts zur linken Intelligenz gehörte, wollte das auch. Er hat in seiner ersten von mehreren autobiographischen Monographien Erinnerungen über seine Erziehung zum „Kommunisten und Wissenschaftler“ geschrieben, die nur prima vista zu den Erinnerungen von Papst Franziskus über seine Erziehung und Berufung zum Jesuiten im Gegensatz stehen, weil Erleben eben auch Erkenntnis prägt.[17] Der “Dialog mit meinem Urenkel“, den Jürgen Kuczynski mit fünfzig Fragen „an einen unverbesserlichen Urgroßvater“ fortsetzte, und seine „Letzten Gedanken?“ sind bei aller parteilichen und intellektuellen Kritik aus der Zuversicht eines Menschen auf eine künftige brüderliche Gesellschaft geschrieben.[18] Niemand ist als Kommunist oder als Christ geboren, es gilt vielmehr das, was Thich Nhat Hanh seiner Autobiographie vorangestellt hat: „Gelehrt wird nicht nur in Worten. Gelehrt wird durch die Art, wie man sein Leben lebt. Mein Leben ist meine Lehre. Mein Leben ist meine Botschaft“.[19]
Papst Franziskus ist am 11. März 1958 der „Gesellschaft Jesu“ beigetreten und wurde als deren Ordensmitglied am 13. Dezember 1969 zum Priester geweiht. Die „Compañía de Jesu“ ist eine 1540 erfolgte Gründung des aus einer kinderreichen baskischen landadeligen Familie stammenden Ignatius von Loyola (d.i. Inigo Lopez de Recalde, 1491–1556), der Lebenserinnerungen geschrieben hat und zu einer führenden Gestalt der als Feinde der Kirche verfolgten Reformatoren. Durch die Jahrhunderte hindurch war der dem Vatikan im unbedingten Gehorsam unterworfene Jesuitenorden im Widerstreit von Beurteilungen innerhalb und außerhalb der katholischen Kirche, was zwischen 1773 und 1814 zu seiner vorübergehenden Aufhebung geführt hat. Hugo Rahner SJ (1900–1968) hat sich intensiv mit Ignatius von Loyola beschäftigt und 1956 dessen Briefwechsels mit Frauen ediert, darunter an eine der in Zellen „eingemauerten“ Frauen.[20] Das zweite Vatikanische Konzil (11. 10.1962 – 8. 12.1965), dem Karl Rahner SJ viele Impulse gegeben hat, ist für Papst Franziskus ein inspirierender Wegweiser hin zur Versammlung des lateinamerikanischen Bischofsrates in Medellín (26. 8.–6. 9. 1968) mit der Verpflichtung, in der Umkehr zu den Zeugnissen des gekreuzigten Jesus Christus (um 4 v. u. Z. – 30 n. u. Z.) eine dienende und arme Kirche zu werden.[21] Seine Familie und argentinische Heimat hat Papst Franziskus nach seinem Eintritt in den Jesuitenorden nicht hinter sich lassen müssen, das wurde vom Orden nicht verlangt, verlangt wurde in der Ausbildung das Kennenlernen anderer Ordensmitglieder, Selbstüberprüfung der Entscheidung und das langsame Hineinwachsen in die christliche Frömmigkeit und die apostolischen Aufgaben des Ordens. Papst Franziskus gibt davon ein schönes Bild. Er erlebte als Heranwachsender die Jahre von Juan Domingo Perón (1895–1974), der Anfang der 1940er Jahre Gesetze zur Verbesserung der Lebensbedingungen für die ihm dafür über Jahrzehnte verbunden gebliebene Arbeiterklasse erlassen hat. Im Perónismus sieht Papst Franziskus einige Parallelen zur katholischen Soziallehre. Fidel Castro (1926–2016), den Papst Franziskus auf seiner Kubareise 2015 noch besuchen konnte, hat die Größe von Perón anerkannt.[22]
Ende September 1970 besuchte der US-Präsident Richard Nixon (1913–1994) Rom und wurde bei dieser Gelegenheit von Papst Paul VI. (1897–1978) empfangen. Der aus einer deutschjüdischen Familie stammende Henry Kissinger (1923–2023), der 1973 wegen des Jom-Kippur-Krieges den ersten Atomalarm seit der Kubakrise ausgelöst hat, war dabei, als sich Nixon beim Papst über die „Linkstendenzen der Priester in Lateinamerika“ beschwert hat. Der Papst habe ihm sanft geantwortet: „Herr Präsident, glauben Sie, das ist für uns ein noch größeres Problem als für Sie“.[23] Die US-Amerikanische Kirche war mit ihren staatsklerikalen Amtsträgern wie dem mit Papst Pius XII. (1876–1958) befreundeten Francis Joseph Kardinal Spellman (1889–1967) strikt antikommunistisch und begrüßte den militaristischen US-Bombenterror gegen die vietnamesische Befreiungsbewegung. Das revolutionäre Wunder von Kuba (1959) und der Hinwendung des kubanischen Volkes zum menschlichen Zusammenleben ohne Ausbeutung und Unterdrückung war für den US-Imperialismus ein Schreckgespenst. In Santiago de Chile war Papst Franziskus 1960/61 für ein Jahr als Junior des Jesuitenordens. Dort war Kardinal Raúl Silva Henríquez (1907–1999) an der Entwicklung der Kirche hin zu einer befreienden Kirche interessiert, hat den Theologen Gustavo Gutiérrez (1928–2024), dessen Werk „Theologie der Befreiung“ (1971) grundlegend ist, eingeladen und soziale Änderungen unterstützt. 1966 wurde der katholische Priester Camilo Torres (1929–1966) in den Reihen der für die Befreiung der Armen kämpfenden kolumbianischen Guerilla getötet.[24] Von ihm stammt der Satz: „Warum sollen wir streiten, ob die Seele sterblich oder untersterblich ist, wenn wir beide wissen, dass Hunger tödlich ist?“. Sicher wurde über den Weg des Diözesanpriesters Camilo Torres im Jesuitenorden diskutiert. Der österreichische Botschafter in Chile hat Kardinal Henríquez als „sehr links“ bezeichnet.[25] Zu dem am 11. September 1973 vom US-Imperialismus mit der CIA organisierten und finanzierten Militärputsch mit Augusto Pinochet (1915–2006) als befehlsgebenden Henker hat der in seine Heimat zurückgekehrte Papst Franziskus, der dort am 31. Juli 1973 zum Provinzoberen ernannt wurde, nicht Stellung bezogen. In seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ (2020) zitiert er Kardinal Henriquez mit dessen als intellektueller Widerstand interpretierbaren, aber den Konflikt doch aus dem Weg gehenden Predigt vom 18. September 1974 zum Jahrestag des Pinochet-Putsches: „[…] die Völker, die ihre eigene Tradition veräußern und aus einem Nachahmungswahn, einer aufgezwungenen Gewalt, einer unverzeihlichen Nachlässigkeit oder einer Apathie dulden, dass ihnen die Seele entrissen wird, neben ihrer geistlichen Physiognomie auch ihre moralische Festigkeit und schließlich ihre weltanschauliche, wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit verlieren“.[26] In Santiago de Chile hat Papst Franziskus Anfang des Jahres 2018 die Worte von Kardinal Henríquez aus dem Jahr 1977 über Gerechtigkeit zitiert, „dass jeder Mensch als Mensch behandelt wird“. Bei der Gelegenheit dieses Besuchs hat Papst Franziskus auch das Frauengefängnis besucht.[27]
Papst Franziskus hat in Argentinien der grausamen faschistischen Militärdiktatur der Jahre 1976 bis 1983 von Jorge Rafael Videla (1925–2013) nach seinen von ihm wahrgenommenen sehr beschränkten Möglichkeiten Widerstand geleister. Sowie in Chile zeigt sich das Janusgesicht der katholischen Kirche, die von sich und ihren Mitgliedern Gehorsam gegenüber dem Staat verlangt, soweit das irgend möglich ist. Papst Franziskus erzählt die Geschichte von der gefolterten und ermordeten kommunistischen Aktivistin Esther Ballestrino de Careaga (1918–1977) und deren Familie (S. 157–162). Betroffen ist Papst Franziskus, dass sich die argentinische Diktatur wie jede Diktatur auf eine Vielzahl von Denunzianten stützen konnte. Für Papst Franziskus ist die kommunistische Haltung von Esther Ballestrino vorbildhaft. Von den sich im Kampf für die Menschenrechte in Lateinamerika einsetzenden Frauen ist viel zu wenig bekannt, sie bleiben zumeist im Dunklen. Am revolutionären Kampf in Lateinamerika teilzunehmen, empfand die mit Papst Franziskus fast gleichaltrige und in Buenos Aires geborene Haydée Tamara Bunke Bíder (1937–1967) als ihre Pflicht.[28] Die US-Amerikanerin Penny Lernoux (1940–1989) hat sich, vom marxistischen Geist beseelt, für die Befreiungstheologie im Kampf für die Menschenrechte in Lateinamerika eingesetzt.[29]
Was die Frauen in der globalen Gesellschaft anlangt, sieht Papst Franziskus vor allem deren „spezifische Form der Armut“ (S. 234). Den formalen Zugang zum Priesteramt von Frauen will Papst Franziskus nicht öffnen, ihm ist das Wirken von Frauen im Geiste Jesus Christi in der Kirche wichtiger. „Man wird nicht als Frau geboren, man wird es“, meint die Ikone der europäischen Frauenbewegung Simone de Beauvoir (1908–1986) nicht nur in ihrer Autobiographie.[30] Anders die alevitische kurdische Frau Derya (*1982) in einem Interview: „Ich habe immer geglaubt, dass die Befreiung des kurdischen Volkes nur durch die Tapferkeit der kurdischen Frauen stattfinden kann. Die kurdischen Frauen sind mutiger, sie kennen den Schmerz, sie sind humanistischer und fürsorglicher als die Männer.“[31] Dem Zugang von Papst Franziskus zu „Leidensgeschichten von Frauen“ widmet Martin Maier SJ (*1960) von der lateinamerikanischen Hilfsaktion Adveniat ein eigenes Kapitel in seinem Impulse-Büchlein „Mit Papst Franziskus Kirche und Welt erneuern“.[32]
Der polnische antikommunistische Papst Johannes Paul II. (1920–2005) hat alles dafür getan, dass die den Armen der Völker konkret zugewandte Kirche in Lateinamerika auf den „Segen“ des Vatikans verzichten musste. Unvergessen möge seine Erniedrigung von Ernesto Cardenal (1925–2020) sein, von dem eine dreibändige, die lateinamerikanische Kirche erhellende Autobiographie überliefert ist.[33] Die Ermordung von Oscár Romero (1917–1980), Erzbischof in El Salvador,[34] oder der sechs, als praktizierende Nachfolger von Jesus Christus wegen ihrer marxistischen, also befreiende Parteinahme für die Opfer und Armen von US-Terroristen ermordeten Jesuiten in El Salvador[35] scheint im argentinischen Jesuitenorden nicht öffentlich debattiert worden zu sein und Papst Franziskus nimmt in seiner Autobiographie dazu nicht ausdrücklich Stellung.
Nähe zur „Volkstheologie“
Im Gegensatz zu dem „Santo subito“ – Papst Johannes Paul II. unterstützt Papst Franziskus den Befreiungstheologen Jon Sobrino SJ (*1938), weiter für die Christologie aus der Sicht der Opfer zu wirken.[36] Papst Franziskus nennt in seiner Autobiographie seinen Ordensbruder Juan Carlos Scannone SJ (1931–2019), der sein Lehrer für Griechisch und Literatur war und für ihn „der wichtigste Vertreter der ‚Volkstheologie‘, einer Form der Befreiungstheologie“ (S. 175 f.). Scannone SJ nimmt die über die Jahrhunderte andauernde Evangelisierung Lateinamerikas als eine „Geschichte von Schuld und Gnade“ wahr. Er erinnert 1992 daran, dass der am 16. November 1989 mit fünf weiteren Jesuiten und zwei Haushälterinnen ermordete Ignacio Ellacuría SJ (1930–1989) drei Wochen zuvor in Bonn die dortigen Regierungsbehörden aufgefordert hat, die erheblichen deutschen Entwicklungsgelder für El Salvador nicht der salvadorianischen Militärdiktatur, sondern nicht-regierungsgebundenen Organisationen und der Kirche zur Verfügung zu stellen. Ellacuría SJ war theologische von Karl Rahner beeinflusst.[37] Scannone SJ, der mit Ellacuría SJ und mit dem ebenfalls ermordeten Segundo Montes SJ (1933–1989) in Innsbruck studiert hat, ist mit seiner „Volkstheologie“ bei allem humanen Denken bei der Ethik des theologischen Gehorsams gegenüber der bestehenden Gesellschaftsordnung stehengeblieben. Dabei ist ihm die Autorität in der Kirche unersetzlich.[38] Mit Scannone SJ hat Papst Franziskus die Texte der klassischen Antike insbesondere Vergilius (70 v. u. Z.-19 v. u. Z.) entdeckt. Der katholische Schriftsteller Theodor Haecker (1879–1945) hat 1931 Vergil, der vom mittelalterlichen Christentum als wesensverwandt angesehen wurde, als “Vater des Abendlandes“ gewürdigt. Haecker sah in dem an die Macht kommenden deutschen Faschismus ein Spiegelbild des vom Untergang bedrohten Abendlandes.[39] Vers 462 aus dem 1. Buch des Aeneis von Vergil hat Papst Franziskus auf einem Kärtchen neben dem Eingang zu seinem Zimmer aufgehängt: „Sunt lacrimae rerum et mentem mortalia tangunt“ (S. 198). „Die Geschichte besteht aus Tränen, und das menschliche Leid verwirrt den Geist …“, so die in der Autobiographie beigegebene Übersetzung. Papst Franziskus merkt für sich an: „Mein Geist hingegen verwirrte sich nicht. Er ging weit auf angesichts dieses wundervollen Humanismus“ (S. 198). Die Dinge haben ihre Tränen behalten.
In den Jahren des Eintritts von Papst Franziskus in den Jesuitenorden war dessen prägende Gestalt der seit 1965 (bis 1981) als Generaloberer wirkende Pedro Arrupe SJ (1907–1991), der den infernalischen US-Atombombenabwurf auf die Menschen von Hiroshima (6. August 1945) selbst erlebt hat.[40] In den USA wurden in den Schulen grausige Filmaufnahmen von Hiroshima gezeigt, die Schüler sollten lernten, sich unter den Schultischen in „Sicherheit“ vor den russischen Atombomben zu bringen.[41] Einige Jahre vor dem Amtsantritt von Arrupe SJ wollte der italienische Jesuit Ricardo Lombardi SJ (1908–1979) dem „Kommunistischen Manifest“ ein „Christliches Manifest“ entgegensetzen und eine Bewegung für eine bessere Welt begründen.[42]
1992 wurde Papst Franziskus zum Weihbischof in Buenos Aires ernannt, 1993 zum Generalvikar und 2001 zum Kardinalpriester, 2005 zum Vorsitzenden der argentinischen Bischofskonferenz, welche Ernennung 2008 bestätigt wurde. Japan hat Papst Franziskus 1987 und 2019 besucht und unmissverständlich erklärt: „Der kriegerische Einsatz von Atomwaffen ist, heute mehr denn je, ein Verbrechen nicht nur gegen die Menschheit und ihre Würde, sondern gegen jede Möglichkeit eines Lebens in unserem gemeinsamen Haus. Er ist unmoralisch, so wie schon der Besitz von Atomwaffen unmoralisch ist“ (S. 208). Arrupe SJ hat es begrüßt, wenn Mitglieder aus dem Orden gegen den US-Völkermord in Vietnam aufgestanden sind. Seinen Mitbruder Daniel Berrigan SJ, der wegen des aktiven Einsatzes für den Frieden in Vietnam von den US-Behörden 1968 inhaftiert worden war, hat er in demonstrativer Brüderlichkeit im Gefängnis besucht.[43] Papst Franziskus war in jungen Jahren über die „höchst blutige Eskalation“ in Vietnam erzürnt. Von den USA abgeworfene Napalmbomben setzten friedliche Dörfer mit allen ihren Menschen in Brand. „Der Krieg ist stets unbegreiflich. Der Krieg ist immer ein vollkommen sinnloses Blutvergießen. Das tat mir damals weh und tut es heute. Ich spüre das buchstäblich in meinem Fleisch“ (S. 213). Auf die auch von den staatsklerikalen Institutionen verfolgten Brüder Philip Berrigan (1923–2002) und Daniel Berrigan SJ ist Papst Franziskus in seiner Autobiographie nicht zu sprechen gekommen, obschon damals die Nachrichten im Westen weltweit täglich von Vietnam im Interesse des US-Imperialismus so berichtet haben wie diese heute von Palästina im Interesse des israelischen Faschismus.
Der 1910 zum Priester geweihte und seit 1947 zuerst in Tübingen, dann in München „christliche Weltanschauung“ lehrende Romano Guardini (1884–1968)[44] wird von Papst Franziskus wiederholt mit Sympathie genannt, zumal er über dessen idealistische Dialektik während seines Aufenthaltes in St. Georgen (Frankfurt a. M.) eine wissenschaftliche Arbeit schreiben wollte. Den zur Zeit von Guardini in Deutschland nach 1945 als „Asphaltprediger“ gleich Joseph Goebbels (1897–1945) gegen den Kommunismus und die Friedensbewegung hetzenden, einflussreichen deutschen Jesuiten Johannes Leppich SJ (1915–1992) wird Papst Franziskus nicht konsultiert haben. Der deutsche Jesuit Gustav Gundlach SJ (1892–1963) rechtfertigte in diesen Jahren des Kalten Krieges gar einen Atomkrieg gegen die sozialistischen Länder.[45] Für die Auseinandersetzung mit den von der Glaubenskongregation diskriminierten Werken des französischen Jesuiten Teilhard de Chardin (1881–1955), der 1936 die im “Evangelium Lenins verborgene geistige Kraft“ bewundert hat,[46] war Papst Franziskus noch zu jung, er hat 2017 dessen Ächtung als überholt erklären lassen.[47] Totgeschwiegen wurde der wegen seiner Nähe zum Marxismus über Nacht von seiner Professur an der durch die Brüder Rahner weltweit bekannt gewordenen Innsbrucker Theologen Fakultät entlassene österreichische Jesuit Johannes Kleinhappl SJ (1893–1979). Dieser hat die sinn- und sittenwidrige Rechtfertigung des kapitalistischen Eigentums durch ein fehl definiertes Naturrecht sehr bedauert. 2009 hat das Wiener Jesuitenkolleg mit Provinzial Gernot Wisser SJ (*1956) eine Rehabilitation ihres zu Unrecht verketzerten früheren Mitbruders Johannes Kleinhappl, der 1947 den Jesuitenorden verlassen hat, in die Wege geleitet.[48] Das Zugehen von Papst Franziskus auf China wird von weltweit tätigen katholischen Gruppierungen immer noch als Verrat an der katholischen Kirche gebrandmarkt, weil Kommunismus im allgemeinen als auch die Kommunistische Partei Chinas im besonderen „unversöhnliche Feinde der Religion und speziell des Katholizismus“ sind.[49]
In einem seiner Resümees schreibt Papst Franziskus: „Die Welt kann sich nur vom Herzen her verändern, weil – wie das Zweite Vatikanische Konzil gelehrt hat – das Ungleichgewicht, unter dem sie leidet, das von weither kommt und unsere zeitgenössische fließende Welt verwässert, sich mit dem tiefsitzenden Ungleichgewicht verbindet, das im Herzen des Menschen wohnt. Der Algorithmus, der die digitale Welt beherrscht, zeigt uns doch im Grunde, dass unsere Gedanken und unsere Willensentscheidungen viel konventioneller, gewöhnlicher, standardisierter sind, als wir glauben. In gewisser Weise sind sie leicht vorhersehbar und ebenso leicht zu manipulieren. Mit dem Herzen ist das anders. […] Wenn die Besonderheit des Herzens nicht geschätzt wird, verlieren wir ausgerechnet jene Antworten, die die Intelligenz allein nicht geben kann. Wir verlieren die Begegnung mit den anderen sowie die historische Geschichte und unsere Geschichten. Denn das wahre persönliche Abenteuer beginnt im Herzen. Am Ende des Lebens zählt nur das“ (S. 366 f.). Für das konkrete Individuum in unserer Welt bleiben solche Worte jenseitig, weil damit die gesellschaftlichen Bedingungen für die Herausbildung des „Herzens“ ignoriert werden. Was für einen dialektischen Materialisten zählt, ist die gelebte Verantwortung gegenüber seinem Gewissen, um aus der Wirklichkeit kritisch eine Wahl zu treffen.
Über Aspekte kirchlicher Tradition
Papst Franziskus weiß, dass er in der Tradition der römisch-katholischen Kirche lebt. Karl Marx (1818–1883) hat über die weltgeschichtliche Realität eindeutig geurteilt: „Die Menschen machen ihre eigene Geschichte, aber sie machen sie nicht aus freien Stücken, nicht unter selbstgewählten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und überlieferten Umständen. Die Tradition aller toten Geschlechter lastet wie ein Alp auf dem Gehirne der Lebenden“.[50] Papst Franziskus hofft: „Die Tradition ist kein Museum, sie ist vielmehr Garantie der Zukunft. […] Die Tradition ist vielmehr die unverzichtbare Wurzel, damit der Baum ständig neue Früchte tragen kann“ (S. 122 f.). Tagtäglich wird der päpstlichen Hoffnung widersprochen, dass Tradition „vorwärts gehen“ bedeutet (S. 265). „Denken wir nur an die Zeiten zurück, als die Sklaverei erlaubt oder die Todesstrafe kein Problem war“ (S. 265). Folter und Todesstrafe, zu denen Jesus in einem von jüdischen Hohenpriestern und Schriftgelehrten angestrengten politischen Prozess vom Statthalter der römischen Herrschaft verurteilt wurde, sind ebenso wie die Sklaverei insbesondere von Kindern und Frauen globale Gegenwart und für den Westen „kein Problem“. Die von Papst Franziskus vertretene Kirche hat in ihrer Vergangenheit schreckliche Verbrechen begangen, es Kirche sei nur an das grausame Terrorinstrument der mittelalterlichen „Inquisition“ vom 13. bis ins 15. Jahrhundert erinnert. Die Pogromaufrufe der Inquisitoren finden in der Aussetzung von Kopfgeldern gegen angebliche „Terroristen“ durch die USA und durch Israel eine brutale Renaissance. Papst Franziskus versucht, sich daran zu erinnern und Grundsätzliches zu ändern. „Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts“, das sei das Fundament der Idee von Papst Franziskus, die Menschheit bei der Suche nach ihrer Würde zu unterstützen.
Widersprüchliches Verhältnis zu Büchern
Romano Guardini war im Einklang mit Rainer Maria Rilke (1875–1926), der in eine katholische Ausformung des Existentialismus flüchtete. 1941, also in einer Zeit, als die aggressivsten Teile des deutschen Kapitalismus zusammen gefunden haben, um mit Adolf Hitler (1889–1945), dessen autobiographische Kampfschrift im deutschen Volk massenhafte Verbreitung gefunden hat,[51] den mörderischen Aggressionskrieg gegen den Osten zu führen, hat Guardini eine konservativ katholische Deutung der Elegien von Rilke über Angst und Sein gegeben.[52] Dabei ist er auf die liebevollen Ansichten von Rilke über die „russische Seele“ und der „Gotterwähltheit des russischen Volkes“ nicht eingegangen.[53] In seinen Vormerkungen zu seiner 1953 veröffentlichten, seiner Mutter zum einundneunzigsten Geburtstag gewidmeten Rilke-Monographie nimmt Guardini auf die von ihm mit erlebte deutsche Barbarei der vergangenen Jahre überhaupt keinen Bezug.[54] Papst Franziskus, der als Jesuitenfrater besonders für Literatur und Psychologie ausgebildet worden ist, wird über den in diesen Jahren in der römisch-katholischen Welt modernen Guardini eine immersive Nähe zu Rilke gespürt und Sympathien für den christlichen Existentialismus entwickelt haben. Nur so wird verständlich, dass er seiner Autobiographie eine in einem Brief niedergeschriebene Sentenz von Rilke voranstellt: „Aber es sprechen viele Anzeichen dafür, dass die Zukunft in solcher Weise in uns eintritt, um sich in uns zu verwandeln, lange bevor sie geschieht“.[55] Papst Franziskus sieht einen Gleichklang mit einem Aphorismus seines Nino Costa (1886–1945), an den er 2015 während seines Besuches zum mythischen Turiner Grabtuch gedacht hat,[56] und mit einer Stelle aus dem Ersten Brief an die Korinther von Paulus „Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke“.[57]
Die vielen in der Deutschen Demokratischen Republik herausgegebenen Werke von Georg Lukács wurden an theologischen Universitätsfakultäten und in den Priesterseminaren nicht rezipiert, weil die Hierarchie Sorge hatte, diese könnten die Bildung der Studierenden vergiften. Lukács hat aber zutreffend analysiert, wie der in zarten Tönen dichtende Rilke „in die triste Prosa der hämisch-reaktionären Verleumdung“ abstürzt, wie das in seinen Versen vom Tod des gefolterten und bei lebendigem Leib verbrannten Jan van Leiden (1509–1536) deutlich wird. Georg Lukács sieht in Rilke „den geistigen und menschlichen Standpunkt jenes bösartigen Kleinbürgertums“, „das später das eigentliche Werbungsgebiet Hitlers abgab“, und verallgemeinert: „Damit erhält die Verlorenheit des Menschen in der Welt ein neues moralisches Gesicht. Nicht nur das ist erschreckend, dass intellektuell hochstehende, feinorganisierte Menschen plötzlich Bestialitäten verherrlichen, dass sie moralisch auf das Niveau sadistisch gewordener Kleinbürger herabsinken, sondern dass dies ihnen unversehens, unbewusst geschieht, dass sie, ohne es zu merken, in diese Bestialitäten hinübergleiten und im nächsten Moment die feinsten Empfindungen in der erlesensten Sprache verkünden. Die Unterwelt öffnet ihre Pforten in der Seele der verfeinertsten Geister der Periode.“[58] Martin Heidegger (1889–1976) und Theodor W. Adorno (1903–1969) wird heute vorgeworfen, sie hätten Rilke „gezielt missverstanden“.[59] #+
Historisch materialistische Einschätzungen sind Papst Franziskus weitgehend fremd geblieben, umso bemerkenswerter ist es, wenn er auf den ersten Seiten (S. 47) daran erinnert, wie der zu den größten Marxisten des vorigen Jahrhunderts zählende Bertolt Brecht (1898–1956) über den Krieg schreibt: „Bei den Besiegten das niedere Volk hungerte. Bei den Siegern hungerte das niedere Volk auch“. Bertolt Brecht hat dieses Gedicht „Der Krieg, der kommen wird“ als Flüchtling 1939 in Svendborg geschrieben (Deutsche Kriegsfibel I).[60] Zum Ausklang seines Wirkens findet Papst Franziskus es richtig, als „Anker der Hoffnung“ einen im Gefängnis 1945 niedergeschriebenen Vers des türkischen, wegen seiner kommunistischen Haltung verfolgten, seit 1938 inhaftierten und erst 1950 entlassenen und von der Sowjetunion aufgenommen Poeten Nâzim Hikmet (1902–1963) aufzugreifen (S. 368): „Das schönste Meer ist das, das wir noch nicht befahren haben. Das schönste unserer Kinder ist noch nicht auf die Welt gekommen. Unsere schönsten Tage sind noch nicht angebrochen. Und was ich dir an Schönstem sagen möchte, habe ich noch nicht gesagt“.[61] Weder Rilke noch Brecht noch Hikmet werden in der „Freiheit“ von Angela Merkel genannt, die als Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland von 2005 bis 2021 mit verantwortlich für die Wiedererweckung deutscher „Kriegstüchtigkeit“ ist.[62]
Öfters bringt Papst Franziskus Anekdoten als Beleg für seine Liebe zur Literatur, manches ist zu viel des Guten. Das „Glück“ eines Kindes reduziert Papst Franziskus mit einer vom „großartigen lateinamerikanischen Schriftsteller“ Eduardo Galeano (1940–2015) überlieferten Antwort der „protestantischen Theologin“ Dorothee Sölle (1929–2003): „Ich würde es überhaupt nicht erklären. Ich würde ihm einen Ball in die Hand drücken, damit es spielen kann“. Dazu der vom Fußball als, wie der italienische Filmemacher Pier Paolo Pasolini (1922–1975) meint,[63] letztem „Mysterienspiel“ begeisterte Papst Franziskus: „Es gibt keine bessere Erklärung für das Glück, für das, was uns glücklich macht. Und spielen macht glücklich, weil wir dabei unsere eigene Freiheit ausdrücken, uns spielerisch aneinander messen, unsere Zeit als Amateure genießen können, ganz einfach… Denn wir können einen Traum verfolgen, ohne dass wir uns zu Meistern entwickeln müssen. Spielen macht auch glücklich, wenn du zwei linke Füße hast“. Ja, spielen macht Kinder sicher glücklich, wenn sie denn in den Elendsregionen nicht nur dahinvegetieren müssen. Der autobiographische Bericht von Eduardo Galeano ist eine Anklage gegen den Antihumanismus in Lateinamerika und begrüßt die demokratischen Volkskräfte mit ihren Helden wie Salvador Allende (1908–1973) in Chile oder Fidel Castro in Kuba. In seinem Ende 1970 in Montevideo fertiggestellten Buch „Die offenen Adern Lateinamerikas“[64] schreibt Galeano über die 51 Millionen Kinder, die in Lateinamerika im Elend leben. Genügt es, diesen einen „Ball zu geben“? Ob von Dorothee Sölle bekannt ist, dass sie ihre Eindrücke aus Lateinamerika in einem Büchlein „Gott im Müll“ zusammengefasst hat und in wunderbaren Worten feststellte: „Die Theologie der Befreiung ist eines der großen Geschenke der Armen Lateinamerikas an die Christenheit, auch an die Mittelklasse der reichen Welt, zu der ich gehöre. Es ist ein Geschenk, das sich nicht aufbraucht, es nährt mich, wie es die Armen nährt“.[65] Es ist für die Befreiungstheologen nicht Mitleiden mit den Armen allein, sondern ihre theologische Rationalität ist die Triebkraft ihres Handelns.
Volk als „mythische Kategorie“
Eine liebevolle Zuneigung pflegte Papst Franziskus seit seiner Jugend zum russischen Weltliteraten Fjodor M. Dostojewski (1821–1881), der in seiner von Krisen durchzogenen Epoche als Dichter entscheidende Fragen über die unmenschliche Funktion eines ganzen herrschenden Systems zu stellen in der Lage war. Fern jeder Reflexion der Wirklichkeit, die zur Theologie gehören sollte, ist der Satz von Papst Franziskus: „Wenn das Herz nicht lebe, schreibt Guardini in Anlehnung an Dostojewski, bleibe der Mensch sich selbst fremd“ (S. 366). Die im Mittelmeer ertrinkenden Flüchtlingskinder, die vielen palästinensischen, die israelischen Massaker ohne Eltern überlebenden und verwundeten Kinder oder die im kongolesischen Bergbau für den Reichtum des Westens arbeitenden Sklavenkinder können das „persönliche Abenteuer“ ihres Herzens nicht erleben. Gegen die von Israel seit Jahrzehnten ausgehende Gewalt gegen das palästinensische Volk in Gaza hat Papst Franziskus in einem Brief vom 7. Oktober 2024 zum Jahrestag des mit Gewaltexzessen verbundenen Ausbruchs der Hamas eindeutig Stellung genommen: „Ich bin bei euch, ihr Bewohner des Gaza-Streifens, geschunden und erschöpft, die ihr jeden Tag in meinen Gedanken und Gebeten seid. Ich bin bei euch, die ihr gezwungen seid, eure Häuser zu verlassen, die Schule und die Arbeit aufzugeben, auf der Suche nach einem Ort, um den Bomben zu entkommen“.[66] Papst Franziskus musste sich wegen dieses Pastoralbriefes besonders in Deutschland und Österreich „Antijudaismus“ von Mitbrüdern oder opportunistischen Universitätstheologen vorwerfen lassen, zumal er aus der Bibel einen von Johannes überlieferten, zum Vorgehen von Israel passenden Vers zitierte: „Er war ein Mörder von Anfang an. Und er steht nicht in der Wahrheit: denn es ist keine Wahrheit in ihm. Wenn er lügt, sagt er das, was aus ihm selbst kommt; denn er ist ein Lügner und ist der Vater der Lüge“.[67]
In den Wohlstandsgesellschaften verlieren Kinder ihren Zugang zum Herzen, weil ihre die vom Reichtum mit seinen Influencer in den sozialen Netzwerken mit Absicht herbeigeführte geistige Verelendung das nicht zulässt. Papst Franziskus bekundet Mitleid mit diskriminierten Randvölkern wie den Roma und Sinti in Rumänien, wo vom österreichischen Jesuiten Georg Sporschill SJ und der deutschen Religionspädagogin Ruth Zenkert das Projekt Elijah für Straßenkinder in Bukarest aufgebaut wurde.[68] „Und wir waren nicht fähig“, so Papst Franziskus, „sie in ihrer Eigenart anzuerkennen, sie zu würdigen und zu verteidigen“ (S. 56).
Im Einvernehmen mit Guardini findet er bei Dostojewski das „mythische Wesen“ des Volkes ohne jede Idealisierung ausgedrückt (S. 223). Für Papst Franziskus ist das Volk „letztlich keine logische Kategorie. Aber auch keine mystische, wenn wir es so verstehen, dass alles, was das Volk sagt oder tut, selbstverständlich gut und gerecht ist, was ein Merkmal der Seligen wäre. Nein. Das Volk ist höchstens eine mythische Kategorie. Eine mythische und historische. Das Volk wird zum Volk durch einen Prozess, durch Anstrengung, die auf ein Ziel oder ein gemeinsames Projekt gerichtet ist. Die Geschichte ist geprägt von diesem langsamen Prozess, der sich innerhalb der aufeinanderfolgenden Generationen vollzieht“ (S. 222 f.). Papst Franziskus warnt davor, dass „häufig die Mächtigen, um sich selbst zu rechtfertigen, vor allem, wenn sie ihre Macht illegitim oder ungerecht ausüben“, die Geschichte ihrer Nation verfälschen. (S. 223). In den Kernaussagen bleibt der Weg zur historisch materialistischen Vertiefung der in Zusammenhang stehenden Merkmale einer Nation offen.[69] Über die jugoslawischen Völker Slowenen, Kroaten und Serben ist Papst Franziskus ein ihm vielleicht von seinem deutschen Vorgänger Benedikt XVI. (1927–2022) zugetragenes Bonmot (S. 157) erzählenswert: „Mit zwei Slowenen kannst du einen Chor gründen, mit zwei Kroaten ein Parlament und mit zwei Serben ein Heer“. Wer solche politisch motivierten Vorverurteilungen über Völker verbreitet, muss sich fragen, weshalb jene aus der Tradition der Volksdichtung erwachsenen Volkslieder jugoslawischer Partisanen kirchlichen Kreisen fremd sind: „Im Monat Juni an neunten Tag / starben zwölf Serbenmädchen auf einen Schlag, / zwölf Serbenmädchen, zwölf graue Falken, / gefällt vom Pulver und Blei der Ustaschen. / Zwölf arme Mütter irren durch Wälder und Haine, / jede sucht ihr liebes Kind, das einzig eine.“[70] Vorverurteilungen rechtfertigen im Nachhinein die 1999 von den USA und der NATO mit Unterstützung des neutralen Österreich im geopolitischen und neokolonialen Interesse betriebenen Kriegsverbrechen gegen die nach dem opfervollen Befreiungskampf von der mörderischen Besatzung der deutschen Wehrmacht friedlich zusammenlebenden und zusammenwachsenden jugoslawischen Völker.[71] Als Benedikt XVI. 2011 in Kroatien war, hat er über die Mitschuld der katholischen Kirche kein Wort verloren, sondern allein den in die Europäische Kriegsunion drängenden Katholizismus der Kroaten gesegnet.[72]
1999 hat die Bundesrepublik Deutschland erstmals wieder völkerrechtswidrig bombardiert. Die Mauer zwischen der Deutschen Demokratischen Republik, wo die Menschen mit realhumanistischen Rechten lebten und von der nie ein Krieg ausgegangen ist, und der im NATO-Verbund zum Krieg aufrüstenden Bundesrepublik Deutschland, wo die Menschen wie überall im Kapitalismus mit verbalhumanistischen Rechten lebten,[73] war zehn Jahre zuvor gefallen, was Papst Franziskus im Einvernehmen mit dem deutschen Papst Benedikt XVI. fern der daraus erwachsenen historischen Folgen als geschichtliche Errungenschaft bejubelt. Papst Franziskus erinnert sich an die vom argentinischen Staatsfernsehen vermittelte „Freude vieler älterer Menschen“, die den Mauerfall „seit wer weiß wie vielen Jahren herbeigesehnt hatten“.[74] Die Betroffenheit der sehr vielen deutschen Bürgerinnen und Bürger, die nach der Befreiung vom Hitlerfaschismus am Aufbau eines neuen, friedliebenden und solidarischen Deutschlands mitgewirkt haben, wurde ebenso wenig vermittelt wie die nicht zu bändigende Gier der den Osten überrollenden Profiteure aus der Bundesrepublik. In ihren Erinnerungen schreibt die nach ihrer Rückkehr aus den USA, wo sie Zuflucht vor den deutschen Rassisten gefunden hat, in der DDR wirkende Kinderärztin Ingeborg Rapoport (1912–2017) über die DDR: „Keine Massenarbeits- und Obdachlosigkeit, eine relativ geringe Kriminalität, dagegen Friedfertigkeit, Toleranz gegenüber anderen Völkern und eine insgesamt größere Sorgfalt in den Beziehungen der Menschen zueinander als zumindest ich sie je vor- oder nachher erlebt habe“.[75]
Noch 2024 beruft sich Papst Franziskus auf die Nebelworte zum „Mauerfall“ von Papst Johannes Paul II., „dass auf die Fürbitte der Gottesmutter die Hoffnungen der Menschen sich in Gerechtigkeit, Freiheit und innerem wie äußerem Frieden erfüllen“.[76] Papst Franziskus qualifiziert Michail Gorbatschow (1931–2022) als einen „der größten Staatsmänner, die die UdSSR je hatte“, obschon dieser viele Jahre ein Agent der moralisch psychologischen Kriegsführung des Westens gegen die realsozialistischen Länder war.[77] Ein lateinamerikanischer Papst, der ein Ideenträger der globalen Friedenskräfte ist, sollte in seiner „praktisch-kritischen Tätigkeit“[78] an den russischen revolutionären Staatsmann Wladimir I. Lenin erinnern, den der 1925 zu Vorträgen nach Buenos Aires eingeladene und schon damals als Pazifist bekannte Albert Einstein (1879–1955), als „Hüter und Erneuerer des Gewissens der Welt“ erlebt hat.[79]
[1] Lexikon der Antike. Hg. von Johannes Irmscher in Zusammenarbeit mit Renate Johne. Gondrom Verlag Bindlach 8. A. 1987, S. S 76; eine Einführung über die Morphologie der Autobiographie gibt Martina Wagner-Egelhaaf: Autobiographie. Verlag J. B. Metzler Stuttgart / Weimar 2009.
[2] Arnold Reisberg: Lenins Jugend. Verlag Neues Leben. Berlin 1973, S. S. 72 und 159; W. I. Lenin: Werke. Band 38 (Philosophische Hefte), Dietz Verlag Berlin 1981, öfters.
[3] Antonio Gramsci: Gefängnishefte. Band 5 herausgegeben von Klaus Bochmann und Wolfgang Fritz Haug unter Mitwirkung von Peter Jehle. Hefte 8–9. Argument Verlag Hamburg 1993, S. 958.
[4] Augustin. Bekenntnisse. Eingeleitet und übertragen von Wilhelm Thimme. Philipp Reclam Jun. Stuttgart. 1979.
[5] Wolfgang Bauer: Das Antlitz Chinas. Die autobiographische Selbstdarstellung in der chinesischen Literatur von ihren Anfängen bis heute. Carl Hanser Verlag Wien München 1990.
[6] Papst Franziskus mit Carlo Musso. Hoffe. Die Autobiographie. Aus dem Italienischen von Elisabeth Liebl Kösel-Verlag, München 2025. 384 S.
[7] Spes non confundit – Verkündigungsbulle des ordentlichen Jubiläums des Jahres 2025 (9. Mai 2024) | Franziskus
[8] Papst Franziskus: Mein Leben. Mein Weg. El Jesuita. Die Gespräche mit Jorge Mario Bergoglio von Sergio Rubin und Francesca Ambrogetti. Vorwort von Rabbi Abraham Skorka. Herder Verlag Freiburg / Basel / Wien 2013; Antonio Spadaro SJ: Das Interview mit Papst Franziskus- Herausgegeben von Andreas R. Batlogg SJ. Herder Verlag Freiburg / Basel / Wien 2013; Papst Franziskus: Wage zu Träumen. Mit Zuversicht aus der Krise. Kösel Verlag München 2020; Papst Franziskus: Leben. Meine Geschichte in der Geschichte. Aus dem Italienischen von Friederike Hausmann und Stefanie Römer. HarperCollins Hamburg 2024.
[9] Sergej Michajlovič Tretjakow: Den Ši-chua ein junger Chinese erzählt sein Leben. Nachdruck Berlin 1932;
Den Schi-Chua. Die Geschichte eines chinesischen Revolutionärs. Bio-Interview. Verlag Luchterhand Neuwied 1974. Zitat aus dem Vorwort zur russischen Ausgabe.
[10] Georg Lukács: Gelebtes Denken. Eine Autobiographie im Dialog. Red.: István Eörsi. Aus dem Ungarischen von Hans-Henning Paetzke. Suhrkamp Frankfurt a. M. 1981.
[11] Thich Nhat Hanh / Daniel Berrigan: Das Boot ist nicht das Ufer. Gespräche über buddhistisch-christliches Bewusstsein. Goldmann Verlag München 2001.
[12] Thich Nhat Hanh: Mein Leben ist meine Lehre. Autobiographische Geschichte und Weisheiten eines Mönchs. Aus dem Englichsen von Ursula Richard. O. W. Barth Verlag München 2017.
[13] Z. B. Gerhard Oberkofler: Geben befreiungstheologische Positionen von Papst Franziskus zur Hoffnung Anlass? trafo Verlagsgruppe Wolfgang Weist Berlin 2018; derselbe: Papst Franziskus als Internationalist des menschlichen Miteinander über die Dialektik von Reich und Arm. In: Marxismus und Theologie. Materialien der Jahrestagung 2018 der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften. Abhandlungen der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften 55. Berlin 2019, S. 117–131; derselbe: Papst Franziskus. In: Mitteilungen der Kommunistischen Plattform der Partei DIE LINKE Heft 2 / 2023, S. 17–26.
[14] Texte von Papst Franziskus. Ein Camino Buch Verlag Katholisches Bibelwerk GmbH, Stuttgart 2015.
[15] Lumen fidei vom 29. Juni 2013; Laudato si‘ vom 18. Juni 2015; Fratelli tutti vom 3. Oktober 2020; Dilexit nos vom 24. Oktober 2024.
[16] Option für die Armen. Theologie der Befreiung und kirchliche Basisgemeinden in Lateinamerika. Reclam Verlag Leipzig 1990; Leonardo Boff: Franziskus aus Rom und Franz von Assisi. Ein neuer Frühling für die Kirche. Aus dem Portugiesischen übersetzt von Bruno Kern. Butzon & Bercker. Verlag Kevelaer 2014.
[17] Jürgen Kuczynski: Die Erziehung des J. K. zum Kommunisten und Wissenschaftler. Aufbau Belag Berlin und Weimar 3. A. 1981; vgl. dazu Hermann Klenner: Über Marxens Religions- und Rechtskritik. In: UTOPIE Heft 84 Oktober 1997, S. 5–10.
[18] Dialog mit meinem Urenkel. 19 Briefe und ein Tagebuch. Aufbau Verlag Berlin 1985; mehrere Auflagen; Fortgesetzter Dialog mit meinem Urenkel. Fünfzig Fragen an einen unverbesserlichen Urgroßvater. Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag 1997; mehrere Auflagen; Letzte Gedanken? Zu Philosophie und Soziologie, Geschichtswissenschaft und Wirtschaftswissenschaft, schöne Literatur und zum Problem der deutschen Intelligenz. PapyRossa Verlag Köln 1995.
[19] Thich Nhat Hanh, Mein Leben, S. 5.
[20] Hugo Rahner S. J.: Ignatius von Loyola. Briefwechsel mit Frauen. Verlag Herder Freiburg 1956.
[21] Vgl. Norbert Arntz: Der Katakombenpakt. Für eine dienende und arme Kirche. topos taschenbücher Kevelaaer 2015.
[22] Fidel Castro: Mein Leben. Fidel Castro mit Ignacio Ramonet. Aus dem Spanischen von Barbara Köhler. Rotbuch Verlag Berlin 2008, S. 581.
[23] Henry A. Kissinger: Memoiren 1968–1973. C. Bertelsmann Verlag München 1979, S. 981.
[24] Renate Wind: Bis zur letzten Konsequenz. Die Lebensgeschichte des Camilo Torres. Beltz Verlag Weinheim und Basel 1994.
[25] Gerhard Oberkofler: Österreichs Spitzendiplomatie vor Ort. Das Beispiel Chile 1973. Gewidmet dem 50. Jahrestag des Sturzes der Regierung Allende. trafo Verlag Berlin 2023, S. 44.
[26] Papst Franziskus: Fratelli tutti. Enzyklika über die Geschwisterlichkeit und die soziale Freundschaft. Patmos Verlag Ostfildern 2020, Pkt. 14.
[27] Apostolische Reise des Heiligen Vaters nach Chile und Peru (15.–22. Januar 2018) | Franziskus
[28] Marta Rojas / Mirta Rodriguez Calderon: Tania la Guerrillera. Aus dem Spanischen von Nadja Bunke. Militärverlag der DDR Berlin 1982.
[29] The Latin American Church on JSTOR
[30] Simone de Beauvoir: Alles in allem. Deutsch von Eva Rechel Mertes. Rowohlt Verlag Hamburg 1974.
[31] Songül Kurt: Kurdische Frauen im Übergang. Über traditionelle Erziehung und gesellschaftliche Voraussetzungen für Veränderungen im Handeln und Denken. Bachelorarbeit Innsbruck 2012, S. 50; Internationale Konferenz der Frauen aus Kurdistan zum internationalen Frauentag. Freie Frauenbewegung Kurdistans (TAJK). o. O., o. J.
[32] Martin Maier: Mit Papst Franziskus Kirche und Welt erneuern. Ignatianische Impulse. Echter Verlag GmbH Würzburg 2024.
[33] Band 1 (1998), Band 2 (2002) und Band 3 (2004) Peter Hammer Verlag Wuppertal
[34] Martin Maier: Oscar Romero. Prophet einer Kirche der Armen. Herder Verlag Freiburg / Basel / Wien 2015.
[35] Jon Sobrino: Sterben muß, wer an Götzen rührt. Das Zeugnis der ermordeten Jesuiten in San Salvador. Fakten und Überlegungen. Mit einem Hintergrundbericht von Roger Peltzer. Exodus Verlag Fribourg / Brig 1990.
[36] Vgl. z. B. Jon Sobrino: Der Glaube an Jesus Christus. Eine Christologie aus der Perspektive der Opfer. Herausgegeben und mit einer Einführung versehen von Knut Wenzel. Übersetzt von Ludger Weckel. Matthias Grünewald Verlag 2008.
[37] Vgl. Martin Maier: Karl Rahners Einfluss auf das theologische Denken Ignacio Ellacurías. In: Zeitschrift für Katholische Theologie. 122 (2000), S. 83–109.
[38] Juan Carlos Scannone: Das Theorie-Praxis-Verhältnis in der Theologie der Befreiung. In: Karl Rahner / Christian Modehn / Hans Zwiefelhofer (Hrsg.): Befreiende Theologie. Der Beitrag Lateinamerikas zur Theologie der Gegenwart. Mit Beiträgen von Leonardo Boff et al. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart / Berlin / Köln / Mainz 1977, S. 77–96; Juan Carlos Scannone: Weisheit und Befreiung. Volkstheologie in Lateinamerika. Patmos Verlag Düsseldorf 1992 (hier S. 21 f.).
[39] Thomas Haecker: Vergil. Vater des Abendlandes. Verlag Hegner Leipzig 1. A. 1931.
[40] Martin Maier: Pedro Arrupe – Zeuge und Prophet. Ignatianische Impulse (Band 24). Echter Verlag Würzburg 2007.
[41] Bill Gates: Source Code. Meine Anfänge. Aus dem amerikanischen Englisch von Henning Dedekind, Ursula Held, Karsten Petersen Hans-Peter Remmler und Sigrid Schmid. Piper München 2025, S. 45.
[42] Riccardo Lombardini SJ: Die marxistische Doktrin. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1956.
[43] Vgl. Gerhard Oberkofler: Friedensbewegung und Befreiungstheologie. Marxistische Fragmente zum Gedenken an den Friedenskämpfer Daniel Berrigan SJ (1921–2016). trafo Ver Wissenschaftsverlag, Berlin 2016.
[44] Romano Guardini – Wikipedia
[45] Gustav Gundlach – Wikipedia mit weiterführenden Literaturhinweisen
[46] Pierre Teilhard de Chardin: Das Tor in die Zukunft. Ausgewählte Texte zu Fragen der Zeit. Hg. und erläutert von Günther Schiwy. Deutscher Tb Verlag München 1987, S. 90.
[47] Ravasi: Ächtung Teilhard de Chardins überholt – Vatican News
[48] Vgl. Gerhard Oberkofler: Eine Erinnerung an den Moraltheologen Johannes Kleinhappl. Die Organisation der Veranstaltung zum Gedenken an Johannes Kleinhappl oblag P. Alois Riedlsperger SJ.
[49] Kirchliche Umschau. Die ewige Stadt und der katholische Erdkreis. 27. Jahrgang, Nr. 6, Juni 2024 (Heft: China und der Vatikan heute).
[50] MEW 8 (1973), S. 115.
[51] Mein Kampf. Zwei Bände in einem Band. Ungekürzte Ausgabe. Erster Band: Eine Abrechnung. Zweiter Band: Die nationalsozialistische Bewegung. 434.–443. Auflage Zentralverlag der NSDAP, Frz. Eher Nachf. München 1939.
[52] Romano Guardini: Zu Rainer Maria Rilkes Deutung des Daseins. Eine Interpretation der zweiten, achten und neunten Duineser Elegie. Verlag Helmut Küpper. Berlin / Leipzig 1941.
[53] Vgl. Konstantin Asadowski (Hg.): Rilke und Rußland. Briefe. Erinnerungen, Gedichte. Aufbau Verlag Berlin und Weimar 1986.
[54] Romano Guardini: Rainer Maria Rilkes Deutung des Daseins. Eine Interpretation der Duineser Elegien. Kösel Verlag München 1953.
[55] „Hoffe“, S. 7. Rainer Maria Rilke: Briefe an einen jungen Dichter. Mit den Briefen von Franz Xaver Kappus. Herausgegeben von Erich Unglaub. Göttingen Wallstein Verlag Göttingen 2019. Dort der Brief von Rilke an Franz Xaver Kappus (1883–1986) vom 12. August 1904, S. 66–72 mit dem Zitat von Papst Franziskus auf (S. 67: „Wir können nicht sagen, wer gekommen ist, wir werden es vielleicht nie wissen, aber es sprechen viele Anzeichen dafür, daß die Zukunft in solcher Weise in uns eintritt, um sich in uns zu verwandeln, lange bevor sie geschieht“.
[56] Angelus, 21. Juni 2015, Turin | Franziskus; https://www.katholisch.de/artikel/5506-im-schatten-des-grabtuchs
[57] „Hoffe“, S. 7.
[58] Georg Lukács: Skizze einer Geschichte der neueren deutschen Literatur. Aufbau Verlag Berlin 1953, S. 32 f.; vgl. auch Ernst Fischer: Kunst und Menschheit. Essays. Globus Verlag Wien 1949, S. 156 f.
[59] Sandra Richter: Rainer Maria Rilke oder Das offene Leben. Eine Biographie. Mit zahlreichen Abbildungen. Insel Verlag Berlin 2025, Vorwort.
[60] Die Gedichte von Bertolt Brecht in einem Band. Suhrkamp Verlag Frankfurt a. M., hier 6. A. 1990, S. 637.
[61] Nâzim Hikmet: Davis schönste Meer ist das noch nicht befahrene. J&D Dağyeli Verlag Berlin 2007, S. 71.
[62] Angela Merkel: Freiheit. Erinnerungen 1954–2021. Kiepenheuer& Witsch Köln 2024.
[63] Pier Paolo Pasolini: in persona. Gespräche und Selbstzeugnisse. Hg. und mit einem Vorwort von Gaetano Biccari. Aus dem Italienischen von Martin Hallmannsecker u. a. Verlag Klaus Wagenbach Berlin 2022, S.149.
[64] In deutscher Sprache Peter Hammer Verlag GmbH, Wuppertal 1973, zwischen 1973 und 2008 20 Auflagen, 2. A. der Neuausgabe 2010.
[65] Dorothee Sölle: Gott im Müll. Eine andere Geschichte Lateinamerikas. Deutscher Taschenbuchverlag München 1992, S. 115.
[66] Schreiben des Heiligen Vaters an die Katholiken im Nahen Osten (7. Oktober 2024) | Franziskus; der ganze Bibelvers Johannes 8, 44 in: Die Bibel. Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift. Verlag Katholisches Bibelwerk GmbH Stuttgart 12. A. 2015, S. 1194.
[67] Z. B. Christian M. Rutishauser: Nahost: Franziskus‘ fataler Lapsus. Die Furche vom 24. Oktober 2024; Jan-Heiner Tück: Der Patzer des Papsts. Die Presse vom 18 Oktober 2024.
[68] Vgl. Moise. Mein Freund. Verlag für moderner Kunst. Wien 2024.
[69] Vgl. J. W. Stalin: Marxismus und nationale Frage. In: Werke, Band 2 (1907–1913), S. 266–333.
[70] Du Schwarze Erde. Lieder jugoslawischer Partisanen. Auswahl und Nachdichtung von Ina Jun-Broda. Aufbau Verlag Berlin 1958, S. 17.
[71] Vgl. Wolfgang Richter / Elmar Schmähling / Eckart Spoo (Hrsg.): Die Wahrheit über den NATO-Krieg gegen Jugoslawien. Schrift des Internationalen Vorbereitungskomitees für ein Europäisches Tribunal über den NATO-Krieg gegen Jugoslawien. Schkeuditzer Buchverlag 2000.
[72] https://www.vatican.va/content/benedict-xvi/de/speeches/2011/june/documents/hf_ben-xvi_spe_20110604_cd-croazia.html
[73] Vgl. zu dieser Definition Hermann Klenner: Menschenrechte und Völkerrecht. In: Einheit 11–78, S. 1105–1113.
[74] Papst Franziskus, Leben, S. 125–140.
[75] Ingeborg Rapoport: Meine ersten drei Leben. Erinnerungen. edition ost Berlin 1997, S. 370.
[76] Papst Franziskus, Leben, S. 135 f.
[77] Papst Franziskus, Leben, S. 130 f.
[78] Karl Marx: Thesen über Feuerbach, 3. MEW 3 (1969), S. 5.
[79] Gelegentliches von Albert Einstein. Zum fünfzigsten Geburtstag 14. März 1929 dargebracht von der Soncino-Gesellschaft der Freunde des jüdischen Buches zu Berlin. Berlin im März 1929, S. 20 f.; zitiert auch von Siegfried Grundmann: Einsteins Akte. Einsteins Jahre in Deutschland aus der Sicht der deutschen Politik. Springer Verlag Berlin / Heidelberg / New York 1998, S. 331.