Washington. Der US-Kongress hat die geplante Mars Sample Return-Mission (MSR-Mission) der NASA, deren Ziel die erstmalige Rückholung von Gesteins- und Bodenproben vom Mars war, eingestellt. Ausschlaggebend hierfür ist die Entscheidung des Senats, die notwendigen Mittel im Bundeshaushalt nicht mehr bereitzustellen. Damit endet eines der ambitioniertesten wissenschaftlichen Raumfahrtprojekte der vergangenen Jahrzehnte.
Die Mission war als Gemeinschaftsprojekt der NASA mit der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) angelegt. Der Rover Perseverance, der seit 2021 im Rahmen der Mars 2020-Mission auf dem Mars im Einsatz ist, hat bereits zahlreiche Proben gesammelt und versiegelt. Diese sollten im Rahmen mehrerer Missionen in den 2030er Jahren zur Erde gebracht und hier mit modernsten Labormethoden untersucht werden.
Kostenentwicklung und politische Entscheidung
Ursprünglich waren die Kosten auf etwa elf Milliarden US-Dollar angelegt, konnten jedoch durch Veränderungen an der Missionsinfrastruktur auf etwa sieben Milliarden US-Dollar reduziert werden. Doch laut US-Kongress ist auch diese reduzierte Summe nicht mit dem Budget vereinbar. Die Besonderheit der Entscheidung liegt darin, dass der Beschluss der US-Administration, wissenschaftliche Ausgaben zu halbieren und Fördermittel für die NASA zu vierteln, eigentlich rückgängig gemacht wurde. Die Entscheidung erhöht das Budget für wissenschaftliche Forschung, mit Ausnahme der MSR-Mission, welche spezifisch von dem Beschluss ausgeschlossen wurde.
Missionsinfrastruktur und Bedeutung für die Forschung
Das letzte geplante Design sah die Landung einer Sonde in der Nähe des Perseverance-Rovers vor. Der Rover würde die Proben in rohrförmigen Behältern in die Sonde transferieren. Falls dies aufgrund des Terrains nicht möglich wäre, würden kleine ferngesteuerte Helikopter zum Bergen der Proben verwendet. Diese Möglichkeit des Transports in der Marsatmosphäre wurde bereits mit der Sonde Ingenuity, ebenfalls im Rahmen der Mars 2020-Mission, erfolgreich getestet. Die Proben würden dann mithilfe einer kleinen Rakete im Lander in den Marsorbit gebracht und dort mit einem Orbiter docken, der die Proben daraufhin zur Erde bringen würde.
Aus wissenschaftlicher Sicht galt die Marsprobenrückholung als zentraler Schritt in der Planetenforschung. Die Analyse von Marsmaterial unter irdischen Laborbedingungen hätte neue Erkenntnisse über die geologische Entwicklung des Planeten und mögliche Spuren früheren mikrobiellen Lebens liefern können. Solche detaillierten Untersuchungen sind mit den Instrumenten an Bord des Perseverance nicht möglich. Aufgrund von Größe und Masse wäre es auch sehr schwer, die benötigten Instrumente auf den Mars zu bringen. Ohne eine Bergung der Proben wären solch detaillierte Forschungen erst in vielen Jahrzehnten möglich.
Auswirkungen auf Europa und internationale Kooperation
Auch für Europa hat die Entscheidung Konsequenzen. Die ESA war mit mehreren zentralen Komponenten an der Mission beteiligt, darunter dem Rückkehrorbiter. Mit dem Aus der US-Finanzierung ist auch der europäische Beitrag hinfällig. Beobachter sehen darin einen Rückschlag für die transatlantische Zusammenarbeit in der Raumfahrt. Andere Raumfahrtnationen, insbesondere China, verfolgen eigene Pläne zur Rückholung von Mars-Proben und könnten nun eine führende Rolle in diesem Forschungsbereich übernehmen.
Ein Blick in die Zukunft
Ob die Marsprobenrückführung zu einem späteren Zeitpunkt in veränderter Form wieder aufgegriffen wird, ist derzeit offen. Die NASA erklärte, man prüfe alternative, kostengünstigere Konzepte. Konkrete Zeitpläne oder Zusagen gibt es jedoch nicht.
Dennoch gibt es durch den Beschluss wieder Fördermittel für andere NASA-Projekte. 500 Millionen US-Dollar sind für die Dragonfly-Mission vorgesehen, mit der eine Rotoren zur Fortbewegung nutzende Sonde zur Erforschung des Saturnmondes Titan geplant ist. Ebenso wurden 208 Millionen US-Dollar für den Weiterbetrieb des James-Webb-Weltraumteleskops und 300 Millionen für die Inbetriebnahme des Nancy-Grace-Roman-Weltraumteleskops eingeteilt. Letzteres ist auf die Suche und Untersuchung von Exoplaneten und dunkler Materie spezialisiert und soll spätestens im Mai 2027 starten.
Fest steht: Mit der Einstellung der Mission endet vorerst ein zentrales Vorhaben der internationalen Weltraumforschung – und eine wissenschaftliche Chance, deren Realisierung auf absehbare Zeit vertagt ist.
Quelle: Science Alert/Live Science




















































































