Kommentar von Daniela Noitz, Mitglied der Partei der Arbeit (PdA) und Autorin.
Während in Österreich erneut über Kürzungen im Sozialbereich diskutiert wird, zeigt sich einmal mehr, wie selektiv Solidarität im Kapitalismus organisiert ist. In einem Land, das sich gerne als wohlhabend und sozial versteht, wird nicht gefragt, wie Obdachlosigkeit überwunden werden kann, sondern wie viel Hilfe „noch zumutbar“ ist. Die Debatte ist entlarvend: Nicht das Elend gilt als Problem, sondern seine Finanzierung.
Besonders deutlich wird diese Logik bei obdachlosen Menschen mit Tieren. Viele von ihnen hätten theoretisch Zugang zu Schlafplätzen oder Notunterkünften – praktisch jedoch nur unter der Bedingung, dass sie sich von ihrem Tier trennen. Wer das nicht tut, gilt als selbst schuld, als uneinsichtig, als nicht integrationswillig. Damit wird Verantwortung erneut individualisiert und strukturelle Gewalt unsichtbar gemacht.
Aus marxistischer Sicht ist diese Praxis kein Missverständnis, sondern Teil einer umfassenden Strategie des Sozialabbaus. Unterstützung wird zunehmend an Bedingungen geknüpft, die für die Betroffenen kaum erfüllbar sind. Hilfe wird nicht gestrichen, sondern verknappt, fragmentiert und moralisiert. So kann man kürzen, ohne offen zuzugeben, dass man Menschen fallen lässt.
Die politische Botschaft ist eindeutig: Wer im kapitalistischen Verwertungsprozess keinen Platz mehr hat, soll möglichst wenig kosten. Obdachlose Menschen sind in dieser Logik kein gesellschaftliches Subjekt, sondern ein Budgetposten. Ihre Bedürfnisse gelten nicht als legitim, sondern als überzogen. Dass Unterstützungen gekürzt werden sollen, trifft daher nicht zufällig die Schwächsten, sondern folgt einer klaren Klassenlogik.
Die Forderung, sich von einem Tier zu trennen, ist dabei mehr als eine organisatorische Maßnahme. Sie ist ein Akt sozialer Disziplinierung. Für viele obdachlose Menschen ist das Tier der letzte stabile soziale Bezug – Schutz, Beziehung, Struktur, Verantwortung. Diese Beziehung existiert außerhalb von Markt und Leistung. Genau deshalb ist sie im Kapitalismus verdächtig. Wer Hilfe nur unter der Bedingung gewährt, dass diese Bindung aufgegeben wird, zwingt Menschen zur vollständigen Vereinzelung.





















































































