Die Pharmaindustrie präsentiert sich gerne als Motor des medizinischen Fortschritts. Ohne Patente, so heißt es, gäbe es keine Innovation. Ohne hohe Preise wären keine neuen Medikamente entwickelt worden. Allerdings ist diese Darstellung nicht nur einseitig, sondern sie verschleiert auch die Realität. Denn die Wahrheit ist, dass die Gesellschaft bezahlt und die Konzerne kassieren.
Die Grundlagen moderner Medizin entstehen nicht in den Chefetagen der Pharmakonzerne, sondern an den öffentlichen Universitäten, in staatlich finanzierten Forschungsprojekten und durch jahrzehntelange gesellschaftliche Investitionen. Eine umfassende Analyse zeigt, dass alle neuen Medikamente der Jahre 2010 bis 2016 auf öffentlich finanzierter Forschung basieren. Das bedeutet, dass es ohne öffentliche Gelder keine pharmazeutischen Innovationen gäbe. Dies wiederum, dass es ohne gesellschaftliche Vorleistung keine Profite lukriert werden könnten. Dennoch gehören die Patente ebenso den Konzernen, wie die Gewinne.
COVID-19: Der Beweis auf offener Bühne
Die Pandemie hat offengelegt, was sonst verborgen bleibt. Über 30 Milliarden Dollar öffentlicher Gelder flossen in die Entwicklung und die Produktion von mRNA-Impfstoffen. Die zugrundeliegende Technologie wurde über Jahrzehnte öffentlich erforscht. Dennoch erzielten Pfizer und Moderna über 100 Milliarden Dollar Umsatz. Daraus geht ganz klar hervor: Risiko und Kosten werden sozialisiert, während Gewinne privatisiert werden.
Die bürgerliche Erzählung vom „unternehmerischen Risiko“ hält der Realität nicht stand, denn der Staat finanziert die Forschung, subventioniert die Produktion und garantiert die Abnahme. Während die Konzerne die Patente sichern, die Preise kontrollieren und die Gewinne maximieren. Das hat nichts mit freiem Markt zu tun, sondern ist ein abgesichertes Profitsystem.
Doch nicht nur die Forschung wird bezahlt, sondern auch die Menschen dahinter, denn die Ausbildung findet an öffentlichen Universitäten statt, die mit Steuergeldern finanziert werden und öffentliche Infrastruktur nutzen. Während die Gesellschaft das Wissen produziert und finanziert, eignen es sich die Konzerne an.
Patente als Instrument globaler Kontrolle
Die Folgen sind weltweit sichtbar: Lebenswichtige Medikament bleiben unerschwinglich. Die Länder des globalen Südens werden abhängig gehalten und Gesundheit wird zur Ware. Patente sind kein neutrales Instrument, sondern ein Machtmittel. Ein Mittel, mit dem reiche Staaten und Konzerne den Zugang zu Medizin kontrollieren.
Kuba zeigt: Es geht auch anders
Ein Blick nach Kuba reicht, um die Behauptung zu widerlegen, es gäbe keine Alternative. Denn trotz Blockade und Armut gibt es eine staatlich organisierte Pharmaforschung. Es werden eigene Impfstoffe entwickelt und medizinische Hilfe international verbreitet. Kuba exportiert Ärztinnen und Ärzte und nicht Profite. Daran erkennt man, dass Medizin so organisiert werden kann, dass nicht der Profit als oberstes Prinzip fungiert.
Fazit
Das System funktioniert nach einer einfachen Logik: Die Gesellschaft trägt die Kosten, während die Konzerne die Ergebnisse kontrollieren. Wissen wird zwar gesellschaftlich produziert, aber Eigentum bleibt privat. Das ist kein Zufall, sondern System.
Die entscheidende Frage lautet demnach nicht, ob wir uns eine andere Organisation leisten können, sondern wer die Ergebnisse gesellschaftlicher Arbeit kontrolliert. Solange die Antwort private Konzerne lautet, wird sich nichts ändern. Eine wirklich gerechte Gesundheitsversorgung erfordert mehr als Reformen. Sie erfordert die Überwindung eines Systems, das Gesundheit zur Ware und Forschung zum Profitinstrument macht.
Quellen: cidrap/chemdiv/healthpolicy-watch.news/bmjgroup



















































































