Kommentar von Marie Jaeger, Mitglied des Parteivorstandes der Partei der Arbeit (PdA).
Mitte der vergangenen Woche war in allen Nachrichten zu lesen, hören und sehen, dass laut Daten der Weltgesundheitsorganisation fast 40 Prozent der Krebserkrankungen vermeidbar wären. Diese Zahlen basieren auf globalen Daten und es handelt sich um die erste Analyse dieser Art. Neben Alkohol und Rauchen wurden Infektionen als Ursachen vermeidbarer Krebserkranken angeführt. Bei Männern liegt der Anteil höher als bei Frauen, diese haben auch insgesamt statistisch ein anderes Gesundheitsverhalten als Frauen. Es wird auch berichtet, dass in Asien und Afrika Infektionen wie humanes Papillomavirus (HPV), Hepatitis B und C oder auch HIV, als vermeidbare Krebsursache verbreiteter sind als in anderen Teilen der Welt. Es werden auch 14 Möglichkeiten das persönliche Krebsrisiko zu senken, die von der WHO als Europäischer Kodex gegen Krebs veröffentlicht wurden verbreitet.
Was in den Berichten und Artikeln nicht thematisiert wird, ist, was eigentlich die Basis für die vermeidbaren Risikofaktoren ist, die vorherrschende Produktions- und Wirtschaftsweise, der Kapitalismus. Ein System, nach dem die Gesellschaft in weiten Teilen der Welt die nach diesem organisiert sind, dem soziale Bedürfnisse und Menschenwürdigkeit untergeordnet werden in dem allen voran Profite zählen. Ein System in dem zumindest das Leben des Volkes geopfert werden, solange Arbeitskraft im funktionsnotwendigen Umfang reproduziert wird. Es können Teile der Arbeiterklasse an Krankheiten, Kriegen, ökologischen Katastrophen, Grenzschutz und vielem mehr sterben, als dass dies den Fortbestand des Systems nicht gefährdet.
Krankheitsrisiken sind ungleich verteilt
In dieser Produktionsweise ist so also auch das Krankheitsrisiko nach Klassen verschieden verteilt. Je nach Region in der Welt trifft es die Arbeiterklasse nochmal härter, beispielsweise weil die Profite mit Medikamenten und Impfungen in diesen Teilen der Welt nicht hoch genug sind, als dass es sich lohnen würde Menschenleben zu retten, selbiges gilt für den Zugang zu sauberem Trinkwasser oder auch gesunder Ernährung. Der Kapitalismus bringt Ungleichheit – also Klassen – hervor und diese bilden wiederum die Basis für die Ausbeutung. Die Klassen leben in unterschiedlichen Verhältnissen, Kapitalisten, Besitzende, ob in Österreich, Griechenland, Namibia oder Thailand, haben statistisch folglich eine höhere Lebenserwartung und sind im Schnitt gesünder, weil sie spezifischen Gesundheitsbelastungen nicht ausgesetzt sind, sich gute Gesundheitsleistungen privat kaufen können und außerdem einen anderen Lebensstil haben, ob Zeit zum Schlafen, genug Geld für einen gesunden Lebensstil und andere Konsumnormen.
Die Arbeiterklasse hingegen ist der Ausbeutung im Dienste des Profits ausgeliefert und macht sich ihre Gesundheit vielfach in der Lohnarbeit kaputt. Wie egal das den Herrschenden ist wurde unter anderem während Corona sehr breit bewiesen. Das zeigt sich aber auch in Untersuchungen zu arbeitsbezogenen Gesundheitskrisen sehr deutlich. Lohnarbeit macht unter den sich weiter zuspitzenden Ausbeutungsverhältnissen wieder zunehmend krank. Das Gesundheitsrisiko der Arbeiterklasse ist jedoch nicht nur durch die Ausbeutung in der Lohnarbeit höher.
Der Kapitalismus produziert Gesundheitsrisiken
Der Kapitalismus bringt bestimmte Konsumgüter, Konsumformen und Konsumnormen hervor, die entsprechend der Profitlogik nicht auf Gesundheit ausgerichtet sind. Zucker, hochverarbeitete Lebensmittel, Pestizide mit denen Lebensmittel behandelt werden, all das macht vor allem die Arbeiterklasse ebenso krank, wie Suchtmittel wie Tabak oder Alkohol. Nachdem im Kapitalismus der Profit Vorrang vor den Menschen und ihrem Leben hat, ist das egal.
Lobbyarbeit und eine spezifische Politik, die den Kapitalismus stützen, die Herrschaftsverhältnisse ermöglichen das Menschen krank werden. Es ist nicht die individuelle Willenskraft oder die individuelle Entscheidung, es sind vielmehr die Verhältnisse in denen wir leben, die das Verhalten, das Handeln und die Möglichkeiten prägen. So prägt eben auch der Kapitalismus die Verteilung der vermeidbaren Krebs- und Krankheitsrisiken.
Die kapitalistische Produktionsweise ordnet die Gesundheit, Gesundheitsleistungen, Prävention, die Ernährungsweise, aber auch wichtige Gesundheitsfaktoren wie den Zugang zu Infrastruktur beispielsweise für Sport, kurz die gesamte Lebensweise dem Profit unter. Dieser Fakt bleibt in den Berichten zu der Studie der WHO gänzlich unberührt und unerwähnt. Selbst wenn dies nicht explizit geschrieben wird, der Raucher und die Raucherin oder die Menschen die zu wenig präventiv handeln sind Schuld. Das steckt durch die mangelnde Einbettung implizit in den Berichten. Im Gegenwartskapitalismus wurde schließlich politisch und medial hart daran gearbeitet, dass man nicht nur der Idee des American Dreams folgt und jede und jeder vermeintlich seines eigenen Glückes Schmied ist. Fast alles wird zur individuellen Verantwortung und Entscheidung hochstilisiert, ob die Entscheidung glücklich, erfolgreich oder beispielsweise auch gesund zu sein. Diese Idee führt zu einer Perspektive, dass die Mitglieder der Arbeiterklasse vermeintlich wegen ihrer freien Entscheidungen selbst schuld daran sind, dass sie eben nicht der herrschenden Klasse angehören und somit höhere Gesundheitsrisiken haben. Das ist jedoch Blödsinn, nachdem die kapitalistische Produktionsweise nicht nur die Risiken verteilt, sondern eben auch produziert. Die Lüge der individuellen Verantwortung in diesem Zusammenhang wird immer wieder heraufbeschworen, um Kürzungen in der Sozialpolitik und öffentlichen Infrastruktur zu rechtfertigen, deswegen ist es umso wichtiger die Verhältnisse in den Blick zu nehmen. Die Verhältnisse sollen aber auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch die Arbeiterklasse Erkenntnis erzielen kann, eben diese Verhältnisse die sie krank machen zu überwinden, indem die ihre objektiven Bedürfnisse in das Zentrum des Handelns stellen.




















































































