Steigende Wohnkosten bringen immer mehr Menschen in Vorarlberg finanziell unter starkem Druck. Laut neuen Daten sind inzwischen zehntausende Haushalte stark belastet – die Armutskonferenz sieht das Land zunehmend als Hochrisikoregion für Armutsgefährdung.
Bregenz. Die Armut in Österreich nimmt weiter zu – und Vorarlberg gehört laut Armutskonferenz zu den besonders betroffenen Bundesländern. Neue Zahlen der Statistik Austria zeigen, dass 2025 österreichweit rund 1,699 Millionen Menschen armuts- oder ausgrenzungsgefährdet waren. Das entspricht rund 18,6 Prozent der Bevölkerung.
In Vorarlberg liegt die Armutsgefährdungsquote im Dreijahresschnitt mittlerweile mehr als drei Prozentpunkte über dem österreichweiten Durchschnitt. Damit zählt das Bundesland laut Armutskonferenz zu den Regionen mit dem höchsten Armutsrisiko in Österreich. Verantwortlich dafür seien vor allem die hohen Wohnkosten.
Vivien Fritsche von der Armutskonferenz spricht von einer Entwicklung hin zu einem Hochrisikoland bei Armutsgefährdung. Wohnen werde zunehmend zur sozialen Schlüsselfrage: „Zusammen zeigen diese Daten, dass hohe Wohnkosten längst nicht mehr nur einzelne Randgruppen betreffen. Wohnen entwickelt sich zunehmend zu einem Armutsrisiko bis weit in die Mitte der Gesellschaft hinein.“
Rund 33.000 Haushalte in Vorarlberg müssen mehr als 40 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für das Wohnen ausgeben. Das ist der zweithöchste Wert aller Bundesländer nach Wien. Laut aktueller Wohnumfrage der Arbeiterkammer geben Vorarlberger Haushalte durchschnittlich etwa ein Drittel ihres Einkommens für Wohnkosten aus. Haushalte mit niedrigen Einkommen wenden im Schnitt bereits rund 44 Prozent dafür auf, im privaten Mietsegment sind es durchschnittlich 38 Prozent.
Wohnpolitik versagt gänzlich
Die Armutskonferenz kritisiert die offensichtliche Schieflage in der Wohnpolitik. Hohe Wohnkosten würden zunehmend mit Geldleistungen wie der Wohnbeihilfe ausgeglichen, während dauerhaft leistbarer Wohnraum fehle. Der Anteil gemeinnütziger Wohnungen liegt in Vorarlberg bei nur 13 Prozent und damit deutlich unter dem österreichweiten Durchschnitt von 24 Prozent.
Auch bei Neubauten hinkt das Land hinterher: Zwischen 2022 und 2024 wurden lediglich neun Prozent der neuen Wohnungen von gemeinnützigen Bauträgern errichtet – laut Armutskonferenz der niedrigste Wert aller Bundesländer.
Zwar sei die Wohnbeihilfe für viele Menschen unverzichtbar, langfristig könne sie aber fehlenden leistbaren Wohnraum nicht ersetzen. Zusätzlich wird kritisiert, dass die Wohnsätze in der Sozialhilfe seit 2022 für viele Haushalte nicht erhöht wurden. Auch die Einkommensgrenzen für die Wohnbeihilfe hätten sich vielerorts nicht ausreichend an die Preis- und Einkommensentwicklung angepasst.
Quelle: ORF


















































































