Wien. Der Insolvenzentgeltfonds (IEF), der abhängig Beschäftigten bei einer Firmenpleite vor dem Verlust ihrer ausstehenden Löhne und Gehälter schützt, gerät zunehmend unter finanziellen Druck. Medienberichten zufolge könnten die Reserven des Fonds bis Ende des Jahres nahezu aufgebraucht sein. Für 2027 wird bereits eine Finanzierungslücke von rund 160 Millionen Euro erwartet.
Der IEF übernimmt im Insolvenzfall offene Entgeltansprüche, Urlaubsersatzleistungen und Abfertigungen. Damit ist er ein unverzichtbares Sicherheitsnetz für tausende Beschäftigte, die durch die Insolvenz ihres Arbeitgebers unverschuldet in finanzielle Schwierigkeiten geraten.
Halbierung des Beitrags zeigt Folgen
Finanziert wird der Fonds über den Insolvenzentgeltsicherungsbeitrag (IESG-Zuschlag), den Konzerne entrichten. Anfang 2022 wurde dieser Beitrag von der damaligen Bundesregierung unter Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) von 0,2 auf 0,1 Prozent der Beitragsgrundlage halbiert. Seitdem schmelzen die finanziellen Reserven des Fonds kontinuierlich dahin.
Zusätzlich belasteten mehrere Großinsolvenzen – darunter Kika/Leiner und KTM – den Fonds erheblich. Während Anfang 2026 noch rund 385 Millionen Euro vorhanden waren, sollen es laut Prognosen zum Jahresende nur noch etwa 30 Millionen Euro sein.
Finanzierungslücke absehbar
Für das Jahr 2027 rechnet das Arbeitsministerium mit Auszahlungen in Höhe von rund 350 Millionen Euro. Dem stehen jedoch Einnahmen von lediglich 162 Millionen Euro gegenüber. Ohne zusätzliche Maßnahmen müsste der Fonds Kredite aufnehmen oder die Finanzierung angepasst werden.
Eine Möglichkeit wäre die Rückkehr zum früheren Beitragssatz von 0,2 Prozent. Für die Konzerne würde sich der durchschnittliche Jahresbeitrag dadurch von derzeit rund 54 Euro auf 108 Euro erhöhen.
Schutz der Beschäftigten muss gesichert werden
Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zeigt sich, wie wichtig ein ausreichend ausgestatteter Insolvenzentgeltfonds ist. Wenn Unternehmen in Insolvenz geraten, dürfen Beschäftigte nicht auch noch um ihren bereits erarbeiteten Lohn bangen müssen. Die aktuelle Entwicklung macht deutlich, dass eine langfristig stabile Finanzierung des Fonds notwendig ist.
Quelle: ORF


















































































