Österreichs Trinkwasserversorgung steht vor einer wachsenden Finanzierungsfrage. Während die Infrastruktur Milliardenwerte sichert, reichen die bisherigen Bundesmittel laut Wasserversorgern nicht aus, um die Netze langfristig zu erhalten. Gleichzeitig verschärft die Klimakrise den Druck auf die Ressource Wasser.
Sauberes Trinkwasser kommt in Österreich scheinbar selbstverständlich aus dem Wasserhahn. Doch hinter dieser Selbstverständlichkeit steckt eine umfangreiche Infrastruktur aus Quellen, Leitungen, Speichern und Aufbereitungsanlagen. Viele dieser Anlagen müssen laufend saniert und erneuert werden. Genau hier tut sich eine Finanzierungslücke auf.
Der Bund stellt derzeit rund 100 Millionen Euro jährlich für die Trinkwasser- und Abwasserversorgung zur Verfügung. Die Trinkwasserversorger halten allerdings mindestens 150 Millionen Euro für notwendig, um bestehende Anlagen dauerhaft zu erhalten. Dazu kommen zusätzliche Investitionen, die wegen des systemgemachten Klimawandels notwendig werden.
Eine mögliche Einnahmequelle wird in einer Abgabe auf die industrielle Grundwasserentnahme gesehen. Eine Grundwasserabgabe nach dem Vorbild Bayerns würde demnach mehr als 30 Millionen Euro jährlich einbringen, wenn es 10 Cent pro Liter wären. Bei einem höheren Abgabensatz, wie er etwa in Berlin gilt, wären sogar mehr als 100 Millionen Euro möglich.
Die Industrie und somit die großen Konzerne nutzt einen erheblichen Anteil des Grundwassers, ohne dafür eine vergleichbare bundesweite Abgabe zu entrichten. Die Einnahmen könnten zweckgebunden in die Sanierung und den Ausbau der Trinkwasserinfrastruktur fließen.
Vonseiten des zuständigen Ministeriums und der Industriellenvereinigung kommt dagegen Kritik. Eine Wasserabgabe sei derzeit nicht geplant und auch im Regierungsprogramm nicht vorgesehen. Zudem wird argumentiert, dass zusätzliche Kosten letztlich über die Preise an die Konsumentinnen und Konsumenten weitergegeben werden könnten. Die Industrie verweist außerdem darauf, dass Unternehmen bereits über verschiedene Landes- und Gemeindeabgaben zur Finanzierung der Wasserinfrastruktur beitragen. Damit stellt sich eine grundsätzliche Frage: Wer soll für den Erhalt unserer Wasserinfrastruktur bezahlen – und nach welchem Prinzip? Diejenigen, die die den Klimawandel vor allem vorantreiben und massive Profite privatisieren oder die Arbeiterklasse?
Wasser ist keine Selbstverständlichkeit
Die Frage nach der Finanzierung wird durch die Klimakrise zusätzlich verschärft. Die vergangenen Monate haben gezeigt, wie empfindlich Österreichs Grundwasservorräte auf Trockenheit reagieren. Ende August wiesen mehr als 90 Prozent der Messstellen niedrige oder sehr niedrige Grundwasserstände auf. Rund die Hälfte der Messstellen war zu diesem Zeitpunkt so trocken wie noch nie zuvor.
Noch gibt es deshalb kein flächendeckendes Problem bei der Trinkwasserversorgung. Einzelne Gemeinden mussten allerdings bereits mit Engpässen umgehen – etwa wenn an warmen Tagen viele Haushalte gleichzeitig ihre Pools befüllen. Die bestehenden Anlagen sind vielerorts auf einen gleichmäßigen Verbrauch und nicht auf solche kurzfristigen Spitzen ausgelegt.
Der Klimawandel wird diese Herausforderungen voraussichtlich verstärken. Höhere Temperaturen führen unter anderem dazu, dass mehr Wasser verdunstet, bevor es überhaupt in den Boden gelangen und das Grundwasser auffüllen kann. Gleichzeitig können längere Trockenperioden die Verfügbarkeit einzelner Quellen gefährden.
Für die Wasserversorger bedeutet das: Es braucht nicht nur Geld für Reparaturen, sondern auch Investitionen in die Zukunft. Zusätzliche Quellen, größere Speicherkapazitäten und bessere Verbindungen zwischen den einzelnen Versorgungsgebieten können helfen, Ausfälle einzelner Quellen abzufedern. Hier stellt sich auch die Frage des Verursacherprinzips, denn des Klimawandel ist durch die Produktionsweise von der die Konzerne profitieren gemacht, also sollten sie doch wohl auch für die Folgen aufkommen.
Erst wissen, dann entscheiden
Eine weitere offene Frage betrifft die tatsächliche Menge des entnommenen Grundwassers. Aktuelle, flächendeckende Zahlen darüber, wie viel Wasser die einzelnen Sektoren tatsächlich verbrauchen, fehlen derzeit.
Nach einer Studie des zuständigen Ministeriums aus dem Jahr 2021 entfällt rund ein Drittel der Grundwassernutzung auf die Industrie. Etwa zehn Prozent werden der Landwirtschaft zugerechnet. Rund 60 Prozent entfallen auf die Wasserversorgung, zu der neben privaten Haushalten auch öffentliche Einrichtungen sowie über das Netz versorgte Gewerbe‑, Industrie- und Landwirtschaftsbetriebe gehören.
Bevor über Abgaben und Preise diskutiert wird, muss klar sein, wer wie viel Wasser entnimmt und wofür es verwendet wird. So müsse dies genauer dokumentiert werden. Ein entsprechender Verordnungsentwurf liegt inzwischen vor. Die Einführung eines solchen Registers wäre ein wichtiger Schritt zu mehr Transparenz.
Unser Wasser braucht eine langfristige Perspektive
Die Debatte über eine Wasserabgabe darf deshalb nicht auf die Frage reduziert werden, ob Wasser für die Industrie teurer werden soll. Es geht um die grundsätzliche Finanzierung einer Infrastruktur, von der alle abhängig sind. Wasser ist eine lebensnotwendige Ressource und zugleich eine zentrale Grundlage für Haushalte, Landwirtschaft und Industrie. So sollte es nicht vom Geldbeutel einzelner Privathaushalte anhängen, ob hier ein Zugang gewährleistet ist.
Quelle: ORF





















































































