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„Wenn man Palästina verteidigt, verteidigt man alle Unterdrückten“ – Gespräch mit Ihab Al-Masri

23. August 2026
in Internationales
„Wenn man Palästina verteidigt, verteidigt man alle Unterdrückten“ – Gespräch mit Ihab Al-Masri

Wir berichteten bereits über die beiden palästinensischen Kommunisten Abdullah Allan und Ihab Al-Masri, Mitglieder des Palästinensischen Kommunistischen Jugendverbandes, die zuletzt ihr Medizinstudium an der Lateinamerikanischen Schule für Medizin (ELAM) in Havanna erfolgreich abschließen konnten. Mit Ihab Al-Masri konnten Mitglieder der Jugendfront nun im Rahmen der Solidaritätsbrigade „José Martí“ ein Interview für die Zeitung der Arbeit führen. Im Gespräch berichtet er von seinem Studium auf Kuba, den Auswirkungen der Blockade und der langjährigen Solidarität zwischen Kuba und dem palästinensischen Volk.

Wie lange hast du in Kuba gelebt und studiert?

Ihab Al-Masri: Ich bin seit sieben Jahren in Kuba. Ich bin 2019 nach Kuba gekommen und bin bis heute hier.

Woher genau kommst du aus Palästina?

Ihab Al-Masri: Ich komme aus dem Westjordanland.

Wie funktioniert das Studium hier? Musst du selbst dafür bezahlen?

Ihab Al-Masri: Nein. Ich habe ein Stipendium erhalten – ein Stipendium des kubanischen Volkes für das palästinensische Volk. Es wurde vom palästinensischen Bildungsministerium vergeben, für Studierende, die in Kuba Medizin studieren möchten.

Wie viele Personen erhalten ein solches Stipendium?

Ihab Al-Masri: Die Zahl der Stipendien ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Normalerweise sind es etwa 40 bis 50 Stipendien pro Jahr. In meinem Studienjahr kamen 50 Personen mit einem Stipendium des Bildungsministeriums nach Kuba, das von der kubanischen Regierung für Palästina bereitgestellt wurde. Dazu kamen zehn weitere Personen mit Stipendien palästinensischer politischer Parteien, also von Parteien der PLO.

Insgesamt waren wir in meinem Studienjahr 60 Personen, die nach Kuba kamen. Das ändert sich aber von Jahr zu Jahr. Manchmal sind es etwas mehr, manchmal etwas weniger. Die Studierenden kommen aus verschiedenen Regionen: aus dem Westjordanland, aus Gaza und auch aus der palästinensischen Diaspora außerhalb Palästinas.

Kannst du uns etwas über deine Erfahrungen während des Studiums in Kuba erzählen?

Ihab Al-Masri: Wir studieren insgesamt sieben Jahre: ein Jahr Sprachunterricht und sechs Jahre Medizin.

Wir kamen 2019, also vor COVID und vor der Pandemie, nach Kuba. Wir waren ungefähr sechs Monate hier, bevor die Quarantäne begann.

In diesen ersten sechs Monaten sprach ich noch kein Spanisch. Aber ich bemerkte, wie eng das kubanische Volk mit dem palästinensischen Volk verbunden ist. Wenn ich auf der Straße unterwegs war und die Menschen mich fragten, woher ich komme, und ich „Palästina“ antwortete, umarmten mich die meisten Menschen. Sie sagten immer: „Wir stehen an der Seite Palästinas. Wir sind Brüder. Wir werden immer zu Palästina stehen.“

Für mich war das zunächst eine große Überraschung. Ich fragte mich, warum sie mich umarmten und warum sie weinten. Oft weinten die Menschen, wenn sie das Wort „Palästina“ hörten.

Mit der Zeit wurde mir klar, dass Solidarität für die Kubaner im Allgemeinen Teil ihrer Kultur ist. Das gab es schon vor der Revolution, aber nach der Revolution wurde diese Solidarität noch stärker.

Wenn man heute die kubanische Flagge sieht, bin ich sicher, dass eine der ersten Assoziationen Solidarität ist – nicht nur mit Palästina, sondern mit vielen anderen Menschen. Man denkt auch an den Kampf gegen den Imperialismus.

Genauso, wie man bei der palästinensischen Flagge heute nicht nur eine Flagge sieht, die für eine bestimmte Nationalität steht. Sie ist vielmehr eine internationale Flagge, die für viel mehr steht: für Menschen, die für Freiheit und für eine bessere Welt kämpfen.

An der Escuela Latinoamericana de Medicina sind wir nicht nur Palästinenser. Wir sind alle Ausländer. Es gibt Menschen aus Chile, Kolumbien und allgemein aus Lateinamerika. Außerdem kommen Studierende aus Afrika und manchmal auch aus Europa, wobei es nur sehr wenige sind. Aus Österreich gab es zum Beispiel einmal ein Mädchen, dessen Mutter Kubanerin war. Auch aus den USA kommen einige Studierende, vielleicht fünf bis zehn.

Wie wirken sich die Blockade und die Sanktionen auf das alltägliche Leben aus?

Ihab Al-Masri: Das lässt sich nicht einfach beantworten. Ich würde gerne etwas ausführlicher darüber sprechen, wie sich die Situation vor und nach COVID verändert hat.

Vor der Pandemie war die allgemeine Situation bereits schwierig, weil viele Dinge fehlten. Trotzdem konnte man irgendwie weitermachen.

Dann kam COVID-19. Kuba war davon besonders stark betroffen. Die ganze Welt litt unter der Pandemie – nicht nur gesundheitlich, sondern auch wirtschaftlich. Kuba litt wirtschaftlich doppelt, weil das Land bereits unter der Blockade stand und dann zusätzlich die Pandemie kam. Dadurch ging die nationale Produktion zurück, die Bevölkerung litt stärker und im ganzen Land konnte nicht mehr normal gearbeitet werden.

Trotzdem konnte Kuba dank seines Gesundheitssystems nicht nur widerstehen, sondern sogar einen eigenen Impfstoff gegen COVID-19 entwickeln und anderen Ländern helfen, etwa Spanien und Italien. Kubanische Ärzteteams reisten nach Italien und Spanien, um dort zu helfen.

Diese Länder verfügen über enorme finanzielle Mittel für ihr Gesundheitssystem. Kuba hat diese finanziellen Möglichkeiten nicht. Trotzdem besteht der Unterschied darin, dass das kubanische Gesundheitssystem für die eigene Bevölkerung da ist. Es geht nicht darum, Gewinne zu erzielen oder Geld zu verdienen. Das ist der Unterschied.

Und dann kommen wir zur heutigen Situation. Seit Beginn dieses Jahres ist die Handels- und Finanzblockade noch stärker geworden. Hinzu kommt eine Energieblockade: Es gelangt kaum noch Treibstoff und Erdöl ins Land. Kuba ist davon stark abhängig – nicht nur für den Transport, sondern vor allem für die Erzeugung von elektrischer Energie.

Seitdem erlebt das Land stundenlange Stromausfälle. In meiner Wohnung gab es beispielsweise gestern nur zwei oder drei Stunden Strom innerhalb von 24 Stunden.

Wenn man die Auswirkungen der Blockade betrachtet, sehen wir leider, dass sie immer stärker wird. Aber genauso wie die Kubaner hier, leisten wir Widerstand. Wir wissen, dass dies nicht das Ende ist. Etwas muss sich verändern, und wir können mit unseren eigenen Händen etwas verändern.

Glaubst du, dass der Kampf der Kubaner dem Kampf der Palästinenser ähnelt?

Ihab Al-Masri: Natürlich. Denn derjenige, der Kuba blockiert und dieses Land einschränkt, lebt in Frieden und ist derselbe, der einen Genozid in Palästina finanziert.

Der Kampf Kubas und der Kampf Palästinas sind keine Kämpfe, die sich nur auf ein bestimmtes Land beschränken. Wie ich bereits gesagt habe, haben solche Kämpfe einen internationalen Charakter.

Wenn man Kuba verteidigt, verteidigt man nicht nur Kuba. Und wenn man Palästina verteidigt, verteidigt man nicht nur Palästina. Man verteidigt alle Unterdrückten. Es geht um Menschen, die leiden und sehr viel gelitten haben und bis heute unter Besatzung, Blockade, Tötungen und Massakern leiden.

Auch die Blockade wird nach internationalem Recht als Akt des Genozids betrachtet. Es gibt unterschiedliche Formen des Genozids, aber Palästinenser und Kubaner erleben die Auswirkungen davon.

Wir als Palästinenser solidarisieren uns trotz all der Tragödien, die wir selbst durchmachen, mit Kuba. Und wir wissen sehr genau: Jeder noch so kleine Sieg für Kuba, für Palästina, für das sahrauische Volk und für alle Menschen, die leiden, ist ein Sieg für alle – nicht nur für ein bestimmtes Land.

Welche Bedeutung hat die kubanisch-palästinensische Beziehung für dein Volk? Wie würdest du die Beziehung zwischen Kuba und Palästina beschreiben?

Ihab Al-Masri: Die Beziehung zwischen Palästina und Kuba ist immer stärker geworden – stärker als je zuvor.

Es gab bereits früher enge Beziehungen. Etwas, das mich besonders beeindruckt hat, war die Haltung Kubas im Jahr 1947, als die Vereinten Nationen die berühmte Resolution 181 verabschiedeten, die die Teilung Palästinas in einen arabischen und einen jüdischen Teil vorsah. Trotz aller Widersprüche und Probleme war Kuba eines der wenigen Länder, die dagegen stimmten.

Die kubanische Revolution siegte erst zwölf Jahre später, 1959.

In den 1970er-Jahren brach der kubanische Kommandant Fidel Castro die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu Israel ab. Man könnte denken, dass dies die Zeit war, in der die Beziehungen zwischen Palästina und Kuba am stärksten waren. Aber mit der Zeit wurden diese Beziehungen sogar noch enger.

In heutiger Zeit, nach einem Genozid, der vor den Augen der ganzen Welt begangen wurde, hat sich die Situation weiter ausgeweitet. Die Auswirkungen reichen inzwischen in die gesamte Region. Auch der Libanon leidet heute wie nie zuvor.

Die Beziehung zwischen Kuba und Palästina zeigt sich inzwischen auch auf den Straßen. Von 2023 bis heute, 2026, sind die Kubaner zu mehr als zehn großen Demonstrationen auf die Straße gegangen. Ich erinnere mich nicht an die genaue Zahl, aber es waren Demonstrationen mit Zehntausenden und teilweise sogar mehr als hunderttausend Menschen.

Diese Menschen gehen nicht einfach aus irgendeinem Grund auf die Straße. Sie haben persönlich nichts davon, wenn sie auf der Straße stehen und für Palästina rufen. Sie gehen hinaus, um zu zeigen: Wir sind hier. Wir sind weit entfernt, aber wir stehen euch im Kampf nahe. Wir haben denselben Kampf.

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