Die Partei der Arbeit Österreichs (PdA) feierte in Wien den Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution, die sich dieses Jahr zum 109. Mal jährte. Mit politischen Beiträgen, szenischen Lesungen, Musik und Kulinarik wurde einem Meilenstein der Arbeiterbewegung gedacht. Mehr als ein Jahrhundert später bleiben die Erfahrungen und Lehren der Oktoberrevolution für die Arbeiterbewegung aktuell.
Wien. Am 6. November lud die Partei der Arbeit Österreichs gemeinsam mit der Jugendfront zu einer Veranstaltung anlässlich des 109. Jahrestages der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution in das Politische Zentrum Jura Soyfer in Wien. Zahlreiche Gäste folgten der Einladung und verbrachten einen Abend, der politische Auseinandersetzung, historische Quellen, Kultur und Beisammensein miteinander verband.
Kollontai und Reed als Zeitzeugen
Nach der Begrüßung begann das Programm mit einer szenischen Lesung aus Texten von John Reed und Alexandra Kollontai. Reed, der die revolutionären Ereignisse als amerikanischer Journalist selbst miterlebte, schilderte in seinem Werk „Zehn Tage, die die Welt erschütterten“ die Stimmung auf den Straßen Petrograds, die Ereignisse im Smolny und den Sturz der Provisorischen Regierung. Ergänzt wurden seine Beobachtungen durch Texte Kollontais, die als Bolschewikin selbst an der Revolution beteiligt war. Die Lesung führte damit unmittelbar in den 7. November 1917 und in jene Stunden, in denen die Provisorischen Regierung gestürzt und die Sowjets der Arbeiterinnen und Arbeiter sowie Soldaten die politische Macht übernahmen.
Die Revolution unter der Führung der Bolschiwiki
Im anschließenden politischen Hauptbeitrag referierte Markus Zeyringer (Mitglied des Parteivorstandes der PdA) über die Voraussetzungen, den Verlauf und die Lehren der Oktoberrevolution. Ausgehend von den sozialen Verhältnissen im zaristischen Russland und dem imperialistischen Ersten Weltkrieg wurde die Entwicklung von der Februarrevolution über die Doppelherrschaft von Provisorischer Regierung und Sowjets bis zum Oktober nachgezeichnet.
Ein Schwerpunkt lag dabei auf der Frage, warum gerade die Bolschewiki im Herbst 1917 in der Lage waren, die Arbeiterklasse politisch zu führen. Ihre Stärke entstand nicht erst in den Tagen des Aufstands, sondern durch jahrelange Organisierung und ihre Verankerung in den Betrieben, Fabrikkomitees, Sowjets sowie unter Soldaten und Matrosen. An Beispielen wie den Arbeitskämpfen in Petrograd, den Julitagen und der Abwehr des Kornilow-Putsches wurde gezeigt, wie die Bolschewiki in konkrete Kämpfe eingriffen, Erfahrungen der Arbeiterklasse aufgriffen und diese mit der Frage der politischen Macht verbanden.
Auch der antimilitaristische und internationalistische Charakter der Revolution wurde hervorgehoben. Während die Provisorische Regierung Arbeiter und Bauern weiterhin für den imperialistischen Krieg opfern wollte, verbanden die Bolschewiki die Forderung nach Frieden mit dem Kampf um Brot, Land und die Macht der Sowjets. Daraus wurde auch die Verbindung zur Gegenwart gezogen: Eine revolutionäre Arbeiterbewegung kann nicht außerhalb der Klasse aufgebaut werden, sondern muss in ihren täglichen Kämpfen und besonders an den Arbeitsplätzen und in den Betrieben verwurzelt sein. Die Organisierung der Arbeiterklasse und ihre Herausbildung zu einer eigenständigen gesellschaftlichen Kraft bleibt eine zentrale Aufgabe kommunistischer Politik.
Im Verlauf des Vortrags wurde die Rückkehr Lenins aus dem finnischen Untergrund nach Petrograd musikalisch aufgegriffen. Chris Peterka spielte das „Jalava-Lied“, das an den finnischen Lokführer Hugo Jalava erinnert, der Lenin bei seiner geheimen Reise unterstützte.
Die Lage der Frau im revolutionären Russland
Der zweite szenische Beitrag widmete sich anschließend der Frage, was die Revolution für das alltägliche Leben der arbeitenden Menschen bedeutete. Gelesen wurden Texte von Alexandra Kollontai sowie Berichte der amerikanischen Journalistin Louise Bryant. Im Mittelpunkt standen insbesondere die Lage der Frau und die materiellen Voraussetzungen wirklicher Gleichberechtigung. Die Texte behandelten unter anderem Arbeitsrechte, Arbeitszeitverkürzungen, Mutterschutz, Kinderbetreuung und den Versuch, Hausarbeit und soziale Fürsorge zunehmend als gesellschaftliche Aufgaben zu organisieren. Bryant ergänzte Kollontais politische Überlegungen durch ihre eigenen Beobachtungen der Veränderungen im revolutionären Russland.
Jugend und Revolution
Den letzten politischen Beitrag des Abends gestaltete die Jugendfront unter dem Titel „Jugend und Revolution“. Darin wurde die Rolle der arbeitenden und lernenden Jugend während der revolutionären Ereignisse von 1917 ebenso thematisiert wie die Aufgabe junger Kommunistinnen und Kommunisten heute. Der Beitrag stellte damit eine Verbindung zwischen der revolutionären Jugend jener Zeit und der notwendigen Organisierung einer neuen Generation gegen Ausbeutung, Militarisierung und imperialistischen Krieg her.






Nach dem politischen Programm folgte eine Pause mit hausgemachten Speisen und Getränken. Im Anschluss wurde der Abend mit revolutionären Arbeiterliedern fortgesetzt, die Chris Peterka auf der Gitarre begleitete und gemeinsam mit den Anwesenden sang. Zwischen den Beiträgen und auch nach dem offiziellen Programm entstanden zahlreiche Gespräche, neue Kontakte wurden geknüpft und gemeinsam der revolutionären Tradition der internationalen Arbeiterbewegung gedacht.
Die Große Sozialistische Oktoberrevolution eröffnete ein neues Kapitel der Menschheitsgeschichte. Sie zeigte, dass die Herrschaft des Kapitals nicht unveränderlich ist und dass die Arbeiterklasse nicht nur in der Lage ist, diese Gesellschaft am Laufen zu halten, sondern auch die politische Macht zu erobern und eine neue Gesellschaft aufzubauen. Diese Aufgabe kann ihr keine bürgerliche oder reformistische Stellvertreterpolitik abnehmen. Die Befreiung der Arbeiterklasse kann nur das Werk der Arbeiterklasse selbst sein.






















































































