Nach Aufrufen von Gewerkschaften und Verbänden verschiedener Branchen gingen am Donnerstag in zahlreichen französischen Städten Hunderttausende Menschen auf die Straße.
Paris. Arbeiterinnen und Arbeiter, Schülerinnen und Schüler sowie Studierende demonstrierten für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze, Tarifverträge mit höheren Löhnen und menschenwürdige Arbeits- und Lernbedingungen. Zugleich protestierten sie gegen die Sparpolitik der Regierung und die Kürzungen im Sozialbereich. „Obwohl wir für einen profitablen multinationalen Konzern arbeiten, halten unsere Gehälter nicht mit der Inflation Schritt“, erklärte der 29-jährige Nicolas, der gemeinsam mit seinen Kollegen Lionel, Bryce und Matteo als Verkäufer in Disneyland arbeitet, gegenüber französischen Medien.
Trotz massiver Polizeipräsenz und erneuter staatlicher Repressionen gegen die Protestbewegung beteiligten sich nach Angaben der Gewerkschaft CGT landesweit fast 1,6 Millionen Menschen an den Demonstrationen, davon allein 350.000 in Paris. Eine Woche nach dem internationalen Aktions- und Streiktag der Hafenarbeiterinnen und Hafenarbeiter versammelten sich in Marseille, der wichtigsten Hafenstadt Frankreichs, schätzungsweise 150.000 Menschen. In Bordeaux waren es rund 120.000, in Lille 100.000, in Toulouse 80.000, in Lyon 55.000 sowie in Rennes und Nantes jeweils 35.000.
Es handelte sich also um den Höhepunkt der Protestbewegung bislang. Die Teilnehmerzahl überstieg deutlich jene vom 17. Oktober. Die Pariser Tageszeitung Le Figaro schrieb vom „Vierten Akt“ der Proteste. Unter dem Vorwand der „Aufrechterhaltung der Ordnung“ mobilisierte die Regierung landesweit rund 70.000 Polizeikräfte gegen die Proteste der Arbeiterklasse und der Jugend.
Dem Streikaufruf der Gewerkschaften schlossen sich Teile der Arbeiterklasse Frankreichs an. Ein Teil des Schulpersonals beteiligte sich an dem Streik, einige Postämter blieben geschlossen, und es gab Einschränkungen im Bahn- und Busnetz, vor allem im Regionalverkehr.
Besonders stark vertreten waren erneut Schülerinnen und Schüler sowie Studierende, die sich gegen die unzureichenden Maßnahmen der Macron-Regierung im Bildungsbereich wandten. So sieht eine der angekündigten Maßnahmen lediglich vor, die Klassengröße an Gymnasien in bestimmten Gebieten auf 28 Schülerinnen und Schüler zu begrenzen – ein Vorschlag, den viele Jugendliche angesichts der bestehenden Probleme als Farce betrachten.
Angesichts der anhaltenden Proteste versucht die Regierung nun, die wachsende Unzufriedenheit einzudämmen und den Eindruck eines möglichen „Klassenfriedens“ zu erwecken. Premierminister Sébastien Lecornu kündigte für Montag eine „Sozialkonferenz“ mit Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden an, bei der über Kaufkraft und Löhne beraten werden soll.





















































































