In der Nähe von Kiew wurde durch Proteste der Bevölkerung ein Geheimgefängnis für Kriegsdienstverweigerer und Deserteure ausgehoben, von denen es in der gesamten Ukraine viele gibt, wie der Leiter des Präsidentenbüros und frühere Chef des Militärgeheimdienstes, Kirill Budanov, sagte. Die Maßnahmen, mit denen die Männer in den Krieg gezwungen werden, sind immer brutaler, da die Kriegsbegeisterung abnimmt.
Kiew. Am Montag abend versammelten sich hunderte Demonstranten vor einem Haus in Petropavlivska Borshchagovka bei Kiew. Wie sich herausstellte. wurden 40 Personen im Keller festgehalten, darunter Schwerverletzte, aber Polizei und herbeigerufene Sanitäter durften nicht hinein, da es sich um eine militärische Einrichtung handelt. Aufgeflogen war das Geheimgefängnis, weil es einem Insassen gelang, Angehörige zu verständigen, dass die Leute dort festgehalten, geschlagen und gefoltert wurden. Gleichzeitig wird berichtet, dass Angehörige erpresst und von ihnen hohe Beträge verlangt wurden. Ein 14-jähriger Junge, der während der Proteste auf die Mauer des Anwesens geklettert war, wurde von den Bewachern heruntergeholt und brutal zusammengeschlagen.
Wie sich herausstellte, gehört das Geheimgefängnis der „Asow“-Einheit, einer neofaschistischen Elitetruppe, die in die Nationalgarde der Ukraine eingegliedert wurde. Der herbeigeeilte Leiter des Präsidialamtes, Kirill Bunanov, war bemüht, zu kalmieren, um am nächsten Tag mit heftigen Vorwürfen gegen die Demonstranten um sich zu werfen. Ebenso wie führende Asow-Vertreter stellte er in den Raum, es habe sich um eine „russische Provokation“ gehandelt. Jedenfalls wurden die Inhaftierten aus dem Haus geholt und woanders hingebracht. Ein Arzt bestätigte die Angaben der Demonstranten, dass ein Mann mit einer gebrochenen Wirbelsäule im Haus festgehalten worden war.
Kein Einzelfall
In westlichen Medien, so auch in Österreich, wurde versucht, das Foltergefängnis als singuläre Erscheinung, als Einzelfall, darzustellen. Dabei dient es, nach Schätzung eines Offiziers wie hunderte ähnliche improvisierte Haftanstalten, der Disziplinierung der Truppe. Jeden Tag zeigt sich Widerstand gegen die brutalen Rekrutierungsmethoden des Militärs. Menschen werden aus Autos, von Fahrrädern, von der Straße geholt, und dann in Kleinbusse gezerrt und zu Rektrutierungzentren gebracht. Auch Deserteure werden so eingefangen, und einige von ihnen gehörten offenbar zur Asow-Einheit und wurden in diesen Keller verbracht.
Betroffene, die solche Foltereinrichtungen überlebt haben, berichten, dass im Miltär die Bezeichnung „Grube“ dafür gebräuchlich ist. Auch Undiszipliniertheiten, Befehlsverweigerung usw. werden mit solch demütigenden Methoden bestraft. Die Betroffenen werden in Erdlöcher oder Käfige oder eben in Keller von Häusern gesperrt, ausgehungert und regelmäßig geschlagen, bis sie gebrochen sind. Anschließend landen sie dann in der Regel in Sturmtruppen oder besonders gefährlichen Missionen, wo ihre Überlebenschancen meist bei null liegen. Solche Methoden gibt es nicht nur bei den Truppen, sondern bereits in den Rekrutierungszentren der Ukraine. Dort blüht allerdings – ebenso wie in der Armee – gleichzeitig ein weitverzweigtes Korrutionssystem. Wer Geld genug hat, kann die Rekrutierungszentren sogar wieder verlassen.
Quellen: Strana/Junge Welt





















































































