Berlin. In der deutschen Metall- und Elektroindustrie haben die ersten Warnstreiks begonnen. Unmittelbar nach Ablauf der Friedenspflicht am 1. November legten Beschäftigte mehrerer Betriebe die Arbeit nieder. Die IG Metall kündigte eine bundesweite Streikwelle an. Im Mittelpunkt des Tarifkonflikts stehen die Löhne und Arbeitsbedingungen von rund 3,7 Millionen Beschäftigten.
Die Gewerkschaft fordert fünf Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von zwölf Monaten sowie die Absicherung von Arbeitsplätzen und Standorten. Die Unternehmerverbände bieten dagegen eine Einmalzahlung im Jahr 2027 und eine dauerhafte Lohnerhöhung um gerade einmal 1,3 Prozent – allerdings erst ab Juli 2028.
Die Beschäftigten sollen also fast zwei Jahre auf eine bescheidene Lohnerhöhung warten, während die Lebenshaltungskosten weiter steigen. Die Arbeitgeber begründen ihr Angebot erwartungsgemäß mit der schwierigen wirtschaftlichen Lage.
Die Krise des Kapitals ist nicht unsere Rechnung!
Die Forderung nach Lohnzurückhaltung folgt einer bekannten Logik: In wirtschaftlich guten Zeiten sollen die Beschäftigten Verständnis für die Wettbewerbsfähigkeit aufbringen. In schlechten Zeiten sollen sie Opfer bringen, um Arbeitsplätze zu sichern. Am Ende sollen sie immer verzichten.
Dabei sind es die Arbeiterinnen und Arbeiter, die in den Fabriken den gesellschaftlichen Reichtum schaffen. Ohne ihre Arbeit stehen Maschinen still, bleiben Aufträge unerledigt und fließen keine Profite. Genau diese Macht machen die Warnstreiks sichtbar.
Die Proteste sind Ausdruck des grundlegenden Interessengegensatzes zwischen Kapital und Arbeit. Die Unternehmer wollen die Kosten ihrer Arbeitskraft möglichst niedrig halten, die Beschäftigten kämpfen um ihren Anteil am selbst geschaffenen Reichtum.
Aus unserer Sicht ist klar: Die Arbeiterklasse darf sich nicht zur Krisenreserve des Kapitals machen lassen. Lohnverzicht und Standortkonkurrenz sind keine Perspektive.
Die Warnstreiks in Deutschland zeigen: Wer höhere Löhne und sichere Arbeitsplätze will, darf nicht auf die Großzügigkeit der Unternehmer hoffen. Er muss kämpfen. Denn geschenkt hat das Kapital der Arbeiterklasse noch nie etwas.
Quelle: ORF



















































































