Eisenstadt/Linz. Die Partei der Arbeit Österreichs eröffnet im Oktober 2026 gemeinsam mit dem Verein Aurora und der Jugendfront zwei weitere Politische Zentren. Neben dem bestehenden Politischen Zentrum Jura Soyfer in Wien entstehen damit neue Orte für politische Bildung, Kultur, Diskussion und gemeinsames Handeln: am 10. Oktober in Eisenstadt das Politische Zentrum Hanna Sturm und am 17. Oktober in Linz das Politische Zentrum Otto Pensl.
Die Eröffnungen stehen für den Anspruch konkrete Orte zu schaffen, an denen Menschen zusammenkommen, lernen, diskutieren und sich organisieren können. Gerade in einer Zeit, in der Arbeiterinnen und Arbeiter, Jugendliche und fortschrittliche Kräfte mit Krieg, Krise, Teuerung und rechter Hetze konfrontiert sind, braucht es Räume der Begegnung – und Orte, an denen Geschichte nicht museal verwaltet, sondern als Auftrag für den heutigen Kampf verstanden wird.
Eisenstadt: Politisches Zentrum Hanna Sturm
Am 10. Oktober 2026 um 17 Uhr öffnet in der Ignaz-Till-Straße 11/1 in Eisenstadt das Politische Zentrum Hanna Sturm seine Türen. Geplant sind ein kleines Buffet, die Vorstellung der Namensgeberin, Raum für Diskussion und Austausch, Politliedersingen mit Chris „4er“ Peterka sowie eine Vorstellung der Partei der Arbeit und der Jugendfront.
Benannt ist das Zentrum nach Johanna „Hanna“ Sturm, die 1891 in Klingenbach geboren wurde. Sie stammte aus einer burgenlandkroatischen Arbeiterfamilie; ihr Vater war Tischler, Sozialdemokrat und Gewerkschafter. Hanna Sturm wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, musste bereits als Kind arbeiten und war bis zu ihrem 18. Lebensjahr Analphabetin. Ihre Lebensgeschichte ist damit selbst ein Zeugnis jener Klassengesellschaft, gegen die sie später kämpfte.
Schon früh wurde sie in der Arbeiterbewegung aktiv. 1908 trat sie der Gewerkschaft bei, 1910 der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Später wurde sie Betriebsrätin in der Neufelder Jutefabrik, wo es ihr gelang, auch kroatische Arbeiterinnen und Arbeiter in den Kampf für bessere Arbeitsbedingungen einzubeziehen. 1925 trat sie der KPÖ bei und wurde bald darauf Vorsitzende des Arbeitslosenkomitees in Eisenstadt.
Hanna Sturm war keine Funktionärin aus der sicheren Distanz, sondern eine Arbeiterin, die Unterdrückung, Ausbeutung, Armut und Verfolgung selbst erfahren hatte. Während des Austrofaschismus blieb sie illegal politisch tätig und wurde mehrfach inhaftiert. Nach dem „Anschluss“ im März 1938 wurde sie von den Nazis verhaftet, zunächst in das KZ Lichtenburg und später in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück deportiert. Dort leistete sie trotz der mörderischen Bedingungen Widerstand, half Mitgefangenen und sagte nach 1945 als Zeugin in Kriegsverbrecherprozessen aus.
Dass ein Politisches Zentrum in Eisenstadt ihren Namen trägt, ist kein Akt der Erinnerung, es ist ein politisches Bekenntnis. Hanna Sturm steht für eine Arbeiterbewegung, die nicht auf bessere Zeiten wartete, sondern sich unter schwierigsten Bedingungen organisierte. Sie steht für Antifaschismus, Klassenbewusstsein, Internationalismus und die Rolle kämpfender Frauen in der revolutionären Arbeiterbewegung.
Linz: Politisches Zentrum Otto Pensl
Eine Woche später, am 17. Oktober 2026 um 17 Uhr, wird in der Gruberstraße 23/Top 1 in Linz das Politische Zentrum Otto Pensl eröffnet. Auch hier soll ein neuer Ort für Begegnung, Bildung, Kultur und politische Diskussion entstehen – ein Vereinslokal, das gemeinsam vom Verein Aurora, der Partei der Arbeit und der Jugendfront getragen wird.
Namensgeber ist Otto Pensl, geboren am 28. November 1895 in Linz. Nach seiner Schulzeit erlernte er das Handwerk des Mechanikers und arbeitete später in den Steyr-Werken. Pensl war auch ein außergewöhnlicher Arbeitersportler: Er war Turner, Leichtathlet, Kletterer, Schispringer und Marathonläufer. 1925 gewann er die österreichische Marathonmeisterschaft und schrieb damit Sportgeschichte.
Doch Otto Pensl war weit mehr als ein erfolgreicher Sportler. Nach den Februarkämpfen 1934 schloss er sich der illegalen KPÖ an und setzte seinen politischen Kampf unter den Bedingungen von Austrofaschismus und später NS-Herrschaft fort. Wegen kommunistischer Betätigung wurde er bereits 1934 inhaftiert. 1939 verlor er aus politischen Gründen seine Arbeit in den Steyr-Werken.
1942 wurde Pensl nach kritischen Äußerungen über den Krieg, die Behandlung von Jüdinnen und Juden und russischen Kriegsgefangenen denunziert. Vor dem Sondergericht beim Landesgericht Linz wurde er nach dem sogenannten „Heimtückegesetz“ zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Nach seiner Haftentlassung geriet er erneut ins Visier der Gestapo und wurde 1944 in das KZ Mauthausen deportiert.
Am 28. April 1945, nur wenige Tage vor der Befreiung des Konzentrationslagers, wurde Otto Pensl in Mauthausen ermordet. Gauleiter August Eigruber befehligte die Tötung oberösterreichischer Kommunisten im Lager an; unter den Ermordeten war auch Otto Pensl.
Otto Pensl steht für den kommunistischen Widerstand gegen Austrofaschismus und Nazi-Faschismus. Er steht für jene Arbeiterinnen und Arbeiter, die nicht erst nach 1945 wussten, was Faschismus bedeutet, sondern ihm unter Lebensgefahr entgegentraten. Dass in Linz ein Politisches Zentrum seinen Namen trägt, verbindet die lokale Geschichte der Arbeiterbewegung mit der heutigen Aufgabe, antifaschistische und klassenbewusste Politik zu organisieren.
Erinnerung als Auftrag
Mit Hanna Sturm und Otto Pensl werden zwei Persönlichkeiten geehrt, deren Leben auf unterschiedliche Weise mit der österreichischen Arbeiterbewegung, dem kommunistischen Widerstand und dem Kampf gegen Faschismus verbunden ist. Beide kamen aus der Arbeiterklasse. Beide erfuhren Verfolgung. Beide hielten an ihrer Überzeugung fest.
Die neuen Politischen Zentren sollen genau daran anknüpfen. Sie sind Orte der Erinnerung, aber nicht im Sinne stiller Verehrung. Sie sollen Orte lebendiger politischer Arbeit sein: für Diskussionen, Veranstaltungen, Kultur, Bildung, Organisierung und Begegnung. In Eisenstadt und Linz entstehen damit Räume, die Vergangenheit und Gegenwart verbinden – das Gedenken an den Kampf früherer Generationen mit der Aufgabe, heute für die Interessen der Arbeiterklasse einzutreten.
Antifaschismus darf nicht bei Gedenkreden stehen bleiben. Er muss mit dem Kampf gegen jene gesellschaftlichen Verhältnisse verbunden werden, aus denen Ausbeutung, Krise, Krieg und Reaktion immer wieder hervorgehen. Die Namen Hanna Sturm und Otto Pensl erinnern daran, dass der Kampf gegen Faschismus und Kapitalherrschaft Organisation, Mut und Standhaftigkeit braucht.
Die Eröffnungen in Eisenstadt und Linz sind daher ein wichtiger Schritt. Sie zeigen: Die Partei der Arbeit, die Jugendfront und der Verein Aurora bauen Strukturen auf, schaffen Räume und knüpfen an eine kämpferische Tradition der österreichischen Arbeiterbewegung an.
- Eröffnung Politisches Zentrum Hanna Sturm: Freitag, 10. Oktober 2026, 17 Uhr, Ignaz-Till-Straße 11/1, 7000 Eisenstadt.
- Eröffnung Politisches Zentrum Otto Pensl: Samstag, 17. Oktober 2026, 17 Uhr, Gruberstraße 23/Top 1, 4020 Linz.






















































































