Es geht schon seit 2014, als Neofaschisten die Maidan-Proteste in Kiew kaperten und mit Hilfe der USA und Westeuropas alles, was links, russisch oder ein Gewerkschafter war, brutal zusammenschlugen, so. Die bürgerlichen Medien – und hier tut sich der deutschsprachige Raum besonders hervor – schreiben nicht gern über solche Vorkommnisse. Die Täter, die das Gewerkschaftshaus in Odessa am 2. Mai 2014 anzündeten, laufen übrigens immer noch frei herum, keine Strafverfolgungsbehörde will sie finden, obwohl viele von ihnen durchaus amtsbekannt sind.
Jetzt haben wir wieder so eine große Geschichte die raschest geleugnet, abgestritten und klein gemacht werden muss. Das Asow-Foltergefängnis am Stadtrand von Kiew. Die bürgerlichen Medien im Westen wissen angeblich alles darüber, und geben ganz zufällig die Propaganda der staatlichen Stellen der Ukraine einschließlich des Asow-Bataillons selbst wider. Besonders hervor tut sich eine der alten Tanten des bürgerlichen Medienwesens im deutschsprachigen Raum, die Frankfurter Allgemeine Zeitung. De facto wird im FAZ-Bericht die ganze Geschichte des Geheimgefängnisses in Frage gestellt, erst recht, dass dort Menschen geschlagen und ohne medizinische Versorgung gelassen wurden. Dass zuerst die Zahl 40 kursierte und es dann weniger Gefangene waren, hat sich in den Berichten übrigens am selben Abend noch herausgestellt, da hätte es keiner „Richtigstellung“ der FAZ bedurft.
Besonders bizarr ist aber die Berichterstattung über einen 14-jährigen Jungen, der ebenfalls schwer verletzt und traumatisiert in ein Krankenhaus gebracht werden musste. Es „verließen 17 rekrutierte Männer das Gebäude auf eigenen Beinen und stiegen in einen Militärbus, so Farrell (ein Journalist, der von der FAZ zitiert wird). Der Teenager wiederum habe sich beim Sturz von der Mauer den Fuß gebrochen und wurde ins Krankenhaus gebracht“ berichtet der FAZ-Korrespondent aus Polen. Ukrainische Medien berichten jedoch, dass vier der Männer Verletzungen aufwiesen, einer davon an der Wirbelsäule.
Mit Schaufeln, Füßen und Fäusten geschlagen
Die Geschichte mit dem 14-jährigen Jungen ist jedoch ganz anders gewesen. Er gehörte nicht zu den Rekrutierten, das stimmt. Aber das, was er selbst auf Tik-Tok berichtet, weicht dann doch stark von der relativierenden Erzählung der FAZ ab: Seiner Schilderung nach war er gemeinsam mit anderen Jugendlichen auf die Mauer geklettert, die das Asow-Gebäude umgibt, und er fiel vom Zaun auf das Grundstück, nachdem Männer mit Schaufeln aus dem Gebäude gekommen waren und ihn hinunterstießen. Dann, so der Jugendliche, zogen ihn Menschen in schwarzer Kleidung und Sturmhauben ins Gebäude und begannen, ihn zu schlagen. „Je weiter sie mich bringen, desto mehr Leute fangen an, mich zu schlagen. Nun, etwa zehn Leute, alle in schwarzen Uniformen, in Sturmhauben, in irgendeiner Art Militäruniform. Im Allgemeinen ist nicht klar, wer es ist, ohne Identifikationskennzeichen. Sie nehmen mich am Haar. Sie haben mich einfach geschlagen, ich weiß nicht, alle haben mich geschlagen. Und mit Schaufeln, Füßen und Fäusten.“ Dann wurde der Teenager in den zweiten Stock gebracht, wo sie weiter schlugen und zu verhören begannen.
„Sie legen mein Gesicht auf den Boden und beginnen zu verhören. Ich wurde so sehr am Kopf getroffen, dass ich nichts hören kann, ich sehe nichts. Dann packen sie mich an den Haaren und werfen mich gegen eine andere Wand. Und weil ich nicht auf den Bauch gefallen bin, als sie mich geworfen haben, fangen sie an, meinen Kopf auf den Boden zu schlagen.“
Dann, so der Teenager, begann plötzlich ein Aufruhr im Gebäude. Sie begannen, alles in Ordnung zu bringen, das Blut abzuwischen.
„Eine Frau kommt herein. Sie hat mich sehr gut beruhigt. Sie sagte, dass alles in Ordnung sei, dass mir nichts mehr passieren würde“, sagte er. Laut dem Jugendlichen bedeckte die Frau ihn ebenfalls mit ihrem Körper und ließ ihn nicht weiter schlagen.
Kurz darauf betrat Budanov laut ihm das Gebäude. Der Teenager sagt, dass er aufgrund der Benommenheit zunächst nicht einmal verstanden habe, wer vor ihm stand.
„Ich kann nichts sehen, ich kann nicht einmal Gesichter unterscheiden. Ich glaube, sie verhören mich weiter, jetzt werden sie mich verhören. Ich war so schockiert. Als meine Schwester mich anrief, fragte ich schon, was ich sagen sollte. Weil ich nicht weiß, was als Nächstes mit mir passiert.“
Nach einem Gespräch mit Budanov ( dem Leiter des Präsidialamtes, der aufgrund der Proteste vor Ort erschienen war) wurde der Junge aus dem Gebäude gebracht und den Ärzten übergeben. Der Jugendliche bestritt außerdem Berichte, dass er angeblich Teil eines „bezahlten Extras“ (gemeint ist die Dolchstoßlegende, dass die Proteste vor dem Haus von Russland inszeniert gewesen wäre) gewesen sei. „Ich bin spontan zur Kundgebung gekommen. Sie haben mich einfach mit einer Schaufel vom Zaun gestoßen und angefangen, mich zu verprügeln“, sagt er. Es gibt ein Foto, das zeigt wie Budanov mit dem Jungen spricht, der in eine Alu-Rettungsdecke eingehüllt ist und offensichtlich schwer unter Schock steht.
Seiner Aussage nach befindet er sich nun mit Verletzungen im Kiewer Regionalkrankenhaus. Seine Finger sind verletzt, er hat Rippenschmerzen und er hat Schwierigkeiten beim Gehen. Er sagt, er wäre zur Kundgebung gekommen, weil er 200 Meter vom Ort des Geschehens entfernt wohnt.
Todeslisten, Festnahmen und demütigende Videoaufnahmen
Die Neonazi-Webseite „Peacemaker“, die „Feinde der Ukraine“ auf einer Todesliste mit Namen, Adressen, Telefonnummern usw. auflistet und quasi für vogelfrei erklärt, hat den Jungen in die Liste aufgenommen. Auch die Ärztin (die angeblich nur eine Sanitäterin ist, was sie bestreitet), die den Protest vor Ort offenbar angeführt hat und mit einem Rettungswagen erschienen war, landete auf der Liste. Und sie wurde bereits ohne Rcht auf die Hinterlegung einer Kaution festgenommen. Es wäre keine große Überraschung, wenn auch sie in einer geheimen Einrichtung verschwindet. Auch der Fahrer des Krankenwagens und eine weitere Frau wurden inzwischen festgenommen. Die Polizei und der militärische Geheimdienst SBU haben inzwischen bekanntgegeben, dass sie 130 Personen idenzifiziert haben, die an der Kundgebung teilgenommmen haben sollen. Die Leute bekommen Hausbesuche von schwerbewaffneten Spezialkräften und es werden von ihnen Videoaufnahmen angefertigt, auf denen sie sich in demütigender Weise dafür entschuldigen müssen, dass sie an den Protesten teilgenommen haben. Wie viele von ihnen vorher geschlagen wurden und entweder eingesperrt oder zur Armee eingezogen werden, ist nicht bekannt. Das ist dann wohl die vielgepriesene Demokratie, die in der Ukraine angeblich verteidigt wird.
Wem ist also im Fall des 14-jährigen Jungen nun zu glauben? Dem Betroffenen und einer ukrainischen Exilzeitung, die seine Aussagen auf Tik-Tok veröffentlicht hat oder dem FAZ-Korrespondenten im fernen Warschau? Die Antwort ist nicht schwer.
Quellen: MSN (FAZ)/Strana/Strana/Zeitung der Arbeit/Strana






















































































