Die Dekoartikelkette Depot zieht sich vollständig aus Österreich zurück. Alle 24 Filialen werden geschlossen, rund 140 Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz. Einen Sozialplan gibt es nicht. Während das Unternehmen noch das Weihnachtsgeschäft mitnehmen will, bleibt den Beschäftigten die Aussicht auf Arbeitslosigkeit.
Bruck an der Leitha. Nach 17 Jahren ist für die Dekoartikelkette Depot in Österreich Schluss. Die Gries Deco Austria GmbH wird ihren Geschäftsbetrieb mit 31. Jänner 2027 vollständig einstellen. Sämtliche 24 Filialen werden geschlossen, rund 140 Beschäftigte verlieren damit ihren Arbeitsplatz. Hintergrund ist die Insolvenz der deutschen Muttergesellschaft, die ihren Betrieb bereits Ende September eingestellt hat.
Die österreichische Belegschaft wurde am Dienstag zu Mittag über die Entscheidung informiert. Eine eigenständige Weiterführung des Geschäfts sei nicht möglich, erklärte das Unternehmen. Einen Sozialplan für die Betroffenen gibt es nicht.
Firmenchef Christian Gries zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass alle Beschäftigten anderswo unterkommen würden. Wie beruhigend. 140 Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz, aber der Unternehmer ist sich sicher, dass sich schon etwas Neues finden wird. Damit wäre die soziale Verantwortung offenbar erledigt. Schließlich kann man von einem Unternehmen, das gerade zusperrt, wohl kaum verlangen, sich auch noch mit den Folgen für jene Menschen zu beschäftigen, die seinen Betrieb über Jahre am Laufen gehalten haben.
Zuerst das Weihnachtsgeschäft, dann die Kündigung
Besonders bezeichnend ist der Zeitpunkt der Schließung. Depot will das Weihnachtsgeschäft noch mitnehmen. Bis Ende Jänner sollen die Filialen weitergeführt und die verbliebenen Waren mit umfangreichen Rabattaktionen verkauft werden.
Für die Kundinnen und Kunden gibt es also noch einmal Schnäppchen, für das Unternehmen die Möglichkeit, seine Bestände zu verwerten. Und für die Beschäftigten? Für sie gibt es die Aussicht, nach dem umsatzstarken Weihnachtsgeschäft nicht mehr gebraucht zu werden.
Die Botschaft könnte kaum deutlicher sein: Solange noch Waren verkauft und Einnahmen erzielt werden können, wird die Arbeitskraft benötigt. Sobald das Geschäft abgewickelt ist, endet auch die Beschäftigung. Dass hinter diesen Arbeitsverhältnissen Menschen stehen, die Miete bezahlen, Familien versorgen und ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen, spielt offenbar nur eine untergeordnete Rolle.
Kein Sozialplan, aber jede Menge Zuversicht
Besonders scharf zu kritisieren ist, dass für die betroffenen Beschäftigten kein Sozialplan vorgesehen ist. Ein Sozialplan könnte zumindest versuchen, die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Schließung abzufedern. Schließlich verlieren die Beschäftigten ihre Einkommensgrundlage. Gerade im Einzelhandel, wo viele Beschäftigte ohnehin mit vergleichsweise niedrigen Löhnen, Teilzeitbeschäftigung und begrenzten finanziellen Rücklagen auskommen müssen, kann ein Arbeitsplatzverlust erhebliche Folgen haben.
Dass Firmenchef Gries davon ausgeht, alle Betroffenen würden eine andere Beschäftigung finden, ersetzt keine soziale Absicherung. Ob jemand rasch eine neue Stelle bekommt, zu welchen Bedingungen, mit welchen Arbeitszeiten und welchem Einkommen, lässt sich schließlich nicht durch Zweckoptimismus beantworten.
Die Betroffenen haben Anspruch darauf, dass ihre arbeitsrechtlichen Ansprüche vollständig erfüllt werden. Darüber hinaus muss die Frage gestellt werden, warum Beschäftigte bei Betriebsschließungen immer wieder auf die Hoffnung verwiesen werden, der Arbeitsmarkt werde ihre Probleme schon lösen.
Wenn die Konkurrenz zuschlägt
Depot kämpft seit Jahren mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Bereits 2024 musste das Unternehmen Insolvenz anmelden. Damals wurde das Filialnetz erheblich verkleinert. In Österreich sank die Zahl der Standorte von ursprünglich 49 auf weniger als 30, mehr als 100 Beschäftigte verloren ihren Arbeitsplatz.
Als wesentliche Ursachen gelten die zunehmende Konkurrenz durch Onlinehändler, der Wettbewerb mit Billigketten wie Action und Tedi sowie die schwache Konsumnachfrage. Es zeigt sich darin einer der grundlegenden Widersprüche der kapitalistischen Produktionsweise.
Unternehmen stehen in einem ständigen Konkurrenzkampf. Sie müssen günstiger produzieren, effizienter wirtschaften, Marktanteile verteidigen und ihre Rentabilität sichern. Wer in diesem Wettbewerb nicht mithalten kann, wird verdrängt. Standorte werden geschlossen, Betriebe abgewickelt, Arbeitsplätze vernichtet.
Die Angestellten haben über diese wirtschaftlichen Entscheidungen kaum Einfluss. Sie bestimmen weder die Geschäftspolitik noch die Investitionen, die Preisgestaltung oder die Unternehmensstrategie. Trotzdem tragen sie am Ende die unmittelbaren Konsequenzen.
Das ist die eigentliche Klassenfrage hinter der Depot-Schließung. Die Beschäftigten haben über Jahre Waren eingeräumt, Kundinnen und Kunden beraten, Regale gepflegt, Lieferungen übernommen, Verkaufsflächen organisiert und dafür gesorgt, dass der Geschäftsbetrieb funktioniert. Ohne ihre Arbeit hätte es keine funktionierenden Filialen und keine Umsätze gegeben.
Dennoch haben sie nicht darüber entschieden, wohin sich das Unternehmen entwickelt. Und sie können auch jetzt nicht darüber entscheiden, ob die Filialen weitergeführt werden. Genau darin besteht die Herrschaft des Kapitals. Diejenigen, die den gesellschaftlichen Reichtum durch ihre Arbeit schaffen, verfügen nicht über die wesentlichen wirtschaftlichen Entscheidungen. Diese liegen bei den Eigentümern und ihren Vertretern. Und wenn die Rechnung nicht mehr aufgeht, werden die Beschäftigten mit den Folgen konfrontiert, als hätten sie selbst über Jahre die Unternehmenspolitik bestimmt.
Nicht die Beschäftigten haben versagt
Die Depot-Schließung ist nicht die erste und wird nicht die letzte ihrer Art sein. Immer wieder verlieren Menschen ihre Beschäftigung, weil Unternehmen aufgekauft, restrukturiert, verlagert oder abgewickelt werden. Immer wieder wird erklärt, es gebe leider keine Alternative. Doch Alternativen gibt es! Jedoch hängen sie davon ab, wessen Interessen im Mittelpunkt stehen.
Es braucht eine organisierte Arbeiterklasse, die sich gegen die Abwälzung unternehmerischer Risiken auf die Beschäftigten wehrt. Und es braucht eine gesellschaftliche Perspektive, in der Arbeit und wirtschaftliche Sicherheit nicht länger von der Rentabilität einzelner Kapitalisten abhängen.
Für die 140 Beschäftigten von Depot sind das keine abstrakten Fragen. Sie stehen vor einem Winter, in dem ihr bisheriger Arbeitsplatz verschwindet, während die Lebenshaltungskosten weiter bezahlt werden müssen. So sieht die viel beschworene unternehmerische Verantwortung aus, wenn es nichts mehr zu verdienen gibt.
Quelle: ORF

















































































