Linz. Ein 23-jähriger Supermarktkassier ist am Landesgericht Linz wegen Untreue zu fünf Monaten bedingter Haft verurteilt worden. Er soll in einer Billa-Filiale in Linz-Urfahr über mehrere Monate hinweg Kundinnen und Kunden unerlaubte Rabatte gegeben haben. Laut Staatsanwaltschaft entstand dadurch ein Schaden von 25.696 Euro. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.
Damit ist wieder einmal klar: In Österreich darf vieles zur Gewohnheit werden. Steigende Lebensmittelpreise zum Beispiel. Menschen, die beim Einkaufen genau mitrechnen müssen. Familien, die bei Grundnahrungsmitteln sparen. Aber Rabatte? Rabatte dürfen offenbar nicht einfach zur Gewohnheit werden. Schon gar nicht, wenn sie nicht von oben angeordnet sind.
Bis zu 50 Prozent Preisnachlass
Der Kassier soll zwischen Anfang 2025 und Ende November 2025 teils Preisnachlässe von bis zu 50 Prozent vergeben haben. Er war dazu nicht berechtigt. Aufgefallen ist der Fall bei einer internen Kontrolle, weil der Wert bei den Preisnachlässen ungewöhnlich hoch gewesen sein soll.
Man kann sich gut vorstellen, wie schnell dann im Unternehmen die Alarmglocken geläutet haben. Nicht, weil Menschen sich Lebensmittel kaum noch leisten können. Nicht, weil Beschäftigte an der Kassa täglich erleben, wie Kundinnen und Kunden bei jedem Einkauf rechnen müssen. Sondern weil zu viele Rabatte vergeben wurden.
Das musste natürlich aufgeklärt werden. Denn wenn an der Supermarktkassa plötzlich zu viel Nachsicht herrscht, wird es gefährlich für die Ordnung.
Keine persönliche Bereicherung
Der junge Mann soll sich durch die Rabatte nicht selbst bereichert haben. Vor Gericht erklärte er, das Rabattgeben sei für ihn mit der Zeit zur Gewohnheit geworden. Nach Bekanntwerden des Falls wurde er fristlos gekündigt. Juristisch ist der Fall damit abgeschlossen. Politisch und gesellschaftlich erzählt er aber mehr als nur die Geschichte eines Kassiers, der unerlaubt Preisnachlässe vergeben hat.
Wer an einer Supermarktkassa arbeitet, sieht jeden Tag, was Teuerung bedeutet. Man sieht Menschen, die Waren zurücklegen. Man sieht Kundinnen und Kunden, die auf Aktionen warten. Man sieht, dass der Einkauf für viele nicht mehr selbstverständlich ist, sondern eine Rechnung, die am Ende des Monats oft nicht mehr aufgeht.
In so einer Lage wirkt ein unerlaubter Rabatt fast wie ein kleiner Ausrutscher der Menschlichkeit im ganz normalen Betrieb des Kapitalismus.
Wenn Preise steigen, heißt es Markt – wenn sie sinken, ruft das Gericht
Natürlich kann ein Supermarkt nicht so funktionieren, dass Beschäftigte eigenmächtig Rabatte vergeben. Das ist die nüchterne Seite der Sache. Aber die andere Seite ist trotzdem: Wenn Preise steigen, wird das meistens als normal hingenommen. Dann heißt es Inflation, Energiepreise, Lieferketten, höhere Kosten oder schwieriges Marktumfeld.
Wenn Preise aber unerlaubt sinken, dann ist sofort Schluss mit lustig.
Die Kassa gehört nicht den Menschen
Der Fall zeigt auch, wie streng die Ordnung im Supermarkt ist. Die Ware gehört dem Unternehmen. Der Preis gehört dem Unternehmen. Der Rabatt gehört dem Unternehmen. Die Kassa gehört dem Unternehmen. Und wer dort arbeitet, soll scannen, kassieren, freundlich bleiben und funktionieren.
Die soziale Frage soll dort aber bitte nicht gelöst werden.
Dabei ist gerade der Supermarkt ein Ort, an dem die Krise sehr konkret wird. Hier sieht man, ob Menschen noch genug Geld haben. Hier merkt man, wie stark Lebensmittelpreise drücken. Hier entscheidet sich für viele, ob sie sich frisches Obst, Gemüse, Milchprodukte oder Fleisch noch leisten können.
Vor diesem Hintergrund hat die Geschichte eine bittere Komik: Während viele Menschen jeden Euro umdrehen müssen, steht ein Kassier vor Gericht, weil er Rabatte vergeben hat. Nicht, weil er sich selbst bereichert haben soll. Sondern weil er die Preisordnung seines Arbeitgebers verletzt hat.
Der junge Kassier hat das System nicht gestürzt. Wahrscheinlich hatte er das auch nicht vor. Aber für einen kurzen Moment muss an dieser Kassa etwas passiert sein, das im Kapitalismus offenbar nicht vorgesehen ist: Einige Menschen haben weniger gezahlt. Und genau das war das Problem.
Quelle: ORF





















































































