Ein Erdrutsch in einer Goldmine an der kolumbianischen Pazifikküste hat 14 Menschen das Leben gekostet. Das Unglück verweist auf die gefährlichen Arbeitsbedingungen im informellen Bergbau und auf ein größeres Problem: Illegale Goldförderung ist in Kolumbien eng mit Armut, bewaffneten Konflikten und der Kontrolle lukrativer Rohstoffgeschäfte verbunden.
Bei einem Erdrutsch in einer Goldmine im Departamento Nariño im Südwesten Kolumbiens sind 14 Menschen ums Leben gekommen, sieben weitere wurden verletzt. Das Unglück ereignete sich gegen acht Uhr morgens in der ländlichen Gemeinde Santa Bárbara de Iscuandé an der Pazifikküste. Rund 30 Bergleute sollen sich zum Zeitpunkt des Unglücks am Unglücksort aufgehalten haben. Herabstürzende Erdmassen verschütteten die Menschen, die dort Gold abbauten.
Nach Angaben der Regionalregierung von Nariño wurden die Sucharbeiten eingestellt, nachdem alle Verschütteten lokalisiert worden waren. 13 Todesopfer wurden in den Hauptort der Gemeinde gebracht, ein weiteres nach Guapi im benachbarten Departamento Cauca. Sieben Menschen überlebten verletzt, vier von ihnen in kritischem Zustand. Für ihre medizinische Versorgung bemühten sich die Behörden um einen Hubschraubertransport nach Pasto oder Tumaco.
Hinter diesen Zahlen stehen 14 Menschen, die bei ihrer Arbeit ums Leben gekommen sind, sowie Angehörige und Familien, die mit den Folgen der Katastrophe leben müssen. Wenn in den bürgerlichen Medien von einer Tragödie und eine Unglück gesprochen wird, ist das jedoch nichts anderes als ein Euphemismus hinter dem die Zustände, die der Kapitalismus tagtäglich hervorbringt, verborgen werden sollen. Die Bedingungen, unter denen in der Region Gold gefördert wird, sind Teil eines größeren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Problems. Der illegale Goldabbau sichert in manchen Gebieten den Lebensunterhalt armer Bevölkerungsschichten, dient zugleich aber auch als Einnahmequelle bewaffneter Gruppen und verschärft bestehende soziale Konflikte.
Gefährliche Arbeit in einer vernachlässigten Region
Die betroffene Mine liegt im ländlichen Gebiet El Chavergo am Ufer des Río Iscuandé. Nach Angaben der kolumbianischen Behörden handelte es sich um einen illegal betriebenen Bergbaustandort. Der Sekretär für Bergbau des Departamento Nariño führte das Unglück auf die Kombination aus illegaler Mineralgewinnung, starken Regenfällen und den instabilen Böden der Region zurück.
Heftige Niederschläge können die Stabilität des Erdreichs beeinträchtigen und Erdrutsche auslösen. Wenn Menschen unter unzureichend gesicherten Bedingungen Gold abbauen, kann die Arbeit innerhalb kürzester Zeit lebensgefährlich werden. Welche konkreten Sicherheitsmängel am Unglücksort vorlagen, ist bislang nicht näher dokumentiert.
Allerdings wäre es zu kurz gegriffen, die Katastrophe allein mit dem Wetter oder der Illegalität des Bergbaus zu erklären. Entscheidend ist auch die Frage, wer davon profitiert und weshalb Menschen gezwungen sind unter solchen Bedingungen zu arbeiten. Die Regionalregierung von Nariño verweist auf fehlende wirtschaftliche Entwicklung, mangelhafte Verkehrsverbindungen und begrenzte Beschäftigungsmöglichkeiten in den betroffenen Gebieten. Hinzu kommt die Präsenz paramilitärischer Gruppen, die eine wirksame staatliche Kontrolle erschwert.
Gold als Geschäft paramilitärischer Gruppen
Wie eng der illegale Goldabbau mit den bewaffneten Konflikten in Kolumbien verflochten ist, zeigt eine im Februar 2026 veröffentlichte Analyse von Salomón Majbub Avendaño für die Beobachtungsstelle für Drogen und illegale Wirtschaftszweige der Organisation Indepaz. Unter dem Titel „Minería ilegal de oro y actores armados: Economías de guerra, violencias y territorio“ (auf deutsch: Illegaler Goldabbau und bewaffnete Gruppen: Kriegswirtschaft, Gewalt und Territorium) untersucht der Bericht die Rolle des Goldgeschäfts bei der Finanzierung bewaffneter Gruppen und seine Folgen für die betroffenen Gemeinden.
Die Analyse macht deutlich, dass die illegale Goldförderung keine neue Erscheinung ist. Sie ist seit Jahrzehnten Bestandteil der Kriegsökonomie in Kolumbien. In den vergangenen Jahren hat ihre Bedeutung jedoch zugenommen. Ein wesentlicher Faktor sind die hohen Goldpreise auf den internationalen Märkten, die das Geschäft für die paramilitärischen Gruppen besonders lukrativ machen.
Diese Gruppen beschränken sich nicht darauf, Schutzgeld von Bergleuten zu verlangen. Laut dem Bericht investieren sie teilweise selbst in Maschinen und Abbaustätten, kontrollieren die Versorgung mit Betriebsmitteln, erheben Abgaben auf die geförderten Mengen und bestimmen mitunter, an wen das Gold verkauft werden darf. In manchen Gebieten übernehmen sie damit eine Art gewaltsame wirtschaftliche Kontrolle, die bis in den Alltag der lokalen Bevölkerung reicht.
Für die bewaffneten Organisationen ist Gold eine Möglichkeit, ihre Aktivitäten zu finanzieren und ihre territoriale Macht zu festigen. Der Bericht beschreibt unter anderem die Verflechtung verschiedener bewaffneter Akteure in Regionen wie dem Pazifikgebiet von Nariño, dem Chocó und dem Süden von Bolívar.
Ein Geschäft zwischen legalen und illegalen Märkten
Wie so häufig im Kapitalismus kann legales und illegales Geschäft nicht voneinander getrennt werden. Gold aus illegalen Abbaustätten kommt über Handelswege in reguläre Märkte. Die begrenzte Rückverfolgbarkeit des Rohstoffs erschwert es den Behörden, seine Herkunft zuverlässig zu überprüfen. Gleichzeitig sind die paramilitärischen Gruppen eng verflochten mit den wirtschaftlichen und politischen Eliten des Landes.
Der Indepaz-Bericht beschreibt, wie bewaffnete Gruppen und kriminelle Netzwerke die Verbindungen zwischen legalen und illegalen Märkten nutzen. Gold kann demnach auch dazu dienen, Einnahmen aus anderen illegalen Geschäften zu verschleiern und in den regulären Wirtschaftskreislauf einzuschleusen. Der Bericht verweist unter Berufung auf die kolumbianische Generalstaatsanwaltschaft darauf, dass ein erheblicher Teil des aus Kolumbien exportierten Goldes aus illegalen Quellen stammen soll.
Armut und Kriegsökonomie verstärken einander
Die illegale Goldförderung ist für viele Menschen in den betroffenen Gebieten eine Überlebensstrategie. Der Indepaz-Bericht beschreibt, wie wirtschaftliche Krisen und fehlende Alternativen dazu führen, dass Menschen aus anderen Erwerbszweigen in den Bergbau wechseln. Im Departamento Nariño und in anderen Regionen hängt das teilweise auch mit Veränderungen im Koka- und Kokainmarkt zusammen. Wenn andere Einkommensquellen wegbrechen, wird die Goldgewinnung für Familien zu einer Möglichkeit, ihre laufenden Ausgaben zu decken.
Während die gefährliche Arbeit in den illegalen Minen für die einen ihr knappes überleben in einer wirtschaftlich und politisch zerrütteten Region das knappe Überleben sichert, fahren die anderen enorme Gewinne ein. Arbeitssicherheit oder gar Rechte der Beschäftigten spielen dabei keine Rolle. Was im Kapitalismus generell zählt, zählt im illegalen Geschäft noch mehr. Die Sicherheit der Beschäftigten ist in aller erster Linie ein Kostenfaktor, der den Profit mindert. Die Kontrolle des Goldgeschäfts durch paramilitärische Gruppen verschärft diese Lage.
Die Folgen reichen über die unmittelbaren Arbeitsrisiken hinaus. Der Bericht beschreibt Vertreibungen, Einschränkungen der Bewegungsfreiheit und Gewalt gegen Menschen, die sich der Kontrolle bewaffneter Gruppen widersetzen. Hinzu kommen schwere Umweltschäden. Der Einsatz von Quecksilber bei der Goldgewinnung belastet Flüsse, gefährdet Fischbestände und beeinträchtigt die Gesundheit jener Gemeinden, die auf diese Gewässer als Lebensgrundlage angewiesen sind.
Wiederholte Unglücke sind kein unvermeidbares Schicksal
Wie wenig es sich um einen isolierten Vorfall handelt, zeigt ein weiterer schwerer Bergbauunfall in Nariño. Erst rund zwei Monate zuvor waren am 19. August in der Ortschaft Puerto Rico in der Gemeinde Policarpa bei einem ähnlichen Unglück mehr als zehn Menschen ums Leben gekommen. Zusammengenommen forderten die beiden Ereignisse damit mehr als 20 Todesopfer.
Die Regionalregierung bezeichnet den illegalen Bergbau als weitverbreitetes Problem in Nariño, insbesondere an der Pazifikküste und am küstennahen Gebirgsfuß. Neben Santa Bárbara de Iscuandé seien unter anderem Barbacoas, Magüí Payán, Roberto Payán, Olaya Herrera und Policarpa betroffen. Häufig befänden sich die Abbaustätten in Flussnähe; teilweise würden dort Stollen angelegt.
Die 14 Toten sind nicht nur Opfer eines Erdrutsches. Sie sind weitere Opfer eines Systems das die rücksichtslose Ausbeutung von Mensch und Natur ob nun legal oder illegal permanent als Grundlage hat. Der Kapitalismus tötet tagtäglich in dem die Sicherheit der Arbeiterinnen und Arbeiter dem Profit geopfert werden.
Quelle: Noticias/Noticias Caracol/Indepaz



















































































