Gastbeitrag von Gerhard Oberkofler, geb. 1941, Dr. phil., Universitätsprofessor i. R. für Geschichte an der Universität Innsbruck.
Ein blau gefärbter Flyer mit der Rot-Weiß-Roten Fahne liegt in diesen Oktobertagen im Stephansdom im Zentrum von Wien auf und kündigt für den österreichischen Nationalfeiertag am 26. Oktober folgenden Festakt an:
>Marienfeier / „Schutzfrau Österreichs“ / am Nationalfeiertag / mit Bischof Klaus KÜNG / Mo, 26. Oktober, 17 Uhr / im Stephansdom / Rot-Weiß-Rote Fahne / Festandacht / Lichtprozession durch den Dom / Pontifikalamt / Eucharistischer Segen / Te Deum / Geläute der Pummerin/<
Mit dem von Frankreich, Großbritannien, den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion unterzeichneten Staatsvertrag vom 15. Mai 1955 hat die Republik Österreich wieder ihre Souveränität erlangt. Die letzten, nach der Befreiung vom deutschen Faschismus in Österreich stationierten alliierten Truppen zogen bis zum 25. Oktober 1955 ab. Bundespräsident Theodor Körner appellierte, das Rotweißrot der österreichischen Fahne als Zeichen friedlicher Gesinnung zu ehren, und Bundeskanzler Julius Raab sprach davon, dass die Generation von morgen Sorge tragen müsse für den inneren und äußeren Frieden. Am 11. September 1956 beschloss der Ministerrat, den 26. Oktober als ersten Tag ohne Besatzung künftig als „Tag der österreichischen Fahne“ zu feiern. Dieser „Tag der österreichischen Fahne“ wurde mit dem Bundesgesetz vom 25. Oktober 1965 zu dem ab 26. Oktober 1965 geltenden „österreichischen Nationalfeiertag“ deklariert.
Im Spanien hat der erzkonservative katholisch römische Priester Josemaría Escrivá de Balaguer y Albás (1902–1975) den Putsch von Francisco Franco (1892–1975) gegen die spanische Volksfrontregierung und den blutigen Terror von dessen Regime engagiert gerechtfertigt. Josemaría Escrivá gründete Opus dei (Werk Gottes) als straff organisierten Geheimbund, dessen Mitglieder sich auch „Geheimagenten Gottes“ nennen. Seit 1930 waren Frauen in einer eigenen Abteilung, aber völlig unterwürfigen, dienenden und rigide überwachten Funktion zugelassen. Sowohl Francisco Franco wie Adolf Hitler (1889–1945), dem er ein „verständnisvoller Freund“ war, sind für den Priester Escrivá „Retter des katholischen Glaubens gegen den kommunistischen Atheismus“. Josemaría Escrivá nannte sich selbst einen „Ritter der Neuzeit“, der die wahren Gläubigen in den Kampf gegen die gottlosen Kommunisten führt.
Opus dei erklärte zur Betonung seines elitären Charakters ausdrücklich, kein Orden zu sein und erhielt im Februar 1947 von Papst Pius XII. (1876–1958, Papst seit 1939) die Approbation. Papst Johannes XXIII. (1881–1963, Papst seit 1958) hat jede Aufwertung von Opus dei, deren Mitglieder in hohe Regierungs- und öffentliche Ämter und Leitungsposten in Banken und Konzernen gelangten, abgelehnt. Unter Führung des polnischen Papst Johannes Paul II. (1920–2005, Papst seit 1978) wurde Josemaría Escrivá in außerordentlicher Schnelligkeit 1992 (17. Mai) „selig“ und 2002 (6. Oktober) zur Ehre des Altars „heilig“ gesprochen. Die formalen Unterlagen dazu haben Opus dei-Mitglieder, die inzwischen leitende Funktionen im Vatikan einnahmen, vorgelegt. Am Tag der Heiligsprechung hat der damalige Dekan des Kardinalkollegiums Joseph Ratzinger und spätere Papst Benedikt XVI. (1927–2022, Papst von 2005–2013) persönlich im L’Osservatore Romano in seinem Artikel „Gott handeln lassen“ die von Josemaría Escrivá gelebte und von den Mitgliedern von Opus dei verlangte offene Parteinahme für die, wenn notwendig, terroristische Unterdrückung der Gegner der reaktionärsten Interessen der herrschenden Klasse als heroischen Tugenden bewundert.
Der aus Lateinamerika kommende Papst Franziskus (1936–2025, Papst seit 2013) konnte die Heiligsprechung von Josemaría Escrivá nicht mehr rückgängig machen, er versuchte aber beharrlich, den Einfluss des weltweit im Geheimen operierenden klerikalen und von seiner absoluten Auserwähltheit überzeugten Bündnisses Opus dei zu reduzieren. Papst Franziskus war bekannt, dass Opus dei den blutigen, von den USA gelenkten Militärputsch von Augusto Pinochet (1915–2006) samt den folgenden Mordexzessen von dessen Junta mit „heiligen“ Messen gefeiert hat, waren doch ihre Mitglieder selbst daran beteiligt. Der antikommunistische polnische Papst Johannes Paul II. stärkte mit seinem Besuch in Chile das Blutregime von Augusto Pinochet, zeigte sich auf dessen Balkon und blieb ungerührt von den Zurufen der Menge: „Pilgerpapst, verfluche den Mörder“.
Papst Franziskus wusste, dass der Erzbischof von El Salvador Fernando Sáenz Lacalle (1932–2022), Mitglied von Opus dei und Nachfolger des in El Salvador von der von den USA unterstützten Militärdiktatur ermordeten Erzbischof Oscár Romero (1917–1980), massiv gegen den Befreiungstheologen Jon Sobrino SJ aufgetreten ist. Jon Sobrino SJ hat wegen seiner zufälligen Abwesenheit die vom US-Imperialismus angeordnete Tötungsaktion gegen die wegen ihrer Option für die Armen als Kommunisten geltenden, an der Zentralamerikanischen Jesuitenuniversität in San Salvador lehrenden Jesuiten überlebt. Sechs Jesuiten und zwei anwesende Frauen sind am 16. November 1989 ermordet worden.
Der Nachfolger von Papst Franziskus ist der aus den USA kommende Papst Leo XIV. (*1955). Dieser zitiert Josemaría Escrivá als „heilige“ Referenz und signalisiert zurückhaltend, aber eindeutig sein Einverständnis mit Opus dei. Dessen erfolgreiche Inspiration der in der Gegenwart besonders offensiven rechtsextremen Bewegungen in Lateinamerika hat Leo XIV. selbst als evangelikaler Missionar in Peru kennengelernt und geduldet.
Der aus Vorarlberg stammende Bischof Klaus Küng (*1940) ist seit Jahrzehnten ein europaweit bekannter Repräsentant dieser klerikalfaschistischen Geheimorganisation Opus dei. Dass Klaus Küng am österreichischen Nationalfeiertag statt die von dieser seiner klerikalen Geheimorganisation beherrschten Wiener Peterskirche den Stephansdom als Kanzel benützen darf, ist ein fatales Zeichen für die politische und ideologische Entwicklung nach rechts in Österreich und Europa. Ob dazu Dompfarrer Toni Faber oder Erzbischof Josef Grünwidl, über den Andreas R. Batlogg SJ in diesen Tagen eine erste Hagiographie veröffentlicht hat, das Einverständnis dazu gegeben haben, sei dahingestellt. Diese klerikale Veranstaltung ist, notabene, ein unchristliches Zeichen, weil selbst in der „Schutzmantel“ – Mythologie Maria als Mutter von Jesus allen Menschen und nicht einzelnen Staaten Zuflucht bietet.
PS: Gerhard Feldbauer aus Deutschland danke ich herzlich für freundliche Hinweise!























































































