Eine Salzburger Uni wird seit mehreren Wochen von Legionellen heimgesucht. Bakterien im Wasser, Lecks in Leitungen und undichte Dächer zeigen, dass marode Infrastruktur im Bildungswesen auch in Österreich zunehmend die Realität der Studierenden und Beschäftigten prägt. Die Sparmaßnahmen der Bundesregierung verschärfen die Lage zusätzlich.
Salzburg. Ende September wurden in den Wasserleitungssystemen der Natur- und Lebenswissenschaftlichen Fakultät („NaWi“) der Universität Salzburg Legionellen entdeckt. Dabei handelt es sich um Bakterien, die sich vor allem im Wasser ansiedeln und für Menschen ein erhebliches Gesundheitsrisiko darstellen können. Der Kontakt, etwa durch das Einatmen feiner Wassertröpfchen beim Duschen, kann schwere Atemwegserkrankungen auslösen. Bei einem Legionellenausbruch in Linz infizierten sich im Sommer 32 Personen mit Legionellose, drei davon starben.
Für den Legionellenausbruch an der Salzburger NaWi dürften veraltete Wasserleitungen verantwortlich sein. In älteren Gebäuden gestalten sich Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen besonders schwer, da Legionellen günstige Bedingungen zur Vermehrung vorfinden. Zusätzlich wurde ein Leck in der Hauptversorgungsleitung entdeckt. Kurzzeitig musste vergangene Woche daher sogar das Wasser abgestellt werden. Selbst Bernhard Fügenschuh, Rektor der Uni Salzburg, musste daraufhin einräumen, dass das Uni-Gebäude veraltet sei und dringende Sanierungsmaßnahmen anstehen.
Sparmaßnahmen verschärfen Situation
Das Gebäude der NaWi wurde in den 1980er-Jahren erbaut. Aufgrund undichter Stellen drang in der Vergangenheit mehrmals Wasser bei Regenfällen in das Foyer des Gebäudes ein. Der Fall zeigt, wie marode Infrastruktur auch im österreichischen Bildungswesen ein zunehmendes Problem darstellt und Studierende sowie Lehrende sogar direkt gesundheitlich bedroht. Durch die aktuellen Sparmaßnahmen der Bundesregierung wird sich die Lage weiter verschärfen: Für die Jahre 2028 bis 2030 wird laut Universitätenkonferenz (uniko) rund eine Milliarde Euro im Budget fehlen. Ein Personalabbau von mindestens zehn Prozent steht bevor. Davon betroffen sind vor allem junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die häufig befristete Arbeitsverträge haben. Die Kürzungen des Uni-Budgets zeigen eindrucksvoll die Rolle von Bildung im kapitalistischen System. Während Milliarden für Aufrüstung ausgegeben werden, müssen Studierende, Arbeiterinnen und Arbeiter die Kosten der Krise zahlen.
Bildung und Forschung werden im Kapitalismus zur Ware und dienen vor allem den Profiten der Konzerne. Der Anteil von Drittmitteln bei der Finanzierung der Forschung steigt in Österreich seit Jahrzehnten und zeigt, wie öffentliche Universitäten durch die Hintertür privatisiert werden und zur vorgelagerten Forschungsstätte von Unternehmen werden. Für diese Entwicklung stehen auch die Rektorate. Im Rahmen der aktuellen Debatte betonen sie vor allem den „Schaden für den Innovationsstandort“, der durch die Sparmaßnahmen entsteht. Diese Argumentation entspricht der Logik kapitalistischer Standortkonkurrenz. Nicht die gesellschaftlichen Bedürfnisse und der Fortschritt durch Wissenschaft, sondern die Profite der Unternehmen stehen im Mittelpunkt.
Entschiedene Proteste gegen die Einsparungen sind bislang ausgeblieben. Weder die uniko noch die Österreichische Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft (ÖH) zeigen ein Interesse daran, konsequenten Widerstand gegen die studierenden- und arbeiterfeindliche Politik der Herrschenden zu organisieren.
Quelle: Salzburg24/ Zeitung der Arbeit/ Zeitung der Arbeit



















































































