Wenn der Kapitalismus in die Krise gerät, wird plötzlich von allen verlangt, Opfer zu bringen. Die Lohnforderungen sollen zurückhaltend sein, Sozialleistungen werden infrage gestellt, öffentliche Ausgaben gekürzt und Arbeitsbedingungen verschlechtert. Während die Arbeiterklasse verzichten soll, bleiben die Eigentumsverhältnisse unangetastet. Doch die Krise ist kein Naturgesetz, dem wir uns widerstandslos unterwerfen müssen.
Die Krise trifft nicht alle gleich
Wenn Konzerne Gewinne machen, gelten diese als Verdienst ihrer Eigentümer. Wenn die Geschäfte schlecht laufen, sollen plötzlich alle die Verantwortung tragen. Übersetzt heißt das: Die Beschäftigten sollen länger arbeiten, weniger verdienen und auf erkämpfte Rechte verzichten, damit die Kapitalverwertung weiter funktioniert.
Dabei verschwindet der gesellschaftliche Reichtum nicht einfach. Er ist nur höchst ungleich verteilt. Während Millionen Menschen jeden Euro zweimal umdrehen müssen, verfügen große Unternehmen und Vermögende weiterhin über gewaltige wirtschaftliche Macht.
Klassenkampf findet statt – auch wenn wir nicht kämpfen
Die Herrschenden sprechen gerne vom gesellschaftlichen Zusammenhalt. Doch dieser Zusammenhalt endet gewöhnlich dort, wo die Interessen des Kapitals beginnen.
Wenn Unternehmen Arbeitsplätze vernichten, ist das Klassenkampf. Wenn Regierungen Sozialleistungen kürzen, ist das Klassenkampf. Wenn Beschäftigte unter Druck gesetzt werden, schlechtere Bedingungen zu akzeptieren, ist das Klassenkampf. Nur wird er dann von oben gegen uns unten geführt.
Klassenkampf beginnt nicht erst, wenn Arbeiterinnen und Arbeiter streiken oder demonstrieren. Er findet jeden Tag statt – in den Betrieben, bei Lohnverhandlungen, auf dem Wohnungsmarkt und bei politischen Entscheidungen. Die entscheidende Frage ist also nicht, ob Klassenkampf stattfindet. Die Frage ist, ob die Arbeiterklasse ihn organisiert und bewusst führt – oder ob sie sich widerstandslos bekämpfen lässt.
Ohne Kampf wird uns nichts geschenkt
Der Achtstundentag, bezahlter Urlaub, Kollektivverträge und soziale Absicherung waren keine großzügigen Geschenke irgendwelcher Unternehmer. Sie wurden erkämpft. Durch Streiks, Demonstrationen, gewerkschaftliche Organisierung und politische Auseinandersetzungen.
Gerade in der Krise versucht das Kapital, das Kräfteverhältnis zu seinen Gunsten zu verschieben. Deshalb ist es ein verhängnisvoller Irrtum, ausgerechnet jetzt auf Zurückhaltung und sozialen Frieden zu setzen.
Wer darauf wartet, dass nach der Krise wieder etwas für die Beschäftigten übrig bleibt, wird lange warten. Denn jede Krise wird genutzt, um neuen Verzicht durchzusetzen.
Aus Unzufriedenheit muss organisierte Kraft werden
Wut allein verändert nichts. Auch die Erkenntnis, dass dieses System ungerecht ist, reicht nicht aus. Solange jeder für sich kämpft, bleiben die Beschäftigten gegenüber der Kapitalistenklasse wirtschaftlich und politisch unterlegen.
Unsere Stärke entsteht dort, wo wir gemeinsam handeln: im Betrieb, auf der Straße und in der politischen Organisation.
Ein Streik zeigt, wer den gesellschaftlichen Reichtum tatsächlich schafft. Wenn die Arbeiterinnen und Arbeiter ihre Arbeit niederlegen, stehen Maschinen still, Lieferketten stocken und Dienstleistungen fallen aus. Ohne menschliche Arbeit kein Profit.
Darin liegt unsere Macht. Und darin liegt zugleich die Furcht der Herrschenden vor einer selbstbewussten, organisierten Arbeiterklasse.
Doch der wirtschaftliche Kampf allein reicht nicht. Höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen sind notwendig, aber sie beseitigen nicht das grundlegende Verhältnis zwischen Kapital und Arbeit. Solange eine kleine Klasse über die Produktionsmittel verfügt, bleibt die große Mehrheit gezwungen, ihre Arbeitskraft zu verkaufen.
Deshalb braucht die Arbeiterklasse eine eigenständige revolutionäre politische Organisation. Die Partei der Arbeit Österreichs (PdA) versteht sich als genau eine solche Kraft: Sie will die täglichen Kämpfe um höhere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen und soziale Rechte mit dem Kampf um die Überwindung des Kapitalismus verbinden. Denn es reicht nicht, immer nur die nächsten Angriffe des Kapitals abzuwehren. Es geht darum, die gesellschaftlichen Verhältnisse grundlegend zu verändern, die diese Angriffe immer wieder hervorbringen. Eine starke, organisierte und klassenbewusste Arbeiterbewegung braucht deshalb auch eine starke kommunistische Partei.
Nicht unsere Opfer, sondern unsere Kämpfe entscheiden über die Zukunft
Die kapitalistische Krise ist kein Grund, den Kopf einzuziehen. Sie zeigt vielmehr, wie wenig dieses System in der Lage ist, die Bedürfnisse der Menschen zuverlässig zu erfüllen – obwohl genügend Wissen, Technik und gesellschaftlicher Reichtum vorhanden wären.
Es fehlt nicht an Möglichkeiten für ein besseres Leben. Es fehlt an gesellschaftlicher Kontrolle über das, was wir gemeinsam schaffen.
Die Arbeiterklasse muss sich nicht für eine Krise verantwortlich machen lassen, die sie nicht verursacht hat. Sie muss nicht schweigen, wenn ihre Rechte angegriffen werden. Und sie muss sich nicht einreden lassen, dass es keine Alternative gibt.
Wir sind diejenigen, die produzieren, pflegen, transportieren, reinigen, bauen und die Gesellschaft am Laufen halten. Ohne unsere Arbeit steht alles still. Ohne die Profite der Kapitalisten hingegen könnte die Gesellschaft sehr wohl weiterbestehen.
Die herrschende Klasse ist mächtig, solange wir vereinzelt bleiben. Unsere Macht beginnt dort, wo wir uns zusammenschließen. Die Zukunft wird nicht von jenen geschaffen, die uns Verzicht predigen. Sie wird von jenen erkämpft, die nicht länger bereit sind, dafür zu bezahlen.



















































































