Innsbruck. In Tirol wurden heuer laut Land bereits 53 Waldbrände verzeichnet. Damit liegt das Jahr deutlich über den vergangenen Jahren: In den vergangenen sechs Jahren waren jeweils zwischen 19 und 33 Waldbrände im gesamten Jahr registriert worden. Auch die Zahl der Feuerwehreinsätze hat einen bisherigen Höchststand erreicht. Rund 3.900 Feuerwehrleute standen heuer bereits bei Waldbränden im Einsatz.
Die Zahlen zeigen deutlich, dass Wald- und Vegetationsbrände auch in Tirol keine Ausnahmeerscheinung mehr sind. Steile Hänge, schwer zugängliches Gelände, große Hitze und tief ausgetrocknete Böden machen die Arbeit der Einsatzkräfte besonders belastend. Landesfeuerwehrkommandant Jakob Unterladstätter verweist darauf, dass die Böden teilweise bis in 30 oder 40 Zentimeter Tiefe ausgetrocknet seien. Bei der Brandbekämpfung müssen Glutnester daher mit Spezialwerkzeugen freigelegt werden – eine körperlich extrem fordernde Arbeit.
Der Klimawandel ist nicht abstrakt
Der Rekord an Waldbränden ist ein weiteres Warnsignal. Der Klimawandel zeigt sich nicht nur in Statistiken, Temperaturkurven oder internationalen Konferenzen. Er zeigt sich konkret in ausgetrockneten Böden, brennenden Wäldern, gefährdeten Siedlungen und erschöpften Einsatzkräften.
Dass Tirol nun zusätzliche Ausrüstung anschafft, ist notwendig. Ein neues Löschbehältnis sowie ein „Pumpkin Tank“ mit bis zu 54.500 Litern Fassungsvermögen sollen die Brandbekämpfung verbessern. Das Land übernimmt dafür Kosten von bis zu 100.000 Euro. Gerade der Einsatz des S‑70 „Black Hawk“ des Bundesheeres zeigt, wie wichtig passende Infrastruktur vor Ort ist. Bisher mussten geeignete Löschbehälter für solche Einsätze aus Ober- oder Niederösterreich nach Tirol gebracht werden.
Diese Anschaffungen sind sinnvoll. Aber sie beantworten nur die unmittelbare Gefahr. Sie löschen Brände, verhindern aber nicht, dass die Bedingungen für solche Brände immer häufiger entstehen.
Einsatzkräfte zahlen den Preis
Hinter jeder Brandmeldung stehen Menschen, die unter schwierigen Bedingungen arbeiten: Feuerwehrleute, die stundenlang in Hitze, Rauch, steilem Gelände und körperlicher Erschöpfung stehen. Viele von ihnen leisten diese Arbeit freiwillig. Sie retten Wälder, Häuser, Tiere und Menschenleben.
Die Einsatzkräfte dürfen nicht zu jenen werden, die mit persönlichem Einsatz ausbaden, was jahrzehntelange Profitlogik angerichtet hat. Während fossile Konzerne, Industrieinteressen und kapitalistische Standortpolitik den Klimawandel weiter verschärfen, stehen am Ende Feuerwehrleute mit Schaufeln, Schläuchen und Spezialwerkzeugen im ausgetrockneten Boden.
Das ist die gesellschaftliche Arbeitsteilung im Kapitalismus: Die Profite werden privat gemacht, die Folgen werden öffentlich bekämpft.
Brandschutz braucht mehr als Ausrüstung
Der Ausbau der Ausrüstung ist notwendig, aber er muss Teil einer umfassenderen Politik sein. Es braucht mehr Ressourcen für Feuerwehren, bessere Unterstützung für Einsatzkräfte, vorausschauende Waldpflege, konsequenten Bodenschutz, eine ernsthafte Klimapolitik und eine öffentliche Infrastruktur, die auf die kommenden Bedingungen vorbereitet ist.
Doch solange Klimapolitik den Interessen des Kapitals untergeordnet bleibt, wird sie halbherzig bleiben. Eine Gesellschaft, die Wachstum, Verkehr, Flächenverbrauch, Energieverbrauch und Profit über ökologische Vernunft stellt, produziert immer neue Krisen. Danach wird teuer repariert, was vorher aus Rücksicht auf Kapitalinteressen nicht verhindert wurde.
Wer die Wälder schützen will, muss daher auch die Verhältnisse infrage stellen, die ihre Zerstörung vorantreiben.
Quelle: ORF

















































































