Österreichs Universitäten starten ins neue Semester mit angesetztem Sparstift. Weniger Personal, weniger Lehrveranstaltungen, größere Gruppen und längere Wartezeiten drohen. Was als „Einsparung“ verkauft wird, bedeutet in der Praxis: Studierende und Beschäftigte sollen die Folgen jahrelanger Unterfinanzierung tragen und auch der Aufrüstung.
Graz. Die Universitäten stehen unter massivem finanziellen Druck. Für die Jahre 2028 bis 2030 sind Kürzungen von insgesamt 500 Millionen Euro in der Steiermark vorgesehen. Auch die Universität Graz muss deshalb sparen. Rektor Peter Riedler kündigte an, dass zunächst rund 100 Stellen durch natürliche Abgänge eingespart werden sollen.
Was auf dem Papier nach einer scheinbar sozialverträglichen Maßnahme klingt, hat konkrete Folgen. Wenn Stellen nicht nachbesetzt werden, verschwindet ihre Arbeit nicht. Sie wird von anderen übernommen – oder Leistungen werden gekürzt. Für Studierende bedeutet das weniger Lehrveranstaltungen, größere Gruppen und längere Wartezeiten auf Seminarplätze.
Sparen heißt weniger Bildung
Riedler spricht selbst offen davon, dass die Qualität der Lehre unter Druck geraten könnte. Besonders bei Vertiefungen und Spezialisierungen seien Einschränkungen zu erwarten. Damit wird deutlich: Die Kürzungen treffen nicht irgendeinen Verwaltungsbereich, sondern den Kern universitärer Bildung.
Auch in der Verwaltung sollen Sachmittel und Nachbesetzungen reduziert werden. Die Folge kann eine sinkende Servicequalität sein: Anträge werden langsamer bearbeitet, Beratung wird schwieriger erreichbar und Beschäftigte müssen mit noch weniger Ressourcen immer mehr Aufgaben bewältigen.
Das ist keine nachhaltige Hochschulpolitik. Eine Universität kann nicht dauerhaft mehr leisten, während gleichzeitig Personal, Infrastruktur und finanzielle Mittel gekürzt werden.
Universitäten sind keine Kostenstelle
Dabei sind Hochschulen keine Luxusausgabe. Sie bilden jene Menschen aus, die unsere Gesellschaft in Zukunft braucht, schaffen Wissen und Forschung und sind ein wichtiger Bestandteil der gesellschaftlichen Entwicklung.
Allein in Graz machen Studierende einen erheblichen Teil der Bevölkerung aus. Wer bei den Hochschulen spart, spart deshalb nicht einfach an einem beliebigen Budgetposten. Die Folgen reichen weit über die Universitätsgebäude hinaus.
Die Rechnung darf nicht bei den Studierenden landen
Als mögliche zusätzliche Einnahmequelle werden immer wieder Studiengebühren diskutiert. Doch höhere Gebühren verschieben die Finanzierung des Hochschulsystems zunehmend auf jene, die studieren wollen. Bildung darf nicht davon abhängen, ob man es sich leisten kann.
Wer den Zugang zu Hochschulbildung offenhalten will, muss deshalb über die öffentliche Finanzierung sprechen. Die ÖH hat bereits angekündigt im Herbst wenn die Kürzungen stehen zu Protesten zu mobilisieren und sich bereits auf diese vorzubereiten. Bereits im vergangenen Semester kam es bundesweit zu Protesten durch Beschäftigte und Studierende, als Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) ihre Kürzungen ankündigte
Geld ist eine politische Entscheidung
Die entscheidende Frage lautet daher nicht nur: Wo kann die Universität noch sparen?
Sie lautet: Welche Prioritäten setzt unsere Gesellschaft?
Universitäten brauchen eine verlässliche öffentliche Finanzierung statt ständiger Sparpakete und Umstrukturierungen auf dem Rücken von Beschäftigten und Studierenden. Nicht die Studierenden und Beschäftigten müssen sich an immer weniger Geld anpassen. Die Politik muss ihre Prioritäten ändern.
Mehr Geld für Bildung. Mehr Personal an den Hochschulen. Gute Studien- und Arbeitsbedingungen. Und eine klare Absage an die Vorstellung, dass für Aufrüstung immer Geld vorhanden sein muss, während bei Bildung der Rotstift angesetzt wird.
Quelle: ORF






















































































