Eni hat angekündigt in Italien den Preis für Benzin und Diesel zu begrenzen. Was auf den ersten Blick wie eine freundliche Geste zur Entlastung für die Autofahrenden aussieht, wirft eine grundsätzliche Frage auf: Wenn ein Energiekonzern Preise deutlich senken kann, ohne daran zugrunde zu gehen – warum die Arbeiterklasse dann jahrelang hohe Energie- und Spritpreise bezahlen?
Rom. Ab morgen will der italienische Energiekonzern Eni an seinen Tankstellen maximal 1,99 Euro für einen Liter Benzin und 2,19 Euro für einen Liter Diesel verlangen. Der Preisdeckel soll voraussichtlich bis Jahresende gelten. Laut Berechnungen auf Grundlage der jüngsten Halbjahreszahlen könnte Eni durch die Maßnahme rund 100 Millionen Euro weniger Umsatz im Monat machen.
100 Millionen Euro sind viel Geld. Doch für einen Konzern wie Eni muss man diese Zahl ins Verhältnis setzen.
Eni erzielte 2025 einen Umsatz von 82,2 Milliarden Euro und einen bereinigten Nettogewinn von knapp 5 Milliarden Euro. Für das zweite Quartal 2026 meldete der Konzern einen bereinigten Nettogewinn von rund 2,3 Milliarden Euro – mehr als doppelt so viel wie im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig spricht Eni selbst von „excellent results“ kündigte eine Erhöhung seiner Ausschüttungspolitik an und plant für 2026 Aktienrückkäufe im Umfang von 3,4 Milliarden Euro. Läuft also bei Eni und die paar Millionen wenigeer sind gut verkraftbar.
Plötzlich geht es doch billiger
Genau darin liegt die politische Brisanz der Maßnahme. Über Jahre wird den Menschen erklärt, hohe Energiepreise seien im Wesentlichen eine Folge internationaler Märkte, von Rohstoffpreisen und globalen Entwicklungen. Nun zeigt sich wieder einmal: Ein großer Energiekonzern verfügt über Spielraum, Preise zu begrenzen.
Das bedeutet nicht, dass Eni den gesamten Kraftstoffpreis beliebig bestimmen kann. Ölpreise, Raffineriekosten, Steuern und andere Faktoren spielen eine Rolle. Aber der angekündigte Preisdeckel zeigt, dass die Preisgestaltung keineswegs ausschließlich eine Frage „des Marktes“ ist, der vermeintlich alles regelt.
Preise sind auch eine Frage von Marktmacht. Diese Marktmacht ist bei Eni erheblich. Der Konzern verfügt in Italien über Tausende Tankstellen und gehört zu den zentralen Akteuren des italienischen Energiemarktes. Genau deshalb sorgt die Maßnahme bei kleineren Tankstellenbetreibern für heftige Kritik. Der Branchenverband Assopetroli-Assoenergia argumentiert, kleinere Anbieter könnten bei diesen Preisen nicht mithalten und selbst bei einem vollständigen Verzicht auf ihre Margen nicht auf dasselbe Niveau kommen.
Wenn die Konkurrenz nicht mithalten kann
Das ist der entscheidende Punkt: Ein Preis, den ein kleiner Anbieter angeblich nicht darstellen kann, kann von einem großen Energiekonzern angeboten werden. So können auch mit Preisdeckel durch Eni Profite gesichert werden und die Marktmacht potenziell weiter ausgebaut werden, indem man den kleineren Anbietern die nicht über eine solche Monopolstellung verfügen das Geschäft entzieht.
Aus Sicht der Beschäftigten stellt sich die Frage anders als aus Sicht der Unternehmen. Für viele Beschäftigte ist das Auto keine Luxusanschaffung. Wer zur Arbeit pendeln muss, Schicht arbeitet oder außerhalb größerer Städte lebt, kann nicht einfach entscheiden, auf das Auto zu verzichten.
Der Staat hat den Tankrabatt zuletzt reduziert: Der Zuschuss zum Dieselpreis wurde von 12,2 auf 6,1 Cent pro Liter halbiert. Bei einer 50-Liter-Tankfüllung bedeutet das laut italienischem Verbraucherschutzverband Codacons rund 3,05 Euro Mehrkosten. So fällt die Entscheidung wo es möglich ist gegen Auto und tanken. Zu hohe Margen können so also auch die Profite gefährden, wenn der Konsum massiv einbricht. Ein Preisdeckel sichert also auch Profite durch die Möglichkeit weiter zu konsumieren und auch die weitere Monopolisierung des Martes.






















































































