Paris. Während sich in Österreich die Schülerinnen und Schüler auf den Schulstreik am 09.10. gegen das rassistische Kopftuchverbot und Missstände an unseren Schulen vorbereiten, wird auch international Missmut mit den dortigen, unter der Krisenpolitik des Kapitals leidenden Bildungseinrichtungen deutlich. So auch in Frankreich, wo Montag, dem 28.09., ein nationaler Streiktag im öffentlichen Dienst stattfand, vor allem an den Schulen. Die Staatsgewalt ließ dabei natürlich nicht lange auf sich warten. Das Resultat: 164 Festnahmen, dutzende Verletzte Schülerinnen, Schüler, und Lehrkräfte.
Die Proteste, die teilweise sogar schon letzten Freitag begannen, fanden zu großen Teilen in Paris’ Schulbezirken Creteil und Versailles statt, doch auch landesweit in anderen Großstädten wie Grenoble, Lille, Lyon, und Nizza, so der französische Innenminister Laurent Nunez. Dabei kam es zu Blockaden an Schulen – 27 erfolgreichen und 50 verhinderten Versuchen. Die Union Syndicale Lycéenne, die Gewerkschaft französischer Schülerinnen und Schüler, unterstützte diese Versuche der Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte, Druck auf die Behörden und Politik auszuüben. Dabei kam es zu mindestens 8 verletzten Lehrkräften – drei davon Schulleitungen und mehreren dutzend verletzten Schülerinnen und Schüler, sowie mehr als 150 Verhaftungen. Intern soll dem Verdacht von Gewalt vonseiten der Beamten nachgegangen werden, doch wenn die Vergangenheit eine Lehre sein kann, wird es im Großen und Ganzen nur bei einem Schlag auf die Finger bleiben. Die französische Polizei ist bekannt für ihren exzessiven Einsatz von Gewalt insbesondere bei Streiks und politischen Protesten. Leider hat auch die Jugend Frankreichs das selbst schon oft genug zu spüren bekommen.
Während der Innenminister die Ausschreitungen zwischen Demonstrantrierenden und Polizei bzw. Sicherheitskräften als „Gewalt in Reinform“ ohne erkennbare Forderungen diffamierte, sind die Forderungen der Schülerinnen und Schüler, sowie der Lehrkräfte klar: sie demonstrieren gegen fehlende finanzielle Mittel und Lehrkräfte, gegen überfüllte Klassenzimmer und überfüllte Stundenpläne. Missstände, die auch an österreichischen Schulen immer mehr zum Problem werden, wie schnell deutlich wird, wenn man sich mit Lehrkräften oder Schülerinnen und Schülern unterhält. Für Krieg und Konzerne gibt es Geld im Überfluss, während die Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte einen der wahrscheinlich wichtigsten gesellschaftlichen Aufträge – den der Bildung zukünftiger Generationen – unter immer schwerer werdenden Bedingungen alleine bewältigen müssen. Oftmals mit Schäden am eigenen Geist und Körper, wie leider noch diesen Sommer während der Hitzewelle zu beobachten war.
Wer an einer Verbesserung der Leben unserer zukünftigen Generationen, und damit auch der Verbesserung unserer eigener Leben, interessiert ist, sollte die Proteste in Frankreich ganz genau beobachten und Schlüsse aus diesen ziehen: Der Staat, der das Interesse des Kapitals vertritt, wird nicht von alleine eine Verbesserung für die Arbeiterklasse hervorbringen. Dafür ist Widerstand auf Seiten der Arbeiterklasse und der Jugend, deren Zukunft verspielt wird, von Nöten. Sobald dieser Widerstand eine ansatzweise ernstzunehmende Gefahr für das Kapital darstellt (anders als das endlose Kompromiss-Suchen österreichischer Gewerkschaften), wird die Staatsgewalt nicht davor zurückschrecken, den Knüppel sogar gegen Kinder zu erheben. Auch wenn dies zunächst erschreckend klingen mag, heißt das nicht, dass wir aus Angst einfach tatenlos zusehen müssen. Es bedeutet lediglich, dass für diese Proteste ein organisationaler Rahmen existieren muss, mit dem sich die DemonstrantInnen Seite an Seite gegen die Staatsgewalt schützen kann.
Quelle: ORF/lemonade.fr





















































































