Hitzewellen legen wieder einmal Versäumnisse im Bildungswesen offen
Wien. Die aktuelle Hitzewelle macht nicht nur das Arbeiten auf Baustellen, in Fabriken oder Büros zur Belastung. Auch an Österreichs Schulen werden die Zustände immer unerträglicher. Aus mehreren Bundesländern werden Temperaturen von bis zu 39 Grad in Klassenräumen gemeldet. Lehrkräfte berichten, dass konzentrierter Unterricht unter diesen Bedingungen kaum noch möglich sei. Schülerinnen und Schüler leiden unter Konzentrationsschwierigkeiten, Müdigkeit, Erschöpfung und Kopfschmerzen. Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen, dass hohe Temperaturen die Lernfähigkeit massiv beeinträchtigen.
Erhitzung bereits am Vormittag
Das Problem kommt keineswegs überraschend. Seit Jahren wird darauf hingewiesen, dass viele Schulgebäude für die zunehmenden Hitzewellen nicht gerüstet sind. Fehlende Außenbeschattung, mangelnde Begrünung, schlechte Isolierung und unzureichende Lüftungssysteme führen dazu, dass sich viele Klassenräume bereits am Vormittag auf Temperaturen erhitzen, die eher an ein Gewächshaus oder ein Backrohr erinnern als an einen Ort des Lernens.
Die Reaktion des Bildungsministeriums fällt entsprechend dürftig aus. Unterricht im Schatten, ausreichend trinken, zusätzliche Pausen oder die Verlegung von Stunden ins Freie – das sind die Vorschläge, die den Schulen präsentiert werden. Gleichzeitig wird betont, dass ein generelles „Hitzefrei“ nicht vorgesehen sei und die Verantwortung weitgehend bei den einzelnen Schulleitungen liege. Man prüfe Maßnahmen für die Zukunft, heißt es. Einige Schulen könnten Ventilatoren anschaffen, andere kleinere Investitionen tätigen.
Diese Vorschläge sind keine Lösung des Problems sondern nur Ausdruck der Perspektivlosigkeit. Wer bei Temperaturen von fast 40 Grad in Klassenräumen ernsthaft empfiehlt, mehr Wasser zu trinken oder den Unterricht in den Schulhof zu verlegen, zeigt vor allem eines: den mangelnden Willen, sich mit den tatsächlichen Ursachen auseinanderzusetzen.
Bankenrettung und Aufrüstung statt Investitionen in Schulen
Notwendig wären groß angelegte Investitionen in die Bildungsinfrastruktur: moderne Beschattungssysteme, umfassende Sanierungen, Lüftungsanlagen, Kühlkonzepte, Begrünung von Schularealen und langfristige Anpassungen an die klimatischen Veränderungen der kommenden Jahrzehnte. Stattdessen werden die Schulen seit Jahren kaputtgespart. Für Prestigeprojekte, Bankenrettungen und Aufrüstung stehen Milliarden bereit, für die Verbesserung der Lern- und Arbeitsbedingungen von Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften hingegen angeblich nicht. Es muss ja fleißig gespart werden, und die Jugend soll auch ihren Teil mittragen. Dabei lastet bereits so viel auf den jungen Menschen. Die Folgen zeigen sich nun in aller Deutlichkeit.
Dabei geht es nicht nur um das Lernen. Die Zustände in den Schulen vermitteln auch eine gesellschaftliche Botschaft. Kinder und Jugendliche sollen offenbar früh lernen, dass man unter schlechten Bedingungen einfach weiterfunktionieren muss. Wenn das Thermometer im Klassenraum Richtung 40 Grad klettert, wird nicht die Infrastruktur verbessert, sondern die Betroffenen sollen sich anpassen. Ein paar zusätzliche Trinkpausen, etwas mehr Lüften und dann weiter wie bisher.
Es geht um mehr als Ventilatoren und gute Ratschläge
Diese Haltung setzt sich später im Berufsleben fort. Wer schon in der Schule lernt, bei unerträglicher Hitze stillzusitzen und Leistung zu erbringen, soll sich später auch auf der Baustelle, im Lager, in der Werkhalle oder im Büro nicht beschweren. Die Botschaft lautet: Solange der Betrieb irgendwie läuft, solange die Arbeit erledigt wird und die Kosten gering bleiben, sind Gesundheit und Wohlbefinden zweitrangig.
Die Hitzewellen der Gegenwart sind deshalb nicht nur eine Herausforderung für die Schulpolitik. Sie machen sichtbar, welche Prioritäten in dieser Gesellschaft gelten. Während die Klimakrise die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Millionen Menschen verschlechtert, wird an den notwendigen Investitionen gespart. Die Leidtragenden sind jene, die ohnehin wenig Einfluss auf politische Entscheidungen haben: Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und die arbeitende Bevölkerung.
Wer ernsthaft über Bildungsgerechtigkeit, Gesundheitsschutz und die Zukunft der kommenden Generationen sprechen will, muss daher mehr fordern als ein paar Ventilatoren und gute Ratschläge. Es muss die Frage gestellt werden, warum in einem reichen Land angeblich kein Geld für menschenwürdige Lern- und Arbeitsbedingungen vorhanden ist – und wessen Interessen diese Politik tatsächlich dient.




















































































