Am 27. Juni organisiert die Partei der Arbeit Österreichs eine Parteikonferenz über die Arbeit und Organisierung der Kommunistinnen und Kommunisten am Arbeitsplatz, im Betrieb und der Gewerkschaft. Im Vorfeld wird in den Grundorganisationen und in der Zeitung der Arbeit über Ansätze, Methoden und Erfahrungen diskutiert.
Der allgemeine Ansatz der TKP zur Organisation am Arbeitsplatz
Für die Kommunistische Partei der Türkei (TKP) bleibt der Arbeitsplatz der zentrale Ort der Ausbeutung und damit das vorrangige Terrain des Klassenkampfs und der Organisation. Obwohl die Arbeiterschaft durch flexible Beschäftigungsverhältnisse, informelle Arbeit, Subunternehmertum und hohe Arbeitslosigkeit zunehmend fragmentiert ist, mindern diese Entwicklungen nicht die strategische Bedeutung der Organisation am Arbeitsplatz. Im Gegenteil, sie machen die Aufgabe, eine auf den Arbeitsplatz ausgerichtete Organisation wiederaufzubauen, umso dringlicher.
Der Ausgangspunkt ist nicht die Abkehr vom Arbeitsplatz, sondern dessen Stärkung als Kern der politischen Organisation unter den heutigen Bedingungen. Die Schwächung der Solidarität am Arbeitsplatz, die oft durch Unsicherheit und Angst vor Arbeitslosigkeit bedingt ist, schafft erhebliche Hürden für die kollektive Organisation. Diese Umstände erfordern neue Formen des Handelns statt eines Rückzugs aus der betrieblichen Arbeit.
In der Türkei wird diese Aufgabe durch gezielte politische Maßnahmen erschwert. In den letzten zwei Jahrzehnten hat das herrschende politische System die Rechte der Gewerkschaften systematisch eingeschränkt, Tarifverhandlungen untergraben und das Streikrecht geschwächt. Diese Angriffe waren kein Zufall; sie sind strukturelle Bestandteile einer umfassenderen Strategie, die darauf abzielt, die Arbeiterschaft zu spalten und kollektiven Widerstand zu verhindern.
Als Antwort darauf setzt die TKP einen starken Fokus auf den Wiederaufbau einer betriebsorientierten Organisation in Formen, die an die aktuellen Bedingungen angepasst sind. Während sich TKP-Mitglieder in den Gewerkschaften organisieren und in einigen von ihnen wichtige Positionen bekleiden, setzt die TKP ihren Fokus auf die Betriebe fort und konzentriert sich dabei insbesondere auch auf andere Mittel, wie z. B. Betriebsgruppen.
Eine zentrale Aufgabe ist es, die Fragmentierung der Erfahrungen der Arbeiterklasse zu überwinden. Der Kampf im Betrieb darf nicht auf isolierte Konflikte reduziert werden. Ohne Koordination, Solidarität und politische Führung läuft selbst starker Widerstand Gefahr, zeitlich begrenzt und lokal begrenzt zu bleiben.
Der Rat der Arbeitervertreter ist in dieser Hinsicht ein wichtiges Instrument. Indem er Gewerkschaftsvertreter, widerständige Arbeiterinnen und Arbeiter, Berufsverbände, Strukturen am Arbeitsplatz und Organisationseinheiten der TKP zusammenbringt, verbindet er vereinzelte Kämpfe, stärkt die Koordination und trägt zur Bildung einer gemeinsamen politischen Ausrichtung bei.
DasNetzwerk „Breath Down the Bosses’ Necks“ [„Den Bossen im Nacken sitzen“ ist ein von der Kommunistischen Partei der Türkei (TKP) initiierte Solidaritäts- und Unterstützungsstruktur für Beschäftigte; Anm. Redaktion] spielt eine ergänzende Rolle, indem Konflikte am Arbeitsplatz miteinander verknüpft werden können, Raum für den Austausch von Erfahrungen des Widerstands schafft und Arbeiterinnen und Arbeiter unterstützt, die ähnlichen Formen der Ausbeutung ausgesetzt sind. Diese Initiativen ersetzen die Gewerkschaften nicht, sondern reagieren auf die Grenzen traditioneller Gewerkschaftsorganisationen unter den gegenwärtigen Bedingungen und ergänzen diese, wo immer möglich.
Gleichzeitig setzt der Kapitalismus der Betriebsorganisation klare Grenzen. Die Schwächung stabiler Arbeitsplätze, die Ausbreitung informeller Arbeit und die zunehmende Mobilität von Arbeitskräften machen es schwierig, die Kontinuität allein durch betriebsbezogene Strukturen aufrechtzuerhalten.
Aus diesem Grund erstreckt sich die organisatorische Tätigkeit auch auf die sozialen Räume, in denen die Arbeitskräfte ihr tägliches Leben gestalten. Stadtviertel werden nicht als Alternative zu Arbeitsstätten betrachtet, sondern als ergänzender Organisationsraum. Eine Organisation am Arbeitsplatz ohne soziale Verankerung läuft Gefahr, isoliert und wirkungslos zu bleiben, während eine Organisation im Stadtviertel ohne Verankerung am Arbeitsplatz Gefahr läuft, verwässert zu bleiben.
Stadtteilzentren und ähnliche Initiativen tragen dazu bei, Solidarität zu stärken, Kontinuität über den Arbeitsplatz hinaus zu gewährleisten und Kämpfe am Arbeitsplatz mit umfassenderen Formen des kollektiven Lebens zu verbinden. Auf diese Weise tragen sie dazu bei, die vom Kapitalismus auferlegte Zersplitterung zu überwinden.
Für die TKP bleibt der Arbeitsplatz der zentrale Ort der Ausbeutung und des Widerstands. Der Aufbau einer dauerhaften Arbeiterbewegung erfordert jedoch die Integration von arbeitsplatzbasierter Koordination mit einer Organisation, die im sozialen Alltag der Arbeitenden verankert ist. Nur durch diese ergänzende Beziehung zwischen Arbeitsplatz und Nachbarschaft kann der kollektive Kampf Kontinuität und Stärke gewinnen.
Die Organisation der Partei im Betrieb
Heute sind Betriebe weitgehend Hochburgen der Kapitalisten. Wenn die kommunistische Bewegung auf die Desorganisation der Arbeiterklasse reagieren will, muss sie die Betriebe von kapitalistisch dominierten Räumen in organisierte Orte der Präsenz der Arbeiterklasse verwandeln. Eine kommunistische Partei muss in Banken, Werften, Fabriken, Büros, öffentlichen Einrichtungen – kurz gesagt, an allen Arbeitsstätten – organisiert sein. Eine Partei, die nach der Macht strebt und versteht, dass diese nur in einer revolutionären Situation erreicht werden kann, muss sich genau dorthin begeben, wo die kapitalistischen Strukturen wirken.
Obwohl diese Aufgabe schwierig ist, sind Behauptungen wie „das geht an meinem Arbeitsplatz nicht“ falsch. Politische Arbeit und Organisation sind in jedem Umfeld möglich.
Ist politische Arbeit am Arbeitsplatz schwieriger?
Eine eindeutige bejahende Antwort wäre zu normativ. Zwar werden Betriebe von Unternehmern kontrolliert, doch schafft der Produktionsprozess selbst eine strukturelle Grundlage für kollektive Interaktion unter den arbeitenden Menschen. Große Gruppen, die zusammenarbeiten, schaffen Kommunikationskanäle und potenzielle Organisationsformen. Die entscheidende Frage ist, wie effektiv diese Kanäle identifiziert und genutzt werden.
Eine am Arbeitsplatz angesiedelte Parteiorganisation muss sich mit arbeitsplatzspezifischen Themen auseinandersetzen und diese nutzen, um die kollektive Handlungsfähigkeit der Arbeitskräfte zu stärken. Gleichzeitig muss sie sich über ihren grundlegenden Zweck im Klaren bleiben: den Aufbau und die Festigung der Parteiorganisation am Arbeitsplatz. Politische Aktivität muss daher einen direkten, strukturierten und kontinuierlichen Kontakt zu den Arbeitskräften aufrechterhalten.
Politische Diskussionen finden am Arbeitsplatz bereits statt. Die Beschäftigten diskutieren häufig informell über soziale und politische Themen. Die Rolle der kommunistischen Organisation besteht darin, sich an diesen Diskussionen zu beteiligen und sie, wo möglich, durch Parteipublikationen und ‑materialien zu beeinflussen.
Zeitpunkt, Diskretion und Bedingungen
Die Bedingungen am Arbeitsplatz variieren erheblich. In manchen Bereichen kann politische Aktivität Risiken mit sich bringen; in anderen kann sie mit relativer Legitimität stattfinden. Daher muss die Organisationsarbeit an die spezifischen Bedingungen angepasst werden.
Auch die Präsenz politischer Materialien sollte entsprechend gestaltet werden. Wo eine offene Verteilung riskant ist, sollte die Verbreitung auf diskretem, zielgerichtetem Vorgehen beruhen. Gleichzeitig birgt jeder Arbeitsplatz potenzielle Ansatzpunkte für politische Aktivitäten, und das strategische Ziel ist die schrittweise Durchsetzung der Legitimität der Parteipräsenz.
Bildung und Entwicklung von Betriebsgruppen
Die Bildung einer Betriebsgruppe ist in der Regel das zentrale Ziel an jedem Arbeitsplatz. Solche Gruppen können in Industriebetrieben, im Einzelhandel, in Büros, öffentlichen Einrichtungen und auf Baustellen gegründet werden. Einmal gegründet, ist eine Gruppe nicht das Ende, sondern vielmehr der Beginn der organisatorischen Entwicklung.
Betriebsgruppen müssen sich durch kontinuierliches Engagement im Arbeitsalltag stärken. Dazu gehören die Aufrechterhaltung der Präsenz, der Aufbau eines nachhaltigen politischen Einflusses und die Abstimmung der Aktivitäten auf die Dynamik am Arbeitsplatz.
Sie müssen sowohl horizontal als auch vertikal expandieren: die Reichweite unter den Beschäftigten vergrößern, Netzwerke durch Publikationen und Instrumente stärken und den Einfluss auf verschiedene Bereiche des Betriebs ausweiten.
Die Organisationsentwicklung erfordert kontinuierliche Anpassung der Ziele und Methoden. Ohne dies können Gewohnheit und Routine zu Stillstand führen. Daher sind regelmäßige Neubewertungen und die Schaffung neuer Instrumente notwendig.
Zu diesen Instrumenten können Betriebszeitschriften, gemeinsame soziale Aktivitäten außerhalb der Arbeit, Initiativen unter Einbeziehung der Familien der Beschäftigten, die Zusammenarbeit mit nachbarschaftlichen Strukturen sowie die Bildung von Betriebsausschüssen oder ‑räten gehören. Die Zusammenarbeit mit benachbarten Betrieben kann die organisatorischen Kapazitäten weiter ausbauen.
Organisatorische Stärke und Informationsarbeit
Ein wichtiger Indikator für die organisatorische Entwicklung ist die Fähigkeit, effektiv auf die Dynamik am Arbeitsplatz zu reagieren: aufkommende Probleme zu erkennen, Entwicklungen zu antizipieren und bei Bedarf einzugreifen. In manchen Fällen kann dies bis hin zur Beeinflussung kritischer Momente am Arbeitsplatz reichen.
Die Dokumentation und Weiterverbreitung von Informationen über die Arbeitsbedingungen ist ebenfalls ein wichtiges organisatorisches Instrument. Solche Informationen sind oft von öffentlichem Interesse und können zu einem breiteren Bewusstsein und zum Wachstum der Organisation beitragen.
Anfängliche Arbeit an unorganisierten Arbeitsplätzen
Wo keine Parteigruppe existiert, erfolgt die Organisationsarbeit entweder über bestehende Kontakte oder ohne direkte interne Verbindung.
In beiden Fällen besteht der erste Schritt darin, grundlegende Informationen zu sammeln: Produktionsstruktur, Personalbestand, Eigentumsverhältnisse, Subunternehmersysteme und Arbeitsbedingungen. Diese Informationen unterstützen sowohl die Organisationsplanung als auch die politische Analyse.
Wo kein direkter Kontakt besteht, können indirekte Beobachtung, externe Informationsbeschaffung und ein begrenztes anfängliches Engagement genutzt werden. Selbst kurze Interaktionen können aussagekräftige Erkenntnisse liefern.
Bedingungen wie Löhne, Arbeitszeiten, Überstunden, Urlaubsregelungen und die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften sollten systematisch bewertet werden, da sie oft die Ursache für Unzufriedenheit unter den Arbeitskräften und potenzielle Mobilisierung sind.
Wo möglich, stärkt die Anwesenheit von Parteimitgliedern am Arbeitsplatz die organisatorischen Strukturen erheblich. Eine vorübergehende Entsendung kann ebenfalls als Teil einer langfristigen Strategie in Betracht gezogen werden.
Aktivitäten am Arbeitsplatz und externe Kontaktpunkte
Sofern es die Umstände zulassen, können regelmäßige Aktivitäten an den Ein- und Ausgängen des Arbeitsplatzes organisiert werden. Die Verteilung von Publikationen und Informationsmaterial trägt dazu bei, eine beständige Präsenz aufzubauen. Vorhersehbarkeit und Kontinuität sind für Anerkennung und Vertrauen unerlässlich.
Auf der Grundlage der zusammengetragenen Informationen können arbeitsplatzspezifische Materialien erstellt werden. Diese sind wirksamer, wenn sie auf konkreten Erfahrungen der Arbeitnehmer beruhen.
Die Wohngebiete der Beschäftigten dienen ebenfalls als ergänzende Kontaktpunkte, insbesondere in Vierteln, in denen Arbeiterinnen und Arbeiter gesammelt leben, was die arbeitsplatzbasierte Organisation stärkt.
Nachhaltigkeit der Organisationsarbeit
Ein wiederkehrendes Problem bei der Organisation am Arbeitsplatz ist die Stagnation durch Routinisierung. Um dem entgegenzuwirken, sind regelmäßige Bewertungen und Anpassungen der Ziele notwendig. Kontinuität muss durch Anpassung statt durch Wiederholung gewährleistet werden.
Selbst wenn keine Mitgliedergewinnung oder formelle Organisation erreicht wird, bleibt die Aufrechterhaltung stabiler Kontakte am Arbeitsplatz wichtig, da dies eine fortwährende Präsenz signalisiert.
Soziale Beziehungen am Arbeitsplatz
Eine effektive Organisation hängt vom Verständnis der sozialen Beziehungen unter den Beschäftigten ab, einschließlich informeller Gruppierungen, politischer Orientierungen, Hierarchien und Vertrauensnetzwerken. Der Umgang mit diesen Beziehungen ist für die organisatorische Wirksamkeit von entscheidender Bedeutung.
Gewerkschaften und Strategie
Gewerkschaften spielen eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit Kämpfen am Arbeitsplatz, und aus der Perspektive einer revolutionäreren Kampflinie stellen sie für Kommunistinnen und Kommunisten auch ein erweitertes Feld des Hegemoniekampfs dar. Ihre Rolle kann jedoch je nach den spezifischen Bedingungen am Arbeitsplatz variieren. In manchen Fällen können Gewerkschaften einen positiven Beitrag zur Organisation am Arbeitsplatz leisten; in anderen Fällen können sie unabhängige organisatorische Aktivitäten einschränken oder behindern. Dementsprechend wird kein einheitliches Vorgehen angenommen. Die strategische Wirkung von Gewerkschaften sollte im Hinblick auf konkrete Bedingungen bewertet werden, einschließlich ihres Potenzials, die Organisation am Arbeitsplatz entweder zu erleichtern oder einzuschränken.
In bestimmten Kontexten kann die Stärkung der gewerkschaftlichen Präsenz die organisatorische Entwicklung unterstützen, während in anderen Fällen unabhängige Organisationsstrukturen an Bedeutung gewinnen können. Der entscheidende Faktor ist die spezifische Konfiguration der Klassenverhältnisse am jeweiligen Arbeitsplatz.















































































