Kaum ein Unternehmen der Nahrungsergänzungsbranche ist in den vergangenen Jahren so rasant gewachsen wie More Nutrition. Millionen Menschen folgen den Werbekampagnen auf Instagram, wo Gründer Christian Wolf und zahlreiche Influencer Proteinpulver, Süßungsmittel und Nahrungsergänzungsmittel als Teil eines gesunden Lebensstils vermarkten. Die Marke erzielt enorme Reichweiten – gleichzeitig steht sie seit Längerem in der Kritik.
2024 reichte die Verbraucherorganisation foodwatch Klage gegen More Nutrition beim Landgericht Itzehoe ein. Nach Auffassung von foodwatch verstieß das Unternehmen mit Werbeaussagen auf Instagram gegen die europäische Health-Claims-Verordnung. Konkret ging es um Beiträge, in denen Produkte unter anderem mit Gewichtsabnahme oder einer Unterstützung des weiblichen Zyklus und einer Schwangerschaft in Verbindung gebracht wurden. More Nutrition wies die Vorwürfe zurück und wollte die beanstandeten Inhalte nicht freiwillig entfernen. Bereits zuvor hatte das Landgericht Hamburg entschieden, dass More Nutrition eine Protein-Brownie-Backmischung nicht mit Aussagen wie „95 Prozent weniger Zucker“ und „70 Prozent weniger Fett“ bewerben darf, weil die Vergleichsgrundlage nicht ausreichend erkennbar gewesen sei.
Während das Unternehmen öffentlich mit Gesundheit, Fitness und Selbstoptimierung wirbt, spielte sich hinter den Kulissen ein ganz anderer Konflikt ab: Im Nutracorp Produktionsbetrieb in Elmshorn – wo auch Produkte von More Nutrition und ESN hergestellt werden – kämpften Beschäftigte über Jahre hinweg darum, einen Betriebsrat zu gründen. Fünf Gerichtsverfahren, drei Jahre Auseinandersetzung und schließlich ein Erfolg für die Beschäftigten. Im Werk Elmshorn des Nahrungsergänzungsherstellers Nutracorp ist erstmals ein Betriebsrat gewählt worden. Für die Belegschaft und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) ist das ein wichtiger Erfolg für die betriebliche Mitbestimmung – und ein Signal an eine Branche, in der Betriebsräte bislang eher die Ausnahme sind.
Der Weg zur Wahl war ungewöhnlich lang und von juristischen Auseinandersetzungen geprägt. Bereits im Sommer 2023 setzte das Arbeitsgericht Elmshorn einen Wahlvorstand ein. Das Unternehmen ging jedoch gegen die Entscheidungen vor und ließ mehrere Verfahren bis hin zum Bundesarbeitsgericht führen. Noch kurz vor der Betriebsratswahl Ende Juni wurden weitere Anträge eingebracht, die den Wahltermin verhindern sollten. Die Gerichte wiesen diese zurück. Die Wahl konnte wie geplant stattfinden.
Mitbestimmung gegen Widerstände
Die NGG, die den Aufbau des Betriebsrats begleitete, spricht von einem außergewöhnlichen Widerstand des Unternehmens gegen die Mitbestimmung. Dass Unternehmen juristische Mittel ausschöpfen, um Betriebsratsgründungen zu verzögern, ist kein neues Phänomen. Gewerkschaften kritisieren seit Jahren, dass sogenannte Behinderungen von Betriebsratsarbeit zwar strafbar sind, in der Praxis aber nur selten Konsequenzen nach sich ziehen.
Arbeitsschutz und Arbeitszeit im Fokus
Im Werk Elmshorn produzieren rund 500 Beschäftigte Nahrungsergänzungsmittel für die bekannten Marken die zur Unternehmensgruppe The Quality Group gehören. Nach Angaben der Initiator des Betriebsrats sollen insbesondere Fragen des Arbeitsschutzes, der Arbeitszeitgestaltung und der Arbeitsorganisation zu den ersten Themen des neu gewählten Gremiums gehören.
Nach Abschluss der Wahl erklärte eine Sprecherin der The Quality Group, das Unternehmen erkenne das gesetzlich verankerte Recht auf Mitbestimmung ausdrücklich an und wolle künftig konstruktiv mit dem Betriebsrat zusammenarbeiten. Die vorausgegangenen Gerichtsverfahren hätten der Klärung rechtlicher Fragen gedient wird behauptet. Es zeigt sich wie sich auch in einem Land wie der BRD die Widersprüche weiter zuspitzen und Union Busting und der Angriff auf die Rechte der arbeitenden Menschen weiter zunehmen.
Signalwirkung über Elmshorn hinaus
Der erfolgreiche Abschluss der Betriebsratswahl hat Bedeutung über den Standort Elmshorn hinaus. Die boomende Nahrungsergänzungsbranche präsentiert sich nach außen mit den Themen Gesundheit, Fitness und Leistungsfähigkeit. Gleichzeitig zeigt der Fall Nutracorp was hinter den Kulissen der Selbstoptimierung stattfindet. Auch wenn Christian Wolf selbst seit dem Jahr 2023 nicht mehr operativ im Unternehmen tätig, steht er für die Marke in der Öffentlichkeit und wird mit ihr identifiziert. Nicht nur der Konzern, sondern auch ihr bekanntester Influencer geraten immer wieder in Kritik und so ist das Union Busting und das I‑Tüpfelchen.
Quelle: NDR/Investment Week/foodwatch

















































































