Der Jugendmonitor 2026 legt erneut dar, wie finanzielle Ressourcen sich auf jeden Lebensbereich auswirken. Während wohlhabende junge Personen durch die Teuerung weniger stark betroffen sind, müssen die Ärmeren jeden Cent zweimal umdrehen. Das schlägt auch auf die Lebenszufriedenheit und den Blick in die Zukunft. Die Jugend hat erkannt, nur wenn sie sich zusammentun, können sie ihre Zukunft positiv gestalten.
Wien. Vor einigen Tagen, veröffentlichte die Arbeiterkammer Wien den zweiten Jugendmonitor, in welchem die Lebenslagen junger Menschen im Alter von 16–29 Jahren in Österreich untersucht wurden. Die Schwerpunkte lagen dabei auf der anhaltenden Teuerung und der Zukunftsgestaltung. Insgesamt wurden 1.506 Personen im Zeitraum Februar bis März 2026 befragt. In der Studie wurden die Befragten anhand ihres Einkommens in drei Gruppen eingeteilt: die obersten 30 Prozent; die Mitte, mit 40 Prozent und die untersten 30 Prozent.
Es zeigt sich, dass die hohen Lebensunterhaltskosten weiterhin viele junge Menschen stark belasten. 58 Prozent berichten dabei, dass von den Lebensmittelkosten eine starke oder ziemlich starke Belastung ausgeht. Rund die Hälfte nennt Energie- und Wohnkosten als große Belastung und vier von zehn die Kosten für Freizeitaktivitäten. Ein Viertel fühlt sich weiters durch Aus- und Weiterbildungskosten unter Druck gesetzt.
Die Belastung jener fünf Teilbereiche (Lebensmittel‑, Energie‑, Wohn‑, Freizeit- und Aus- und Weiterbildungskosten) ist jedoch nach Einkommen unterschiedlich verteilt. Bei den untersten 30 Prozent, den Ärmsten, geben 70 Prozent an, sie wären starken Belastungen in mindestens drei der Bereiche ausgesetzt. Der Anteil der mittleren Einkommenstriade, welche unter starken Belastungen in mindestens drei dieser Bereiche leiden, liegt bei 46 Prozent, bei finanziell besser situierten liegt er bei 27 Prozent. Sie haben im Vergleich zum Jahr 2024 jeweils einen Rückgang von ‑5 bis ‑6 Prozentpunkte, die Situation der einkommensschwachen Jungen blieb unverändert hoch. Die Datenlage zeit auch, dass 44 Prozent der oberen 30 Prozent keine Belastung verspüren, im Jahr 2024 waren es dagegen nur 35 Prozent; für die anderen zwei Gruppen ist dieser Rückgang nicht zu erkennen, so waren es bei den mittleren 40 Prozent im Jahr 2026 18 Prozent (2024: 17 Prozent) und nur acht Prozent der untersten 30 Prozent gaben in beiden Jahren an, sie wären keiner Belastung ausgesetzt. Hier kann erkannt werden, dass Anpassungen an äußere Rahmenbedingungen stark durch finanzielle Ressourcen gelingen können – finanzielle Ressourcen, die oft durch die elterliche Hand Entlastung schaffen können.
Selbst bei der Deckung der Grundbedürfnisse (Lebensmittel, Energie und Wohnen) verschärfte sich seit 2024 die Lage. Während das obere Drittel deutliche Entlastungen (-15 Prozentpunkte bei Lebensmittel und ‑20 Prozentpunkte bei Heizung und Strom) in diesen Bereichen erfuhr, blieb die Lage für die anderen zwei Drittel unverändert. Nur die Belastung durch Wohnkosten blieb bei allen gleich hoch (circa ein Viertel der Oberen, circa die Hälfte der Mitte und rund zwei Drittel der unteren 30 Prozent).
Um mit diesen finanziellen Belastungen umzugehen, müssen junge Menschen in vielen Bereichen einsparen. Auch dies ist wenig verwunderlich stark von der finanziellen Lage abhängig. So mussten 78 Prozent der Jungen mit den wenigsten Ressourcen Einsparungen in der Freizeitgestaltung machen, bei weiteren Dreiviertel von ihnen hat sich die finanzielle Situation verschlechtert, also Ersparnisse aufgebraucht, Geld von Familie und/oder Freunde ausgeliehen, Bankkonto überzogen oder einen Kredit aufgenommen. Auch die Wohnsituation betrifft über ein Drittel dieser Gruppe, so konnten sie in den vergangen zwölf Monaten entweder nicht umziehen, obwohl sie es wollten oder sie mussten notgedrungen umziehen, weil sie sich ihre Wohnsituation nicht mehr leisten konnten. Fast die Hälfte (44 Prozent) von ihnen berichtet auch, sie mussten eine Aus- oder Weiterbildung abbrechen oder konnten sie aus finanziellen Gründen erst gar nicht beginnen. Die finanziell besser Gestellten hatten nur zum Bruchteil ähnliche Probleme.
Der Anteil, der mit ihrem Leben insgesamt zufriedenen jungen Menschen liegt in der oberen Gruppe bei 86 Prozent, in der mittleren Gruppe bei 81 Prozent und sinkt in der unteren Gruppe auf lediglich 51 Prozent. Weiters wurde auch nach formalen Bildungsabschluss differenziert. Denn während Schülerinnen und Schüler (80 Prozent), Studierende (79 Prozent) sowie junge Erwerbstätige mit Matura (75 Prozent) oder Hochschulabschluss (83 Prozent) eine vergleichsweise hohe Lebenszufriedenheit angeben, fällt diese bei Lehrlingen (55 Prozent) und jungen Erwerbstätigen ohne Matura (60 Prozent) deutlich niedriger aus. Horizontale Merkmale, wie Geschlecht, Herkunft oder Wohnort ergaben dabei keine signifikanten Unterschiede. Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Lebenszufriedenheit mit zunehmender finanzieller Belastung durch das hohe Preisniveau sinkt. Vor allem, wenn in der Freizeitgestaltung Einsparungen gemacht werden müssen oder durch das Revidieren von Bildungsentscheidungen aufgrund finanzieller Hürden. Auch der Blick in die Zukunft ist nach finanzieller Lage unterschiedlich. So berichten 82 Prozent der oberen 30 Prozent, sie blicken optimistisch in die persönliche Zukunft, bei den Unteren sind es nur 38 Prozent.
SPÖ-Jugendsprecher Paul Stich äußerte sich zu diesen verheerenden Befunden und betont die Wichtigkeit der Politik. Sie müsse dafür sorgen, dass jede junge Person die gleichen Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben haben soll. Weswegen die SPÖ in der Bundesregierung ja auch die Mietpreisbremse geschaffen hat, oder den Strom-Sozialtarif, welcher jedoch an die Befreiung des ORF-Beitrags gebunden ist. Sich vom ORF-Beitrag befreien zu lassen geht jedoch auch nur, wenn man mehr als 300 Euro unter der Armutsgrenze liegt (1‑Personenhaushalt: Armutsgrenze: 1.827 Euro; Befreiungsrichtsatz ORF: 1.465,40 Euro). Die Zuversicht des Jugendsprechers ist lächerlich und geht dort vorbei, wo sie Not wäre. Selbst die jungen Menschen Österreichs erkennen, dass politische Institutionen nicht ihre Zukunft positiv gestalten können. Sie betonen, wie im Jugendmonitor hervorgeht, dass sie, wenn sie sich zusammentun, am ehesten ihre Zukunft positiv gestalten können (die Bundesregierung steht an letzter Stelle).
Quelle: AK/Armutskonferenz/OBS/OTS


















































































