Müssen wir uns im Urlaub am Mittelmeer oder gar auch in Österreich derzeit vor schwerwiegenden Erkrankungen durch Mückenstiche fürchten? Und was steht uns diesbezüglich noch bevor?
Athen. Gerade wurde publiziert, dass in Griechenland die Zahl der West-Nil-Virus-Infektionen, welche durch Stechmücken übertragen werden, über das Jahr bedenklich ansteigt. Von Ende Juli bis jetzt, Mitte August, habe sich die Zahl der nachgewiesenen Infektionen von 42 auf 157 Fälle nahezu vervierfacht. 13 Menschen seien an den Folgen der Infektion gestorben. Die meisten Fälle wurden nach Angaben der griechischen Gesundheitsbehörde im Großraum Athen festgestellt. Müssen wir befürchten, dass ein großes Bedrohungsszenario auf uns zukommt? Was sollten wir über Stechmücken wissen?
Beispiel Asiatische Tigermücke
Die Asiatische Tigermücke ist eine der Arten, die das West-Nil-Virus weitergeben kann, ebenso aber auch die heimische Hausgelse, die derzeit eher rückläufig ist. Auch in gemäßigten Zonen, etwa auch in Österreich und Deutschland, wird seit Jahren vor der stetigen Ausbreitung der Asiatischen Tigermücke gewarnt. Die Tigermücke ist nicht neu bei uns. Immerhin wurden die ersten Nachweise in Österreich bereits vor rund 15 Jahren erbracht, vor allem entlang von Autobahnen. Dieses Verbreitungsmuster hängt eng mit ihrer Biologie zusammen: Während die heimische Hausgelse ihre Eier direkt auf der Wasseroberfläche ablegt, platziert die Tigermücke diese am Rand von Wasseransammlungen. Ursprünglich brütete sie in Baumhöhlen, nutzt heute jedoch auch zahlreiche künstliche Lebensräume wie Autoreifen, Regentonnen oder Friedhofsvasen, so der Parasitologe Hans-Peter Fuehrer. Ihre Eier sind äußerst widerstandsfähig gegenüber Trockenheit und können drei bis vier Jahre überdauern. Zudem werden erwachsene Tigermücken häufig unbemerkt mit Fahrzeugen transportiert und treten daher gerne entlang von Transitrouten auf. In Tirol wurden beispielsweise Funde entlang der Autobahn verzeichnet. Diese kleine Population ist jedoch später wieder zusammengebrochen, was möglicherweise mit dem deutlich reduzierten Verkehrsaufkommen während der Pandemie zusammenhängt. Eine Population gilt erst dann als etabliert, wenn sie drei Jahre in Folge nachgewiesen wird, was in Tirol noch nicht der Fall ist. In Städten wie Wien, Linz und Graz ist die Tigermücke jedoch bereits ein etablierter Mitbewohner.
Virenübertragung durch Stechmücken
Tigermücken können über 20 verschiedene Viren übertragen und damit Tropenkrankheiten wie Dengue, Chikungunya und Gelbfieber verbreiten. Allerdings darf man sich das nicht so vorstellen, dass die Stechmücken mit einem Bauchladen von Krankheiten herumfliegen. Eine Infektion setzt voraus, dass die Mücke zuvor eine infizierte Person oder ein infiziertes Tier gestochen hat. In Österreich wurden bisher keine Fälle dokumentiert, in denen eine Tigermücke Krankheiten übertragen hat; generell geschieht dies in Europa noch recht selten. Wohl aber stehen die heimischen Gelsen stark in Verdacht. In Österreich sind derzeit 52 Mückenarten heimisch. Viele dieser Mückenarten können auch das West-Nil-Virus übertragen. Wobei sich die Situation hier so darstellt, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass Mücken das Virus von Mensch zu Mensch übertragen, denn hauptsächlich wird das Virus zwischen wildlebenden Vögeln übertragen. An Vögeln infizierte Mücken können das Virus aber auch auf Menschen und andere Säugetiere (v.a. Pferde) übertragen. Im Menschen selbst vermehren sich die Viren nicht so stark (niedriggradige Virämie), sodass mit dem infizierten Blut andere Menschen kaum über Mücken angesteckt werden können. Über nicht-virusinaktivierte Blutprodukte – also über Blutspenden – kann das Virus allerdings übertragen werden und zum Teil schwerwiegende Erkrankungen auslösen.
Bedrohungsszenario West-Nil-Virus
Infektionen mit dem West-Nil-Virus sind in Österreich und Deutschland noch selten. Immerhin: Im Jahr 2024 wurden 37 bestätigte Erkrankungsfälle in Österreich registriert – so viele wie noch nie seit dem erstmaligen Auftreten des Virus im Jahr 2009. Davon waren 19 Patientinnen oder Patienten mit schweren neurologischen Verläufen, die im Krankenhaus behandelt wurden. Das klingt viel, jedoch bleiben symptomlose bis leichte Infektionen zumeist unbemerkt. Die meisten Infektionen mit dem West-Nil-Virus verlaufen in der Tat ohne Symptome oder verursachen nur leichte Beschwerden; immerhin sind das 80 Prozent der Infizierten. 20 Prozent der Infizierten entwickeln grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Rückenschmerzen, Abgeschlagenheit oder Übelkeit. Die Symptome können bis zu 6 Tage andauern. Schwere Verläufe (<1 Prozent der Infizierten) betreffen das zentrale Nervensystem und können zu Meningitis, Enzephalitis, Muskelschwäche, Lähmungen, Bewegungsstörungen, epileptischen Anfällen oder Sehstörungen führen. Bei diesen neuroinvasiven Fällen sterben etwa 5–10 Prozent, vor allem ältere Menschen oder Personen mit Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Immunschwäche.
Deshalb empfiehlt es sich für ältere oder stark geschwächte Personen, sich sehr wohl von Mückenstichen zu schützen, auch tagsüber, da etwa Tigermücken während des Tages unterwegs sind. Mückenschutz kann heißen, helle, lange Kleidung zu tragen, Mücken-Repellents aufzutragen oder zuhause Moskitonetze an den Fenstern zu installieren. Auch sollten Wasseransammlungen im Garten oder auf dem Balkon vermieden werden.
20. August ist Weltmückentag
Wie sieht die Zukunft aus? Stechmücken werden unsere Welt auch hinkünftig vor Herausforderungen stellen, so viel ist klar. Der 20. August ist übrigens der „Weltmückentag“, an dem auch der Entdeckung des britischen Arztes Sir Ronald Ross gedacht wird. Er konnte im Jahr 1897 nachweisen, dass weibliche Stechmücken die Überträger von Malaria sind – eine Erkenntnis, die maßgeblich zur Bekämpfung der Krankheit beitrug. Die Situation in Bezug auf die durch Anopheles-Stechmücken übertragene Malaria wird von der Wissenschaft auch in Österreich beobachtet. Hier sprechen wir aber konstant von wenigen Fällen durch Reiseheimkehrende. Durch den Klimawandel könnten in Zukunft jedoch auch bei uns vermehrt autochthone Fälle – das heißt in Österreich erworbene Infektionen – auftreten.
Weltweit gesehen ist die Situation viel ernsthafter: Malaria zählt trotz jahrzehntelanger Bekämpfungsmaßnahmen weiterhin zu den größten globalen Gesundheitsproblemen. Laut dem World Malaria Report 2025 der WHO wurden 2024 weltweit rund 282 Millionen Erkrankungen und etwa 610.000 Todesfälle registriert. Die Fallzahlen sind zuletzt wieder leicht gestiegen, besonders betroffen sind Kinder unter fünf Jahren in Subsahara-Afrika. Zwar konnten in den letzten 25 Jahren Millionen Menschenleben gerettet werden, doch die Fortschritte haben sich verlangsamt. Ursachen sind unter anderem Resistenzen gegen Medikamente und Insektizide, die Folgen des Klimawandels sowie Schwächen in vielen Gesundheitssystemen. Die WHO fordert daher verstärkte internationale Anstrengungen und innovative Maßnahmen, um Malaria nachhaltig einzudämmen.
Erkrankungen und Todesfälle durch von Stechmücken übertragene Krankheiten sind also kein naturgegebenes Schicksal. Sehr wohl hätten wir Möglichkeiten, dieses Leid zu minimieren. Es darf uns nicht gleichgültig lassen, dass in vielen Ländern des globalen Südens auch dieser Aspekt des Elends wieder wächst, zumal es das gleiche Weltklima und die gleiche Weltwirtschaft sind, die unser aller Schicksal aneinanderketten.
Quellen: ORF/ÖAW/RKI/MedUni Wien/Nachrichten Informationsdienst Wissenschaft




















































































