Der Konsum klassischer Zigaretten geht in Österreich seit Jahren zurück. Gleichzeitig greifen immer mehr Menschen zu alternativen Nikotinprodukten wie E‑Zigaretten, Vapes, Shishas oder Nikotinbeuteln. Vorläufige Ergebnisse der sogenannten Lead-Studie des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Lungengesundheit in Wien zeigen damit eine deutliche Verschiebung im Nikotinkonsum – nicht aber ein Ende der gesundheitlichen Risiken.
Während im Jahr 2012 noch mehr als 24 Prozent der Menschen in Österreich klassische Zigaretten rauchten, waren es 2024 nur noch rund 16 Prozent. Im gleichen Zeitraum stieg der Konsum alternativer Nikotinprodukte von praktisch null auf mehr als 17 Prozent. Damit zeigt sich: Der Rückgang des Zigarettenrauchens bedeutet nicht automatisch, dass weniger Nikotin konsumiert wird. Vielmehr verlagert sich der Konsum zunehmend auf neue Produkte.
Einstieg in den Nikotinkonsum beginnt früher
Besonders auffällig ist das sinkende Einstiegsalter. Laut der Studie lag das durchschnittliche Alter beim Beginn des Rauchens bei Personen, die in den 1930er Jahren geboren wurden, noch bei etwa 20 Jahren. Bei Menschen, die in den 2000er Jahren geboren wurden, liegt es nur noch bei rund 15 Jahren.
Diese Entwicklung ist aus gesundheitlicher Sicht problematisch. Je früher Menschen mit Nikotinprodukten beginnen, desto länger kann eine Abhängigkeit bestehen und desto größer ist das Risiko langfristiger gesundheitlicher Folgen. Nach Angaben von Marie-Kathrin Breyer, Leiterin des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Lungengesundheit, rauchen bereits sieben Prozent der unter 15-Jährigen in Österreich.
Vapes sind kein risikofreier Ersatz
Alternative Nikotinprodukte werden häufig anders wahrgenommen als klassische Zigaretten. Vor allem E‑Zigaretten und Vapes erscheinen vielen Jugendlichen offenbar weniger gefährlich oder moderner. Medizinisch ist diese Verharmlosung jedoch nicht gerechtfertigt. Nikotin bleibt unabhängig von der Konsumform ein Suchtmittel.
Breyer betont, dass Nikotinalternativen wie E‑Zigaretten zur gleichen Abhängigkeit führen können wie klassische Zigaretten. Gerade Produkte mit verschiedenen Geschmacksrichtungen könnten Jugendliche besonders ansprechen und den Einstieg in den Nikotinkonsum erleichtern.
Damit verschiebt sich das Problem: Weniger Menschen rauchen klassische Zigaretten, aber neue Produkte schaffen neue Einstiegswege in die Nikotinabhängigkeit. Aus präventiver Sicht müssen daher nicht nur Zigaretten, sondern alle Nikotinprodukte in den Blick genommen werden.
Mädchen und junge Frauen stärker betroffen
Die Studie weist außerdem darauf hin, dass Rauchen bei Frauen und Mädchen stärker beachtet werden muss. Laut Breyer sei der medizinische Fokus noch immer häufig auf den rauchenden Mann gerichtet. Dadurch könnten Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankungen bei jungen Frauen zu spät erkannt werden.
Das ist relevant, weil sich Konsummuster verändern und gesundheitliche Risiken nicht geschlechtsneutral betrachtet werden dürfen. Prävention, Diagnostik und Aufklärung müssen daher gezielt auch Mädchen und junge Frauen erreichen.
Auswirkungen auf Fruchtbarkeit
Auch ein neuer Bericht der Weltgesundheitsorganisation weist auf gesundheitliche Folgen des Rauchens hin. Demnach haben rauchende Frauen im Vergleich zu Nichtraucherinnen ein um 40 Prozent höheres Risiko für Unfruchtbarkeit. Wenn sie mit dem Tabakkonsum aufhören, kann dieses Risiko laut WHO um 25 Prozent sinken.
Als Unfruchtbarkeit gilt, wenn trotz regelmäßigem ungeschütztem Geschlechtsverkehr über mindestens zwölf Monate keine Schwangerschaft eintritt. Weltweit ist laut WHO eine von sechs Personen im fortpflanzungsfähigen Alter im Laufe des Lebens davon betroffen.
Auch Passivrauchen kann die Fruchtbarkeit negativ beeinflussen. Bei Männern wird Rauchen mit einem erhöhten Risiko für Erektionsstörungen sowie mit Ejakulationsproblemen und Einschränkungen der Spermienqualität in Verbindung gebracht. Dazu zählen etwa eine verminderte Beweglichkeit der Spermien, eine veränderte Spermienform oder das Fehlen von Spermien im Ejakulat.
Quelle: ORF






















































































