Waldbrände in Vorarlberg, Tirol und der Steiermark haben am vergangenen Wochenende erneut gezeigt, wie verletzlich Österreichs Wälder gegenüber Trockenheit und Gewittern geworden sind. Gleichzeitig zeigen die Einsätze der Feuerwehren, dass der Schutz von Menschen und Natur dort funktioniert, wo nicht der Profit, sondern gesellschaftliche Solidarität und selbstorganisierte Hilfe im Mittelpunkt stehen. Gleichzeitig offenbaren sich aber auch die Probleme einer profitorientierten Gesellschaft bei der Finanzierung der Feuerwehren, die vielfach auf Spendensammlungen bei der Modernisierung ihr Ausrüstung angewiesen sind.
Während in Teilen Österreichs in den vergangenen Tagen heftige Gewitter und lokale Starkregenfälle niedergingen, ist die Waldbrandgefahr insbesondere in den westlichen Bundesländern weiterhin hoch. Allein am vergangenen Wochenende standen Feuerwehren in mehreren Regionen Österreichs im Einsatz. Betroffen waren unter anderem das Gamperdonatal bei Nenzing in Vorarlberg, der Zahme Kaiser bei Ebbs in Tirol sowie das Gebiet von Pernegg im steirischen Bezirk Bruck-Mürzzuschlag.
Auf den ersten Blick scheint es widersprüchlich: Wie kann die Waldbrandgefahr trotz Gewittern und Regenfällen bestehen bleiben? Die Feuerwehren verweisen auf die anhaltende Trockenheit. Punktuelle Niederschläge können die Oberfläche des Bodens kurzfristig anfeuchten, die tiefen Bodenschichten bleiben jedoch vielfach ausgetrocknet. Nach Angaben des Tiroler Landesfeuerwehrinspektors René Staudacher wären länger anhaltende Niederschläge über mehrere Wochen notwendig, um die Situation nachhaltig zu entspannen.
Besonders problematisch ist dabei die Kombination aus trockenen Böden und Gewittern. Blitze können in solchen Situationen Brände auslösen, die nicht sofort als offene Flammen sichtbar werden. Stattdessen können sich sogenannte Erd- und Wurzelfeuer unter der Oberfläche ausbreiten. Erst Tage später kann daraus ein sichtbarer Waldbrand entstehen.
Brände brennen im Boden weiter
Wie schwierig die Bekämpfung solcher Brände ist, zeigte sich am Wochenende besonders deutlich im Gamperdonatal bei Nenzing. Mehrere Feuerwehren kämpften dort stundenlang gegen immer wieder aufflammende Glutnester. Der Brandort lag in steilem und schwer zugänglichem Gelände. Rund 100 Feuerwehrleute waren im Einsatz, etwa 30 von ihnen mussten mit Hubschraubern zum Brandort geflogen werden. Auch zwei Hubschrauber wurden zur Brandbekämpfung eingesetzt.
Der Brand konnte am Samstagabend schließlich gelöscht werden. Vermutlich war er allerdings bereits am Freitag durch einen Blitzschlag ausgelöst worden. Ein Hirte entdeckte ihn erst am Samstag. Das Feuer hatte sich tief in den Boden gefressen und auch Wurzeln entzündet. Gerade solche unterirdischen Brandherde machen die Bekämpfung besonders aufwendig.
Ähnlich schwierig gestaltete sich der Einsatz am Zahmen Kaiser bei Ebbs. Dort wurde am Samstagabend ein Waldbrand auf einer Fläche von mehr als 100 Quadratmetern entdeckt. Rund 70 Einsatzkräfte mussten am Sonntagmorgen mit einem Hubschrauber in das steile Gelände nahe der Teufelskanzel gebracht werden. Wegen des felsigen Geländes waren Wasserabwürfe aus der Luft nicht möglich. Die Einsatzkräfte mussten den Brand deshalb direkt am Boden bekämpfen. Auch die Bergrettung war beteiligt.
Im steirischen Pernegg wiederum dürfte ein Gewitter mit Blitzschlägen gleich drei Brände ausgelöst haben. Insgesamt standen dort bis in die Nacht 140 Feuerwehrleute mit 20 Fahrzeugen im Einsatz. Am Sonntag wurden die Löscharbeiten mit zwölf Feuerwehren sowie zwei Hubschraubern von Polizei und Bundesheer fortgesetzt.
Die Beispiele zeigen: Waldbrände sind längst keine abstrakte Gefahr, über die nur während außergewöhnlicher Hitzewellen gesprochen werden muss. Sie können durch einzelne Blitzschläge entstehen und sich unter günstigen Bedingungen über Tage hinweg entwickeln. Die Trockenheit schafft dabei die Voraussetzungen dafür, dass aus einer lokalen Zündung ein schwer bekämpfbares Brandereignis wird.
Wenn der Markt nicht gefragt wird
Wenn irgendwo ein Wald brennt, wird nicht zuerst gefragt, ob sich seine Rettung wirtschaftlich lohnt. Es wird auch nicht geprüft, ob die betroffenen Menschen ausreichend zahlungskräftig sind. Feuerwehrleute fahren zum Einsatz, Hubschrauber werden angefordert, Einsatzkräfte werden aus anderen Gemeinden hinzugezogen und verschiedene Organisationen koordinieren ihre Arbeit. Es wird gemeinsam gehandelt, weil ein Waldbrand eine Gefahr für Menschen, Tiere, Infrastruktur und Natur darstellt.
In Österreich wird diese Aufgabe dabei in ganz wesentlichem Umfang von den Freiwilligen Feuerwehren getragen. Abgesehen von den Berufsfeuerwehren in wenigen großen Städten beruht der österreichische Feuerwehrdienst überwiegend auf freiwilliger Arbeit. Feuerwehrleute stellen ihre Zeit und ihre Arbeitskraft zur Verfügung, um andere Menschen und die gemeinsamen Lebensgrundlagen zu schützen.
Diese Strukturen sind ein eindrucksvolles Beispiel für die Fähigkeit der arbeitenden Bevölkerung und der Volksschichten zur gesellschaftlichen Selbstorganisation. Menschen organisieren sich gemeinsam, übernehmen Verantwortung und stellen ihre Fähigkeiten in den Dienst der Allgemeinheit. Der Einsatz eines Feuerwehrmitglieds wird nicht danach bemessen, welchen Profit er erwirtschaftet. Entscheidend ist allein, ob Menschen geschützt und Schäden verhindert werden können.
Natürlich kann sich die Feuerwehr nicht allein aus gesellschaftlicher Solidarität heraus ausrüsten. Fahrzeuge, Schutzausrüstung, Löschtechnik, Funkgeräte, Ausbildung und Infrastruktur kosten Geld. Gerade die aktuellen Waldbrände zeigen, wie wichtig es ist, dass diese Mittel ausreichend und dauerhaft zur Verfügung stehen. Auch die für die Einsätze notwendigen Hubschrauber und die Zusammenarbeit mit anderen staatlichen Einsatzorganisationen setzen öffentliche Ressourcen voraus. Gleichzeitig sind die Freiwilligen Feuerwehren ganz wesentlich auf Spenden angewiesen, um einsatzfähig zu bleiben und Ausrüstungen zu finanzieren.
Es zeigt sich zwar in den Freiwilligen Feuerwehren, wie die Menschen in der Lage sind wesentliche Aspekte des gesellschaftlichen Lebens selbst zu organisieren. Gleichzeitig sind sie bei der Frage der Finanzierung die selben Probleme, wie in allen anderen Bereichen der kapitalistischen Gesellschaft, die Finanzierung wird ganz wesentlich privatisiert und während sich der Staat aus der Finanzierung zurückzieht oder nie so engagiert war, wie er es sein sollte.
Nicht erst löschen, wenn es brennt
Es ist gesellschaftlich völlig selbstverständlich, dass wir im Fall eines Waldbrandes möglichst schnell möglichst viele Kräfte mobilisieren. Wir schicken Feuerwehrleute, Fahrzeuge und Hubschrauber in schwer zugängliches Gelände, um einen Brand zu bekämpfen. Gleichzeitig darf sich die Politik aber nicht darauf beschränken, Mittel für die Bewältigung bereits eingetretener Katastrophen bereitzustellen.
Wenn sich Trockenperioden verschärfen und Waldbrände unter den gegenwärtigen Bedingungen leichter entstehen und schwerer bekämpft werden können, muss die Konsequenz eine systematische Verstärkung der Prävention sein. Dazu gehören eine ausreichende personelle und technische Ausstattung der Feuerwehren, eine bessere Überwachung gefährdeter Waldgebiete, wissenschaftlich fundierte Waldpflege, ein funktionierendes Wassermanagement und langfristige Maßnahmen gegen die Folgen von Trockenheit.
Gerade hier zeigt sich der Widerspruch zwischen gesellschaftlichen Bedürfnissen und einer Wirtschaftsordnung, in der Investitionsentscheidungen letztlich von der Aussicht auf Profit bestimmt werden. Der Schutz eines Waldes lässt sich nicht sinnvoll nach seiner unmittelbaren Rentabilität beurteilen. Dasselbe gilt für Hochwasserschutz, Trinkwasserversorgung, Katastrophenschutz oder den Erhalt von Infrastruktur in abgelegenen Regionen.
Die Frage muss daher lauten: Welche Mittel stehen der Gesellschaft zur Verfügung und wie werden sie eingesetzt, um die Lebensbedingungen der Menschen zu schützen?
Naturgefahren sind keine Entschuldigung für politische Untätigkeit
Dabei wäre es falsch, die Entstehung von Waldbränden einfach auf einen einzigen Faktor zu reduzieren. Die aktuellen Brände zeigen, dass Blitzschläge konkrete Zündquellen darstellen. Ebenso ist die anhaltende Trockenheit ein wesentlicher Faktor für die Ausbreitung und schwierige Bekämpfung der Feuer. Wissenschaftliche Untersuchungen müssen deshalb die unterschiedlichen natürlichen und gesellschaftlichen Faktoren berücksichtigen, die das Risiko bestimmen.
Ebenso falsch wäre es jedoch, Naturereignisse als unvermeidliches Schicksal zu behandeln. Ein Blitzschlag lässt sich nicht verhindern. Ob daraus jedoch ein schwerer Waldbrand entsteht, wie schnell er entdeckt wird, welche Möglichkeiten zur Bekämpfung bestehen und wie groß der angerichtete Schaden ist, hängt auch von den gesellschaftlichen Bedingungen ab.
Genau hier liegt die Verantwortung des Staates. Wenn Feuerwehren über fehlendes Personal, mangelhafte Ausrüstung oder unzureichende Infrastruktur verfügen, kann die Antwort nicht darin bestehen, den Betroffenen zu erklären, dass der Klimawandel eben „immer mehr“ Naturkatastrophen verursache. Die Verschärfung bestimmter Umweltbedingungen darf nicht zum Vorwand werden, um politische Verantwortung abzuschieben.
Die Erklärung der Europäischen Kommunistischen Aktion zur Umweltpolitik weist deshalb zu Recht auf die Bedeutung von Prävention, wissenschaftlicher Forschung und öffentlicher Infrastruktur hin. Umweltprobleme müssen untersucht und ihre gesellschaftlichen Ursachen und Folgen offengelegt werden. Vor allem aber müssen die notwendigen Ressourcen zur Verfügung gestellt werden, um Menschen und Natur zu schützen.
Gegen die grüne Profitlogik
Die Antwort darauf kann allerdings nicht darin bestehen, jede Umweltfrage dem Markt zu überlassen. Gerade die vergangenen Jahre haben gezeigt, wohin eine Politik führen kann, die Umweltschutz mit neuen Märkten, Abgaben und Profitmöglichkeiten für Unternehmen verbindet.
Wenn der Schutz des Waldes zur Angelegenheit privater Geschäftsinteressen wird, wenn Wasser zur Ware gemacht wird oder wenn Umweltmaßnahmen vor allem dazu dienen, neue profitable Investitionsfelder zu erschließen, wird die zentrale Frage verdrängt: Was braucht die Bevölkerung tatsächlich?
Die Arbeiterklasse und die werktätige Bevölkerung haben kein Interesse daran, dass Umweltschutz zu einem weiteren Geschäftsfeld für Konzerne wird. Sie haben ein Interesse daran, dass Wälder erhalten, Wasserressourcen geschützt, Gemeinden vor Naturkatastrophen bewahrt und die notwendigen öffentlichen Dienstleistungen dauerhaft gewährleistet werden.
Dabei ist gerade die Feuerwehr ein anschauliches Beispiel dafür, dass gesellschaftliche Organisation nach anderen Prinzipien funktionieren kann. Wenn ein Wald brennt, wird gemeinsam gehandelt. Einsatzkräfte aus verschiedenen Gemeinden arbeiten zusammen. Staatliche Stellen stellen Hubschrauber und andere Mittel bereit. Niemand fragt, ob der Einsatz profitabel ist. Das gemeinsame Bedürfnis nach Schutz bestimmt das Handeln.
Diese Logik muss über die akute Katastrophenbekämpfung hinausgehen.
Gesellschaftliche Planung statt Profitinteressen
Die notwendigen wissenschaftlichen und technischen Möglichkeiten, Umweltgefahren zu erforschen und ihre Folgen zu begrenzen, sind vorhanden. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht nur, was technisch möglich ist, sondern unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen diese Möglichkeiten eingesetzt werden.
Eine Gesellschaft, die ihre Ressourcen planmäßig nach den Bedürfnissen der Menschen einsetzen kann, hätte ganz andere Möglichkeiten, mit Umweltproblemen umzugehen als eine Gesellschaft, in der wirtschaftliche Entscheidungen vom Profitinteresse des Kapitals bestimmt werden. Wälder, Wasser und andere natürliche Ressourcen wären nicht primär als Waren und Anlageobjekte zu betrachten, sondern als Grundlagen des gesellschaftlichen Lebens.
Die Waldbrände dieses Wochenendes sind deshalb nicht nur ein Anlass, den Einsatzkräften für ihre Arbeit zu danken. Sie sollten auch Anlass sein, darüber nachzudenken, warum gesellschaftliche Solidarität bei der Bekämpfung eines Brandes selbstverständlich ist, bei der langfristigen Organisation des Schutzes unserer Lebensgrundlagen aber immer wieder an Profitinteressen und politischen Sparvorgaben scheitert.
Die freiwilligen Feuerwehrleute zeigen jeden Tag, dass die arbeitenden Volksschichten in der Lage sind, sich selbst zu organisieren und Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen. Eine solche gesellschaftliche Solidarität darf nicht erst dann zum Einsatz kommen, wenn bereits etwas brennt. Sie muss zum Prinzip der gesellschaftlichen Planung insgesamt werden.
Der Schutz von Mensch und Natur darf keine Frage des Profits sein. Er ist eine gesellschaftliche Aufgabe. Und ihre dauerhafte Lösung erfordert eine Gesellschaft, die ihre wissenschaftlichen, technischen und materiellen Möglichkeiten nicht für den Profit weniger, sondern für die Bedürfnisse aller einsetzt.



















































































