Nachdem in den letzten Tagen KI-Forscherinnen und ‑Forscher sowie Tech-CEOs Bedenken über die möglichen Gefahren von künstlicher Intelligenz teilten, streiten sich verschiedene Akutere in der US-Politik über mögliche Regulationen.
Washington. In den USA liefern sich aktuell verschiedene Politikerinnen und Politiker, Interessensvertretungsgruppen und Think-Tanks einen regen Schlagabtausch über die potenzielle Regulierung von künstlicher Intelligenz (KI). So fordern Politikerinnen und Politiker der Demokraten, wie zum Beispiel, Hakeem Jeffries oder Bernie Sanders, stärkere Schranken für und erhöhte Kontrolle von KI-Unternehmen und deren KI-Modellen. So fordert Jeffries strengere Richtlinien für die Entwicklung künstlicher Intelligenz, aber nur so weit, dass diese die US-Konzerne nicht in einen Wettbewerbsnachteil mit chinesischen Monopole bringen. Sanders forderte den sofortigen Stopp von Forschung in diesem Gebiet. Finanziell unterstützt werden die Vorstöße der Demokraten unter anderem von der Organisation Who Decides (englisch für „wer entscheidet“), einer Organisation, die mit über 30 Millionen US-Dollar gegründet wurde und in der Demokratischen Partei für KI-Regulation lobbyiert.
Mitglieder der Republikanischen Partei positionieren sich klar gegen eine weitreichende Regulierung von KI-Konzernen. So plädierte der aktuelle Mehrheitsführer des Senats, John Thune, für eine „behutsame Handhabung“ und Gesetze, die das Wachstum der KI-Unternehmen nicht beeinträchtigen. Der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, fand noch klarere Worte zu diesem Thema. So bezeichnete er in einem Post auf seiner Social-Media-Seite Truth Social die möglichen Gefahren, die von KI-Modellen ausgehen, als „Hoax“ (englisch für „Schwindel“ oder „Falschmeldung“). Von diesem „Hoax“ würden nur chinesische Konzerne profitieren, die die US-amerikanischen Unternehmen technologisch einholen könnten. Die einzigen Kontrollen, die KI bräuchte, seien ein „starker und kluger (mit hohem IQ ausgestatteter) Präsident“, und diesen hätten die USA „im Übermaß“. Im gleichen Post behauptete er auch, die Proteste gegen Rechenzentren seien eine „Verschwörung“ gegen Amerika, von der nur die Kommunistische Partei Chinas profitieren würde.
Erneute Sicherheitsbedenken über KI
Der Anlass für die aktuelle Debatte waren wieder aufkommende Sicherheitsbedenken, nachdem Jacob Coxon, ein Forscher beim KI-Unternehmen Anthropic, öffentlich seine Kündigung bekannt gab. Er begründete diese damit, dass er die unkontrollierte Entwicklung der KI-Modelle nicht mehr unterstützen möchte, da diese in den nächsten zehn Jahren zur Auslöschung der ganzen Menschheit führen könnte, falls sich die KI verselbstständigen würde. Die Tech-Giganten würden „mit unserem Leben spielen“. Evan Hubinger, der bei Anthropic für die Ausrichtung der Technologie an menschlichen Werten verantwortlich ist, pflichtete Coxon in einem Post auf X bei: „Jacob hat recht – wir glauben ernsthaft daran, dass KI alle Menschen töten könnte“. Hubinger schätzte die Wahrscheinlichkeit eines solchen Szenarios persönlich auf mehr als zehn Prozent innerhalb des kommenden Jahrzehnts.
Nach dem öffentlichen Statement von Coxon äußerten auch verschiedene Tech-CEOs ihre Bedenken. So plädierte der Anthropic-CEO Dario Amodei in einem längeren Essay dafür, die Entwicklung künstlicher Intelligenz zu verlangsamen und rief Gesetzgeber dazu auf, Regulierungen zu etablieren. Elon Musk, unter anderem CEO des KI-Unternehmens xAI, schloss sich dem an. „Dario hat Recht“, schrieb er auf X. Auch der OpenAI-CEO Sam Altman äußerte sich auf X und stimmte Amodei zu. An der Aufrichtigkeit der Tech-CEOs lässt sich zweifeln. Sie hätten die Möglichkeit, mit einem einfachen Beschluss die Entwicklung künstlicher Intelligenz in ihren Unternehmen einzustellen oder zu begrenzen. Man kann aber davon ausgehen, dass ihre ethischen Bedenken genau da aufhören, wo eine Verlangsamung der Forschung zu Wettbewerbsnachteilen führen würde. Nachdem diese Äußerungen auch zu einem beachtlichen Einbruch von Technologie-Aktien geführt hatten, wurde es auch vonseiten der KI-Unternehmen um dieses Thema stiller.
Technologie gesellschaftlich bestimmt
Bei all dem Gerede über mögliche Weltuntergangsszenarien, die von KI herbeigeführt werden könnten, darf man nicht aus den Augen verlieren, dass auch diese Technologie sowie deren Entwicklung und Anwendung nicht von den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnissen unabhängig sind. Im Kapitalismus wird KI nicht zum Wohle der arbeitenden Teile der Bevölkerung verwendet, sondern um Profite zu maximieren. Auch Sicherheitsbedenken sind nur so lange ein Thema, wie sie nicht diese Profite bedrohen. In einer auf die Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse ausgerichteten Wirtschafts- und Gesellschaftsform würde auch künstliche Intelligenz ihr ganzes positives Potenzial entfalten und die möglichen Gefahren, die von ihr ausgehen, minimiert werden.
Quellen: Politico/Politico/Politico/Politico/Politico/Politico/Politico




















































































