Eine in Nepal durch einen Gletschersturz verursachte Sturzflut forderte bereits über 1.300 Todesopfer, rund 5.000 Personen werden noch vermisst. Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass solche Ereignisse aufgrund der steigenden Temperaturen häufiger auftreten werden. Ein geeignete Frühwarnsystem für solche Katastrophen fehlt bis jetzt.
Kathmandu. Am 26. August kam es im Lhende-Khola-Flusstal in Nepal zu einer enormen Sturzflut. Diese riss ganze Gebäude, Dörfer und Kraftwerke mit sich. Die Einwohner wurden während der Arbeit überrascht; viele befanden sich in Tunneln an Baustellen, als die Flut losbrach. Die Zahl der geborgenen Todesopfer in Nepal beträgt mittlerweile 1.341, weitere 43 Menschen kamen in der benachbarten chinesischen Region Tibet ums Leben. Rund 5.000 Menschen werden noch vermisst. Es wird vermutet, dass sich viele der Vermissten unter den Trümmern befinden. Die Bergungsaktionen gehen weiter. Auch große Teile der Verkehrsinfrastruktur wurden zerstört – einige Gebiete sind immer noch praktisch abgeschnitten.
Gletschereinsturz verursachte Flut
Wie kam es aber zu dieser Katastrophe? Am Morgen des 26. August löste sich ein großer Teil eines Gletschers mitsamt darunterliegendem Gestein. Die gewaltigen Eis- und Gesteinsmassen stürzten ins Tal, rissen weiteres Material mit und blockierten den Lhende-Fluss. Dadurch entstand vorübergehend ein natürlicher Damm. Als dieser nachgab, ergoss sich eine gewaltige Menge Wasser, Schlamm und Geröll flussabwärts.
Die Flutwelle – von Augenzeugen als ein „Tsunami in den Bergen“ beschrieben – mündete auch in weitere Flüsse. Deren Wasserspiegel stieg stellenweise innerhalb von nur 30 Minuten um bis zu neun Meter. Die Sturzflut erreichte letztendlich auch die indische Grenze. Dort wurden aufgrund der drohenden Überschwemmungen vorsorglich Tausende Menschen evakuiert.
Geologinnen und Geologe gingen zunächst davon aus, dass ein Erdbeben den Einsturz ausgelöst haben könnte, da zeitgleich starke seismische Aktivitäten gemessen wurden. Neuere Untersuchungen ergaben jedoch, dass die gewaltigen Erdrutsche selbst die seismischen Wellen verursachten. Das Ereignis wurde mit einer Magnitude von 5,2 registriert.
Umweltkatastrophe als Ergebnis des menschengemachten Klimawandels
Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass die zunehmende Erwärmung des Himalayas die Instabilität von Gletschern und gefrorenen Bergregionen verstärkt. Der Himalaya erwärmt sich deutlich schneller als der globale Durchschnitt. Gleichzeitig haben die nepalesischen Gebirge in den vergangenen Jahrzehnten einen erheblichen Teil ihrer Eismasse verloren. Dadurch steigt unter anderem die Gefahr von Gletscherseeausbrüchen und anderen durch instabile Gletscher und Berghänge ausgelösten Katastrophen. Davor, dass diese Entwicklungen zu solchen schrecklichen Ereignissen führen können, warnen Geologinnen und Geologen schon seit einigen Jahren.
Nepal fordert nun über 20 Millionen US-Dollar an „Klimaentschädigungen“. Der nepalesische Außenminister Shisir Khanal betonte in einem Statement für die britische Tageszeitung The Guardian, dass sein Land für weniger als 0,1 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich sei. Die nepalesische Bevölkerung sei weder jetzt noch in der Vergangenheit für die schlimmen Folgen des Klimawandels verantwortlich gewesen, müsse aber nun unter diesen leiden, so Khanal. Er forderte auch „die großen Verschmutzer“, also die Länder mit den höchsten Treibhausgasemissionen, dazu auf, „endlich aufzuwachen“ und etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen.
Im Kapitalismus wird es die strukturellen Veränderungen, die für eine wirksame Bekämpfung des Klimawandels notwendig sind, aber nicht geben. Die Wirtschaft wird nicht an den Interessen der Völer ausgerichtet, sondern an der maximalen Profitsteigerung. Dass dabei die Lebensgrundlagen der Menschheit selbst zerstört werden, stört die Besitzenden nur in offiziellen Statements und Reden.
Von US-Regierung nicht mehr gefördertes Frühwarnsystem hätte Todesopfer reduzieren können
Im Januar 2025 beendete die Regierung der USA ihre finanzielle Förderung für ein international angelegtes geologisches Projekt, das unter anderem Frühwarnsysteme für Erdrutsche in Nepal entwickeln sollte. Dies geschah, als die damals vom rechtsextremen Milliardär Elon Musk geleitete „Abteilung für staatliche Effizienz“ unzählige Förderungen der „US-Agentur für internationale Entwicklung“ (USAID) strich, die das Stichwort „Klima“ enthielten.
Diese Kürzungen geschahen plötzlich, was dazu führte, dass viele Projekte in finanzielle und personelle Schwierigkeiten gerieten und kurzfristig neue Projektleitungen suchen mussten – so auch das oben genannte geologische Projekt. Dieses konnte zwar viele seiner Operationen beibehalten, das Erdrutschfrühwarnsystem musste jedoch gestrichen werden.
Expertinnen und Experten gehen nun davon aus, dass ein solches Frühwarnsystem viele Todesopfer der Sturzflut hätte verhindern können. Außerdem könnte es jederzeit zu einer weiteren vergleichbaren Umweltkatastrophe kommen. Doch auch für diese fehlt aktuell die Technologie, um die Bevölkerung rechtzeitig davor zu warnen.
Quellen: Al Jazeera/Al Jazeera/Al Jazeera/CNN/Der Standard/The Guardian























































































