Menschen mit Hochschulabschluss leben in Österreich im Durchschnitt länger als Menschen mit Pflichtschulabschluss. Neue Zahlen der Statistik Austria zeigen, dass der Abstand zuletzt weiter gewachsen ist.
Bei 35-jährigen Männern beträgt der Unterschied inzwischen rund sieben Jahre. Männer mit Hochschulabschluss kommen auf eine Lebenserwartung von 85 Jahren, Männer mit Pflichtschulabschluss auf 78 Jahre. Bei Frauen beträgt der Abstand rund viereinhalb Jahre. Bei den Männern ist die Lebenserwartung bei allen Bildungsgruppen gewachsen, am höchsten jedoch bei jenen mit Hochschulabschluss. Bei den Frauen ist nur bei den Akademikerinnen ein Plus zu verzeichnen.
Berechnet werden solche Zahlen anhand der restlichen Lebenserwartung, also der Anzahl der verbleibenden Lebensjahre von 35-Jährigen. Dieses Alter wird gewählt, da zu diesem Zeitpunkt die meisten Personen ihren Bildungsweg abgeschlossen haben.
Tatsächlich ist die Bildung aber nur ein Indikator für die ökonomischen Möglichkeiten eines Menschen. Personen mit niedrigen Abschlüssen arbeiten häufiger in körperlich belastenden Berufen, im Schichtdienst und unter schlechten Arbeitsbedingungen. Niedrige Löhne schränken außerdem die Möglichkeiten bei Ernährung, Wohnen, Erholung und Gesundheitsversorgung ein.
Damit ist die unterschiedliche Lebenserwartung in erster Linie eine Klassenfrage. Ein reicher Kapitalist kann sich Privatärzte, hochwertige Lebensmittel, gute Wohnverhältnisse und ausreichend Freizeit leisten – unabhängig davon, ob er einen Pflicht- oder Universitätsabschluss hat.
Der Bildungsabschluss bildet daher einen Teil der sozialen Ungleichheit ab. Entscheidend sind die materiellen Lebensbedingungen: Einkommen und Vermögen, Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen, Wohnverhältnisse sowie der Zugang zu medizinischer Versorgung. Dass sich die Lebenserwartung zwischen den Bildungsgruppen unterscheidet, zeigt auch, wie sich diese Ungleichheit auf die Gesundheit auswirkt.
Quelle: ORF




















































































