In Österreich beziehen mittlerweile mehr als eine halbe Million Menschen Pflegegeld, was Ausdruck des demographischen Wandels ist. Eine älter werdende Gesellschaft führt zu einem stetig steigenden Pflegebedarf. Im Juni 2026 erhielten 508.897 Personen Pflegegeld – ein neuer Höchststand und ein weiterer Anstieg gegenüber dem Vorjahr.
Die Zahl der Pflegegeldbeziehenden wird auch in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Umso alarmierender ist, dass die öffentliche Pflegeinfrastruktur mit dieser Entwicklung nicht Schritt hält. Schon heute fehlen Pflegekräfte, mobile Dienste stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen und vielerorts mangelt es an leistbaren Pflege- und Betreuungsplätzen. Für Betroffene und ihre Angehörigen bedeutet das oft lange Wartezeiten, hohe finanzielle Belastungen und die Notwendigkeit, Versorgungslücken selbst zu schließen.
Zwar wurde das Pflegegeld mit Jahresbeginn 2026 um 2,7 Prozent erhöht. Das ist grundsätzlich zu begrüßen, denn die Anpassung hilft zumindest dabei, einen Teil der inflationsbedingten Mehrkosten abzufedern. Angesichts der tatsächlichen Kosten von Pflege und Betreuung bleibt diese Erhöhung jedoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Pflegegeld soll den pflegebedingten Mehraufwand teilweise ausgleichen – die Realität zeigt aber, dass die Ausgaben für mobile Dienste, Hilfsmittel oder notwendige Unterstützung vielfach deutlich darüber liegen.
Besonders deutlich wird das Missverhältnis beim Blick auf die niedrigeren Pflegestufen. Wer in Pflegestufe 1 monatlich 206,20 Euro erhält, kann damit die tatsächlichen Kosten einer regelmäßigen Unterstützung kaum decken. Gleichzeitig steigt mit zunehmendem Pflegebedarf nicht nur der finanzielle Aufwand, sondern auch die Schwierigkeit, überhaupt ausreichend Betreuungsangebote zu finden.
Die aktuellen Zahlen zeigen zudem, dass Pflege nach wie vor überwiegend Frauen betrifft – sowohl auf Seiten der Pflegegeldbeziehenden als auch bei den pflegenden Angehörigen. Rund 61 Prozent der Pflegegeldbeziehenden sind Frauen. Gleichzeitig wird ein Großteil der Pflege weiterhin unbezahlt im Familienkreis geleistet – ebenfalls überwiegend von Frauen. Dies führt zu einer spezifischen Belastung auf psychischen und physischer Ebene, hat aber auch ökonomische Folgen. Frauen sind stärker armutsgefährdet und ‑betroffen, arbeiten häufiger in Teilzeit oder gar nicht in regulärer Erwerbsarbeit. Sie bearbeiten Sorgelücken im Bereich der Pflege für Alte und Kranke und in der Kindererziehung und zahlen ganz individuell die Kosten hierfür
Der neuerliche Anstieg auf über 508.000 Pflegegeldbeziehende sollte daher nicht nur als statistische Entwicklung verstanden werden. Er ist ein deutliches Signal dafür, dass Österreich endlich strukturell in die Pflege investieren muss. Notwendig sind ein massiver Ausbau der Pflegeinfrastruktur, bessere Arbeitsbedingungen und eine ausreichende Finanzierung von mobilen Diensten, Pflegeheimen und Unterstützungsangeboten. Ebenso braucht es eine nachhaltige Entlastung pflegender Angehöriger.
Quelle: OÖNachrichten
















































































