Eine neue Studie, die hochrangig in „Nature“ publiziert wurde, vergleicht die Fortschreibung der derzeitigen Ernährungssysteme mit einem Szenarium der „Planetary Health Diet“, die gesunde Ernährung mit Umweltschutz und Gerechtigkeit verbinden möchte.
Laxenburg/London/Ithaca/Oslo. Zur Studie beigetragen hat das IIASA, das International Institute for Applied Systems Analysis im niederösterreichischen Laxenburg. Die Zukunftsszenarien wurden anhand von zehn gängigen Modellen zur Simulation der Entwicklung der Weltwirtschaft berechnet, wobei das IIASA ein Modell dazu beigetragen hat, das sogenannte Biosphärenmanagement-Modell (GLOBIOM). Dank der detaillierten Darstellung von Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Bioenergie und Landnutzung durch GLOBIOM konnten die Forscherinnen und Forscher bewerten, wie sich Ernährungsumstellungen auf die landwirtschaftliche Produktion, die Landnutzung, die Treibhausgasemissionen und andere Umweltaspekte auswirken könnten. Verglichen wurde die herkömmliche Wirtschaftsweise mit der von der EAT-Lancet-Kommission empfohlenen „Planetary Health Diet“, wobei das englische Diet die Ernährungsweise meint, und nicht eine Diät in unserem deutschsprachigen Sinne. Ein Schlüsselergebnis dabei ist, dass die Umsetzung dieser Empfehlungen für eine gesündere Ernährung bei gleichzeitiger Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität und Halbierung der Lebensmittelverschwendung bis 2050 zu einer Verringerung der weltweiten landwirtschaftlichen Nutzfläche um 6 Prozent führen könnte, wobei der Produktionswert der Tierhaltung um 42 Prozent (im Vergleich zu 2020) sinken und die Produktion pflanzlicher Nahrungsmittel erheblich steigen würde.
Die „ideengebende“ EAT-Lancet-Kommission ist ein internationales Expertengremium, das von der EAT-Organisation und der medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“ gegründet wurde. Eine Studie der EAT-Lancet-Kommission aus dem Jahr 2025 propagiert „gesunde, nachhaltige und gerechte Ernährungssysteme“, wobei erstmals der zentrale Fokus auf Gerechtigkeit gelegt würde – basierend auf den Menschenrechten auf Nahrung, eine gesunde Umwelt und menschenwürdige Arbeit. Es liegt die Überzeugung zugrunde, dass Ernährungssysteme und deren Ausgestaltung einen wesentlichen Hebel darstellen, um individuelle Gesundheit, Biodiversität, ein gesundes Klima und Gerechtigkeit miteinander verknüpfen zu können. Wie wir uns ernähren, habe wesentlichen Einfluss auf Land- und Wassernutzung, Ökosysteme und Klima. Derzeit würden rund 30 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen auf die Ernährungssysteme zurückzuführen sein; durch eine Umgestaltung derselben könnten diese Emissionen um mehr als die Hälfte gesenkt werden. Weniger als 1 Prozent der Weltbevölkerung würde derzeit einen „sicheren und gerechten Raum“ vorfinden, in dem die Rechte und Ernährungsbedürfnisse der Menschen bei gleichzeitiger Wahrung der „planetaren Grenzen“ erfüllt werden. Gleichzeitig verursachten die reichsten 30 Prozent der Menschen mehr als 70 Prozent der mit der Ernährung verbundenen Umweltauswirkungen.
Wie auch immer der „sichere und gerechte Raum“ genau definiert ist – die Kommission, die als Plattform für Austausch unter Einbeziehung verschiedenster wissenschaftlichen Disziplinen dient, legt ihre Finger auf einen wunden Punkt: Der Zugang zu ausreichender und gesunder Ernährung ist weltweit höchst ungleich verteilt; laut Welternährungsbericht 2025 litten im Jahr 2024 über 670 Millionen Menschen an Hunger, das sind 8,2 Prozent der Weltbevölkerung. In Summe sind laut diesem Bericht sogar 28 Prozent der Weltbevölkerung von moderater bis schwerer Ernährungsunsicherheit betroffen! Es ist prognostiziert, dass diese Zahlen in den nächsten Jahren noch ansteigen werden. Gleichzeitig sind unsere Ernährungssysteme unseren Ökosystemen nicht zuträglich und gefährden das Weltklima erheblich.
Wie sieht nun die empfohlene Ernährung der Zukunft aus? Die von der Kommission entworfene „Planetary Health Diet“ gewährleiste eine angemessene Nährstoffversorgung, fördere optimale Gesundheitsergebnisse und könne an unterschiedliche Kontexte und Kulturen angepasst werden. Die Empfehlung legt den Schwerpunkt auf eine pflanzenreiche Ernährung mit optionalen, moderaten Mengen an Lebensmitteln tierischen Ursprungs und einem begrenzten Anteil an zugesetztem Zucker, gesättigten Fetten und Salz. Gemessen an diesem Standard sei in praktisch allen analysierten Regionen ein gemeinsames Defizit aufgefallen: In der Ernährung würden durchwegs ausreichend Obst, Gemüse, Nüsse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte fehlen. Hingegen gäbe es ein Übergewicht an Fleisch, Milchprodukten, tierischen Fetten, Zucker und stark verarbeiteten Lebensmitteln.
Auch wenn es hier regionale Unterschiede gibt, so ist diese Erkenntnis zumindest für Österreich nicht neu, vom Gesundheitsministerium wird deshalb schon seit vielen Jahren die Ernährungspyramide propagiert, die anschaulich macht, welchen Anteil die verschiedenen Lebensmittel an einer gesunden Ernährung einnehmen sollten. Seit der letzten Revision gibt es nun auch eine vegetarische Variante, die vermehrt auf Hülsenfrüchte setzt. In die gleiche Kerbe schlägt der Trend der „Proteinwende“, der in den letzten Jahren in einigen europäischen Ländern bereits zu nationalen Strategien geführt hat, und auch in Österreich im Parlament behandelt wurde: Es geht nicht darum, tierbasierte Proteine gänzlich zu verdrängen, aber es geht darum, den Anteil pflanzenbasierter Proteine an unserer Produktion und Ernährung zu erhöhen, um eine nachhaltigere und gesündere Ernährung zu fördern. In der Fachinformation des österreichischen Parlaments wird festgehalten: In Europa gehen rund 70 Prozent der landwirtschaftlichen Emissionen auf Tierhaltung zurück. Zudem seien durch die „Proteinwende“ positive gesundheitliche Effekte zu erwarten.
Freilich stellt die notwendige Umstellung der landwirtschaftlichen Produktion viele unserer derzeitigen Profitmodelle in Frage. Aber es entstehen auch neue, etwa im Bereich der Lebensmitteltechnologien mit alternativen Formen der Proteinproduktion (Stichwort: Fleisch aus dem Bioreaktor). Wer es natürlicher haben möchte, kann sich schon einmal in die wunderbare Welt der Gemüsesorten und Hülsenfrüchte vertiefen. „Gemüse des Jahres“ in Österreich sind übrigens die „Bell Brothers“, zwei Mini-Paprika-Sorten, die am besten gemeinsam in einen Topf gepflanzt werden. Tirol geht natürlich wieder einmal seinen eigenen Weg und kürte die Kletterzucchini „Black Forest“, auch bekannt unter dem Namen „Kletter-Peppi“, zum „Gemüse des Jahres“. In Tirol klettern eben nicht nur die Menschen.
Quelle: Eatforum/Nature/FAO Organization/Österreichisches Gesundheitsportal/Parlament Österreich/Bauernzeitung

















































































