Ebola breitet sich erneut im Kongo aus, doch Armut, Krieg und Profitinteressen verschärfen die Krise zusätzlich. Während hunderttausende Menschen gefährdet sind, fehlen Impfstoffe und medizinische Infrastruktur.
Kinshasa. Im Osten der Demokratischen Republik Kongo breitet sich bereits zum 17. Mal ein Ebola-Ausbruch aus. Die seltene und schwer behandelbare Virusvariante Bundibugyo-Ebola hat bereits mehr als 130 Menschenleben gefordert und über 500 weitere Personen infiziert. Dies teilte der kongolesische Gesundheitsminister Samuel Roger Kamba in der Nacht auf heute mit.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die kongolesischen Behörden zeigen sich besorgt. Bei den beiden großen Ebola-Ausbrüchen in Westafrika und der Demokratischen Republik Kongo in den Jahren 2014 und 2018 starben rund 11.000 beziehungsweise 2.300 Menschen. Für die Bundibugyo-Variante gibt es bislang weder einen breit erprobten Impfstoff noch etablierte Behandlungsmöglichkeiten.
Strukturelle Probleme verschärfen den Ausbruch
Dass sich das Virus gerade in den östlichen Regionen des Kongo ausbreitet, ist kein Zufall. Diese Gebiete gelten als besonders instabil, denn es mangelt an Infrastruktur und bewaffnete Konflikte dauern seit Jahren an. Dies führt zu schlechten hygienischen Bedingungen für große Teile der Bevölkerung und erschwert die rechtzeitige Erkennung und Behandlung der Krankheit.
Hinzu kommt, dass sich aufgrund der bürgerkriegsähnlichen Zustände hunderttausende Menschen auf der Flucht befinden. Dadurch steigt das Risiko einer weiteren Ausbreitung erheblich.
Viele unabhängige Expertinnen und Experten und auch die WHO kritisieren die Reaktion anderer Staaten und internationaler Organisationen als unzureichend und zu langsam. Die USA reagierten beispielsweise erst verstärkt, nachdem ein amerikanischer Soldat positiv auf das Virus getestet worden war. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete zudem, dass durch Kürzungen internationaler Hilfsprogramme durch die USA und die EU zahlreiche Frühwarnsysteme für gefährliche Krankheiten weggefallen seien. Diese bildeten eine „dünne Linie zwischen einem lokalen Ausbruch und einer regionalen Krise“.
Profite über Leben
Dass trotz stetig steigender weltweiter Ausgaben für medizinische Forschung bislang kein wirksamer Impfstoff oder eine umfassend erprobte Therapie für diese tödliche Krankheit entwickelt wurde, hat strukturelle Ursachen. Mit der Erforschung und Vermarktung von Medikamenten gegen Akne, Haarausfall oder andere weit verbreitete Leiden in wohlhabenden Ländern lassen sich im Kapitalismus häufig höhere Gewinne erzielen.
Menschen im globalen Süden verfügen in der Regel über eine geringere Kaufkraft. Für Pharmakonzerne ist es daher profitabler, Produkte für zahlungskräftige Märkte in Europa und Nordamerika zu entwickeln. In einem Wirtschaftssystem, das auf Profitmaximierung ausgerichtet ist, werden tausende Menschenleben immer wieder den Interessen des Kapitals untergeordnet.
Quellen: ORF / derStandard

















































































