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90 Jahre arabischer Aufstand in Palästina (1936–1939)

10. Mai 2026
in Feuilleton, Geschichte
90 Jahre arabischer Aufstand in Palästina (1936–1939)

Von 1936 bis 1939 leistete die arabische Bevölkerung Palästinas erbitterten Widerstand gegen die Gewaltherrschaft des britischen Imperialismus und der zionistischen Siedlerbewegung. Zur Geschichte des Aufstandes und der Rolle der kommunistischen Bewegung in Palästina, anlässlich des Beginns der Revolte im April und Mai 1936.

Die Vorgeschichte des Aufstandes

In den 1920er Jahren nahm die zionistische Siedlungsbewegung und die Auswanderung europäischer Juden nach Palästina zunehmend an Fahrt auf. Mit den großen Siedlungswellen ging auch der ökonomische Abstieg weiter Teile der arabischen Bevölkerung einher. Durch den Ankauf von Land durch den Jüdischen Nationalfonds, der durch die Kollaboration der feudalen arabischen Eliten mit der zionistischen Bewegung möglich war, verloren große Teile der Landbevölkerung ihre Lebensgrundlage. Landlose, die in die Städte strömten, fanden durch den rassistisch begründeten Ausschluss von arabischen Arbeitern aus jüdisch geführten Firmen nur schwer Arbeit. 

Nicht zuletzt begünstigte die britische Mandatsherrschaft mit einer Reihe ökonomischer Restriktionen die Entwicklung der jüdischen Bourgeoisie gegenüber der arabischen. Die Bank of Palestine wurde erst 1960 als erstes palästinensisches Finanzinstitut gegründet.

Bereits vor dem Jahr 1936 kam es daher immer wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen, vor allem in den Jahren 1920–1921, 1929 und 1933. Dabei handelte es sich vorwiegend um kleinere Zusammenstöße, oft zwischen der lokalen palästinensischen Bevölkerung und jüdischen Siedlern. Im Jahr 1929 forderten die Kämpfe rund 220 Todesopfer auf beiden Seiten und wurden durch das Eingreifen der britischen Kolonialtruppen gestoppt. Die politische Repression, die daraufhin folgte, traf auch die Kommunistische Partei Palästinas (PKP), die im Jahr 1923 gegründet wurde und 1924 der Kommunistischen Internationale beitrat. Die PKP analysierte die Ereignisse von 1929 vor allem vor dem Hintergrund der zionistischen Siedlungsbewegung, die durch Landraub und den Ausschluss arabischer Arbeiter aus Firmen die materielle Grundlage für die Gewalt legte.

Gleichzeitig richtete sich die PKP auch gegen die feudal-religiöse politische Führung auf arabischer Seite, die in den Auseinandersetzungen einen religiös-nationalistischen Standpunkt einnahm, ohne die nationale Frage mit der sozialen Frage zu verbinden. Die Kommunistische Partei richtete sich daher sowohl an die jüdische Arbeiterschaft mit der Forderung, die Kontrolle der zionistischen Organisationen zu überwinden und sich vom Zionismus, als einer Bewegung der jüdischen Bourgeoisie loszusagen, als auch an die arabische Bevölkerung mit der Forderung, die arabischen Großgrundbesitzer und Scheichs zu bekämpfen.

Die Revolte 1936–1939

Im Vergleich zu früheren Auseinandersetzungen entwickelte sich die Revolte von 1936–1939 zu einem Aufstand, der sich vor allem gegen den britischen Imperialismus richtete. Diese Stoßrichtung zeigt sich auch durch Aufstände in den arabischen Nachbarländern gegen die britische und französische Herrschaft, die zusätzlich als Katalysator für die Ereignisse in Palästina wirkten. So kam es in Syrien und im Libanon, die unter der Kontrolle Frankreichs standen, 1925–1927 und 1934–1936, sowie im britisch kontrollierten Irak 1935–1936 zu Unruhen.

Der palästinensische Aufstand begann im April 1936 durch gewaltsame Unruhen, die sich schnell ausbreiteten. Ein sechs Monate andauernder, landesweiter Generalstreik folgte am 8. Mai, nachdem es im April bereits zu mehreren lokalen Streiks gekommen war. Angeführt wurde die Bewegung durch das Arabische Hohe Komitee. Bei diesem Komitee handelte es sich um einen Zusammenschluss, der aus mehreren Parteien, die vor allem die feudal-religiösen und bürgerlich-arabischen Kräfte repräsentierten, gebildet wurde.

Gleichzeitig stellte die Bildung des Komitees einen Versuch der arabischen Eliten dar, sich an die Spitze der Volksbewegung zu stellen und diese zu kontrollieren. Die anfangs weitestgehend friedliche Bewegung verwandelte sich im Laufe des Jahres 1936 durch Angriffe auf britische Soldaten, Polizeistationen, jüdische Siedlungen, aber auch durch Sabotageakte auf Eisenbahnstrecken oder Pipelines zu einem bewaffneten Kampf. Die britische Ankündigung einer Teilung Palästinas im Juli 1937 gab der Revolte neuen Aufwind.

Die Truppen des britischen Imperialismus gingen mit aller Härte gegen den Aufstand vor. Aufgrund des zähen Widerstandes war Großbritannien dazu gezwungen, Truppen aus anderen Gebieten, etwa Ägypten und Malta, nach Palästina zu verlegen, um der Lage Herr zu werden. Tatkräftige Unterstützung leisteten zionistische Milizen wie die Haganah und die Irgun. Die Haganah bildete nach 1948 den Kern der israelischen Armee (IDF).

Die Gewalt der britischen Soldaten und ihrer Verbündeten richtete sich auch gegen arabische Zivilistinnen und Zivilisten, die oft kollektiver Bestrafung ausgesetzt waren. Dörfer wurden zerstört und Bewohner in Arbeitslagern interniert. Die rund 18–20.000 britischen Soldaten, die sich im Oktober 1938 in Palästina befanden, waren für eine lange Reihe an Verbrechen gegen die widerständige Bevölkerung verantwortlich. Rund 3000 palästinensische Araber verloren während der Revolte ihr Leben, zwischen 6000 und 8000 wurden verwundet und rund 6000 in Gefängnissen oder Lagern inhaftiert.

Die Rolle der Kommunisten

Für die Palästinensische Kommunistische Partei handelte es sich bei dem Aufstand um einen legitimen Kampf für nationale Befreiung gegen den britischen Imperialismus und den Zionismus. Die Partei wies die Anschuldigung, es handle sich um einen antisemitischen Aufstand und auch die Behauptung, der Aufstand wäre durch die Propaganda Nazi-Deutschlands provoziert worden, in ihren Veröffentlichungen zurück, indem sie auf den Charakter und die Rolle des britischen Imperialismus verwies.

Die PKP positionierte sich seit ihrer Gründung antizionistisch, auch wenn sie insbesondere in ihren ersten Jahren kaum Rückhalt unter der arabischen Arbeiter- und Bauernschaft besaß und vor allem durch jüdische Arbeiter geprägt war. Von der Kommunistischen Internationale bekam die junge Partei die Aufgabe gestellt, die Isolation unter der arabischen Arbeiter- und Bauernschaft zu überwinden, ein Vorhaben, dessen Umsetzung zunächst nur teilweise von Erfolg gekrönt war.

Trotz ihres beschränkten Einflusses beteiligte sich die Partei mit all ihren Kräften an der Revolte von 1936–1939. Für die Partei war der heldenhafte Einsatz während des Aufstandes auch mit Opfern verbunden. Alleine in den sechs Monaten des Streiks im Jahr 1936 wurden 46 Mitglieder der Partei deportiert, 264 weitere Mitglieder und Sympathisanten wurden inhaftiert.

Gleichzeitig machten sich die Spannungen zwischen jüdischen und arabischen Arbeitern auch in der KP selbst bemerkbar. Während des Aufstandes von 1936–1939 stellte sich die Partei entschieden auf die Seite des Widerstandes, akzeptierte gleichzeitig jedoch auch die führende Rolle feudaler Kräfte. Dieser Umstand war nicht zuletzt ihrer eigenen Schwäche und Isoliertheit geschuldet, spiegelte gleichzeitig jedoch auch die Orientierung der internationalen Kommunistischen Bewegung der Zeit wider.

Die Spannungen mit dem jüdischen Flügel der Partei führten im Jahr 1943 zum endgültigen Bruch, als ein Teil des jüdischen Flügels einen Streik der zionistischen Gewerkschaft Histadrut, die ein integraler Bestandteil der zionistischen Siedlungsbestrebungen war und in deren Reihen sich keine arabischen Arbeiter organisieren durften, unterstützte. 

Quelle: Anastasios I. Gikas, The Palestinian Question: A Historical Review of its Roots an Evolution (basierend auf einer Artikelserie der Rizopastis)

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Bildquelle: PLO Collection, Institute for Palestine Studies, hanini.org, Public domain, via Wikimedia Commons
Schlagworte: Arabischer AufstandGeschichteKolonialismusPalästina

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