Wien. In Wien-Hietzing soll ein 25-jähriger Mann seine ehemalige Partnerin überwältigt, mehrere Stunden gegen ihren Willen in ihrer Wohnung festgehalten und mit einem Küchenmesser bedroht haben. Nach Angaben der Polizei wollte er die Trennung nicht akzeptieren und die 26-Jährige zur Wiederaufnahme der Beziehung zwingen.
Der Mann soll in den frühen Morgenstunden die Eingangstür des Wohnhauses eingetreten und der Frau im Stiegenhaus aufgelauert haben. Als sie ihre Wohnung verlassen wollte, um zur Arbeit zu gehen, soll er sie zurück in die Wohnung gedrängt und dort festgehalten haben. Erst nachdem es der Betroffenen gelang, unbemerkt eine Nachricht an Freunde abzusetzen, konnte die Polizei alarmiert werden. Der Tatverdächtige wurde vorläufig festgenommen. Gegen ihn wurden ein Betretungs- und Annäherungsverbot sowie ein vorläufiges Waffenverbot ausgesprochen.
Die Frau gab bei ihrer Einvernahme außerdem an, dass es bereits während der Beziehung wiederholt zu Gewalt gekommen sein soll.
Gewalt als Ausdruck patriarchaler Machtverhältnisse
Der Fall zeigt erneut, dass Gewalt gegen Frauen kein individuelles Randphänomen ist. Sie entsteht nicht aus dem Nichts und ist auch nicht bloß das Ergebnis persönlicher Konflikte oder „Beziehungsdramen“. Der Kern solcher Taten liegt häufig in patriarchalen Besitz- und Machtvorstellungen, nach denen Frauen nicht als selbstbestimmte Menschen, sondern als Objekte männlicher Kontrolle betrachtet werden.
Gerade Trennungen stellen für viele Täter einen Moment dar, in dem diese Kontrolle verloren geht. Die Weigerung, eine Trennung zu akzeptieren, die Versuche, Frauen einzuschüchtern oder zur Rückkehr in eine Beziehung zu zwingen, und die Anwendung von Gewalt folgen derselben Logik: der Vorstellung, über das Leben und die Entscheidungen einer Frau verfügen zu können.
Patriarchat und Klassenverhältnisse
Solche Taten müssen auch im Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Verhältnissen betrachtet werden. Das Patriarchat ist keine zufällige Ansammlung individueller Einstellungen, sondern historisch mit Klassenherrschaft und Eigentumsverhältnissen verbunden.
Die kapitalistische Gesellschaft reproduziert bis heute Strukturen, in denen Frauen überdurchschnittlich von ökonomischer Abhängigkeit, unbezahlter Reproduktionsarbeit und geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen sind. Gleichzeitig werden Gewalt und Kontrolle häufig als private Angelegenheiten behandelt, obwohl sie gesellschaftliche Ursachen haben.
Das bedeutet nicht, individuelle Täter aus ihrer Verantwortung zu entlassen. Im Gegenteil: Wer Gewalt ausübt, trägt die Verantwortung für seine Taten. Doch eine Gesellschaft, die Gewalt gegen Frauen wirksam bekämpfen will, muss auch die Bedingungen bekämpfen, unter denen solche Gewalt immer wieder entsteht.
Schutz und Solidarität
Der aktuelle Fall verdeutlicht außerdem die Bedeutung von Unterstützungsnetzwerken. Dass die Frau Hilfe holen konnte, war nur möglich, weil sie Kontakt zu Menschen hatte, die ihre Nachricht ernst nahmen und die Polizei verständigten.
Gewalt gegen Frauen darf nicht als privates Problem behandelt werden. Sie ist eine gesellschaftliche Frage, die Solidarität, Schutzstrukturen und politische Konsequenzen erfordert.
Die Befreiung der Frau von Gewalt und Unterdrückung ist untrennbar mit dem Kampf gegen patriarchale Verhältnisse verbunden. Für uns ist dieser Kampf Teil des umfassenderen Kampfes gegen alle Formen von Ausbeutung, Unterdrückung und Herrschaft.
Solange patriarchale Machtverhältnisse fortbestehen, werden Frauen weiterhin von Gewalt bedroht sein. Ihnen entgegenzutreten bleibt eine Aufgabe der gesamten Arbeiterbewegung.
Quelle: ORF




















































































