Künstliche Intelligenz entwickelt sich rasant weiter. So auch in der Bilder- und Videogenerierung. Darstellungen von sexuellem Kindesmissbrauch sind dabei nicht ausgeschlossen – über 15.000 Bilder und Videos wurden in den letzten zwei Jahren von der Internet Watch Foundation als solche eingestuft. Europol warnt davor, dass es zur Objektifizierung und Sexualisierung von Kindern kommen kann, Forschende gehen davon aus, diese missbräuchlichen Inhalte können zur Normalisierung und Desensibilisierung solcher beitragen.
Cambridge. Künstliche Intelligenz (KI) ist, obgleich sie nun schon ein paar Jahre zur Verfügung steht, noch ein eher neues Phänomen und kann somit noch nicht in ihrer Gänze bemessen werden. Durch die stetige Verbesserung in Textgenerierung, Qualität von Bildern, Videos, Musik etc. stehen der öffentlichen Allgemeinheit mehr Möglichkeiten offen, von denen vor gerade einmal drei Jahren nur geträumt werden konnte. KI gibt es in vielen Anwendungsbereichen; sei es auf Websites als Chatbot, welcher Antwort und Hilfestellung bieten soll, als neue ‚Spotify-Künstler‘, als ‚Lern- und Lehrunterstützung‘ in der Aus- und Weiterbildung, als Code-Schreiberin in der IT, als Marketingmanager, als Übersetzerin, aber auch im Einsatz zur Krebserkennung. Klar ist, Systeme der Künstlichen Intelligenz sind vielfach einsetzbar und werden stetig weiterentwickelt. In dem Maße, wie, nach der Logik des maschinellen Lernens, das KI-System mit mehr Daten gefüttert wird, wodurch es qua Algorithmen Muster erkennen und dahingehend ‚Neues‘ generieren kann. Die Qualität gerade von generierten Bildern und Videos wird dabei realistischer und hat oftmals schon Maße erreicht, bei denen nicht mehr sichergestellt werden kann, ob diese nun echt sind oder nur generiert.
Die Regellosigkeit mit der Vertreiber von KI-Apps und Websites einstweilen walten können zeigt sich mitunter in der zunehmenden Prävalenz erotischer und sexueller Generierung. Sei es in Form von Chatbots, generierten Bildern oder auch Videos, die selbst immer realistischer aussehen. Die Internet Watch Foundation (IWF), welche im Vereinigten Königreich situiert ist, setzt sich dafür ein, dass Darstellungen von sexuellem Kindermissbrauch aus dem Internet beseitigt werden. Sie ist Mitbegründerin von ‚INHOPE‘, dem globalen Netzwerk zur Bekämpfung von Material über sexuellen Kindesmissbrauch online. In den vergangenen zwei Jahren hat der IWF 15.036 KI-generierte Bilder und Videos als Darstellungen sexueller Kindesmisshandlung eingestuft. Durch ihren jährlichen Report ist ersichtlich, dass im Jahr 2025 die Schaffung von Videos, welche explizit sexuellen Missbrauch von Kindern zeigen im Vergleich zum Vorjahr 26.385 Prozent gestiegen ist – von 13 generierten Videos im Jahr 2024 zu 3.443 Videos im Jahr 2025. 65 Prozent (2.233) dieser Videos sind der Kategorie A zuzuordnen, diese ist die schwerste Straftatbestandskategorie nach britischem Recht, die Straftaten wie Vergewaltigung, sexuelle Folter und Sodomie umfasst. Weitere 30 Prozent (1.027) fallen unter die Kategorie B, welche Inhalte beansprucht, welche nicht penetrativer Natur sind. Die Produktion von Bildern sank im Vergleich zum Jahr 2024 – von 6.994 auf 4.586 sichergestellten Dateien. Dies kann daher rühren, dass es 2025 einen großen Anstieg der Verfügbarkeit von Open-Source-KI-Modellen für Videos gab; durch diese Verfügbarkeit könnte es sein, dass Vertreiber dieser Inhalte nun von Standbildern zu Videos umschwenken, da auch das generierte Videomaterial immer realistisch aussehender wird.
Gleichzeitig waren 97 Prozent aller KI-generierten Inhalte, die sexuelle Kindesmisshandlung abbildeten Darstellungen von Mädchen. Die Kommodifizierung und ein ausgeprägtes Gefühl des Eigentumsanspruchs am Körper von Frauen und Mädchen werden hier erneut deutlich und könnte sich um vieles verstärken.
Die Produktion solcher Inhalte ist manches mal zur Gänze KI-generiert – wobei gesagt werden muss, dass KI sich Daten echter Menschen aneignet und neu zusammensetzt, um überhaupt etwas generieren zu können, daraus ist erneut die Frage zu stellen, wie künstlich diese Inhalte nun wirklich sind – jedoch gibt es eben auch viele Formen, in welchen Bilder echter Kinder und Jugendlichen hochgeladen werden, welche dann durch die KI modifiziert werden. Beispielsweise durch sogenannte „nudify“-Apps werden Personen durch die KI entkleidet und der vermeintlich nackte Körper unter dieser Kleidung wird porträtiert. Obgleich das generierte Material in Gänze künstlich erschaffen wurde, tragen KI-generierte Inhalte sexuellen Kindesmissbrauchs weiter zur Objektifizierung und Sexualisierung von Kindern bei, gleichzeitig auch zur Desensibilisierung und Normalisierung solcher Inhalte.
Zunehmend wird davon ausgegangen, dass der Umgang mit solchem künstlichem Material die psychologische Hemmschwelle für Individuen senkt, nach weiteren extremeren Inhalten zu suchen, was wiederum das Risiko eines Übergangs zu realem Missbrauch erhöht. Untersuchungen zu Tätern von sexuellem Kindesmissbrauch deuten darauf hin, dass jene, die missbräuchliche Inhalte konsumieren, den erzeugten Schaden herunterzuspielen, anstatt den Missbrauch zu befürworten. KI-generierte missbräuchliche Inhalte könnten einen ähnlichen Mechanismus bewirken und verstärken, indem die Konsumentinnen und Konsumenten dieser Inhalte sich dahingehend selbst Rechtfertigung liefern, so sei das missbräuchliche Material ja künstlich geschaffen – nicht mit einer echten Kamera aufgenommen worden. Die zugrundeliegenden ausbeuterischen Themen bleiben jedoch.
Ein weiteres (naheliegendes) Phänomen ist die Kommerzialisierung KI-generierter Inhalte von Kindesmissbrauch, welche Journalistinnen und Journalisten, sowie Kinderschutzorganisationen vermehrt dokumentieren. Sei es durch das einmalige Bezahlen zum Zugang der Missbrauchsbilder oder aber nach dem Prinzip des Abos, bei dem monatlich 5.000 Yen (27 Euro) oder aber auch 17 Pfund Sterling (19,6 Euro) gezahlt werden, um alle Inhalte freizuschalten, wie die IWF von konkreten Beispielen berichtete.
Es gibt auch zahlreiche Beispiele für Vertreiber von KI-Modellen, welche extra auf das Herstellen von pornografischen Inhalten trainiert und spezialisiert sind. Das Vorhandensein eines kommerzialisierten Markts, welcher die nächsten Jahre noch zunehmen könnte, festigt die ausbeuterische Wirtschaftsstruktur und schafft Anreize KI-Technologien und ‑Tools weiterzuentwickeln, auszubauen und zu raffinieren. Die fehlenden Regulierungen und die Eigendynamik tragen dabei zum Fortbestehen und zur Verbreitung von Material bei, dass die sexuelle Ausbeutung von Kindern zeigt und verstärkt die Reichweite dieses Materials – was erst wieder zu einer Normalisierung führt.
Dass nun in neuem, vorher noch nicht verfügbaren Maße technische Entwicklung genutzt wird, um neue Absatzmärkte im Sinne der Darstellung sexuellem Kindesmissbrauchs zu gestalten, ist logische Konsequenz eines Systems, welches den Profit über das menschliche Leben stellt. Der Mensch, der zur Ware degradiert wird, wird profitabel und wenn der neueste Schrei Künstliche Intelligenz ist, wird alles daran gesetzt durch diese die Menschen in neuer Weise zu melken, auch wenn dafür ein paar Kinder zukünftige Opfer sexueller Gewalt werden.
Quellen: IWF/IWF/Europol/Ciardha et al./IWF


















































































