Mit der Novelle des Glücksspielgesetzes öffnet die Bundesregierung den Online-Markt für private Anbieter. Trotz einzelner Schutzmaßnahmen drohen durch diesen Schritt ein höheres Risiko für Spielsucht und Überschuldung – zugunsten privater Profitinteressen.
Die von der Bundesregierung beschlossene Novelle des Glücksspielgesetzes wird als Modernisierung und Stärkung des Spielerschutzes präsentiert. Tatsächlich bedeutet sie jedoch vor allem eine Liberalisierung des Online-Glücksspielmarktes zugunsten privater Profitinteressen. Anstatt Glücksspiel als gesellschaftliches Problem weiter zurückzudrängen, wird der Markt für zahlreiche neue Anbieter geöffnet – mit absehbaren Folgen: mehr Werbung, mehr Konkurrenz um Spielerinnen und Spieler und damit auch ein höheres Risiko für Spielsucht und Verschuldung, weil es präsenter und mit mehr angeboten verknüpft wird.
Zwar enthält das Gesetz einzelne Maßnahmen wie ein zentrales Sperrregister oder die Verpflichtung, offene Spielerschutzansprüche zu begleichen. Diese Regelungen sind grundsätzlich zu begrüßen, ändern aber nichts am grundlegenden Stoßrichtung der Reform. Denn jeder zusätzliche Anbieter hat ein wirtschaftliches Interesse daran, möglichst viele Menschen möglichst lange mit möglichst hohem Einsatz zum Spielen zu bewegen. Wo Profite im Zentrum stehen, geraten soziale Folgekosten zwangsläufig in den Hintergrund.
Internationale Erfahrungen zeigen, dass eine Marktöffnung tendenziell zu einer massiven Zunahme der Werbung und einer stärkeren gesellschaftlichen Präsenz von Glücksspiel führt. Besonders gefährdet sind dabei junge Menschen sowie Personen, die sich bereits in finanziellen oder psychischen Belastungssituationen befinden. Spielsucht zerstört Existenzen, belastet Familien und verursacht hohe gesellschaftliche Kosten – wie jede Sucht.
Die Regierung argumentiert, mit der Öffnung des Marktes werde der Schwarzmarkt eingedämmt. Statt immer neue Geschäftsmodelle rund um das Glücksspiel zu ermöglichen, wäre eine Politik notwendig, die das Glücksspielangebot insgesamt reduziert, Werbung deutlich einschränkt und den Schutz der Bevölkerung über die Profitinteressen privater Konzerne stellt.
Besonders problematisch ist zudem, dass Sportwetten weiterhin nicht dem Glücksspielgesetz unterstellt werden. Damit besteht die Gefahr, dass sich problematisches Spielverhalten lediglich in einen anderen Bereich verlagert, anstatt wirksam bekämpft zu werden. Auch im Fall des Onlineglücksspiels demonstrieren den Herrschenden in der Politik wem sie dienen, die Konzernen und ihren Profiten.
Quelle: ORF



















































































