Immer weniger Betriebe bilden Lehrlinge aus, die Zahl der Jugendlichen auf Lehrstellensuche steigt wiederum. Im Burgenland ist die Zahl offener Lehrstellen innerhalb eines Jahres um 21 Prozent zurückgegangen.
Eisenstadt. Die Zahl der betrieblichen Lehrstellen in ganz Österreich ist auf einen historischen Tiefstand gesunken. Nach Angaben der Arbeiterkammer fehlen bundesweit fast 17.000 Lehrstellen. Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung im Burgenland: Dort ist das Angebot an offenen Lehrstellen laut aktuellen Zahlen um 21 Prozent zurückgegangen.
Während Ende 2005 im Burgenland noch mehr als 2.700 Lehrlinge ausgebildet wurden, sind es zwanzig Jahre später rund 700 weniger. Für AK-Präsident Gerhard Michalitsch ist das ein Zeichen dafür, dass sich immer weniger Unternehmen an der Lehrlingsausbildung beteiligen. Gleichzeitig nehme die Zahl der Jugendlichen zu, die eine Ausbildung suchen.
Auch die Qualität der Ausbildung steht zunehmend in der Kritik. Laut dem österreichweiten ÖGJ-Lehrlingsmonitor, für den mehr als 6.000 Lehrlinge befragt wurden, bewertet mehr als ein Drittel die Ausbildungsbedingungen als schlecht oder sehr schlecht. Das ist der höchste gemessene Wert seit 2015. Nach Angaben der AK führt diese Entwicklung dazu, dass jeder vierte Lehrling später nicht im erlernten Beruf bleiben möchte.
Die Arbeiterkammer fordert daher bessere Ausbildungsbedingungen sowie ausreichend finanzielle Mittel für den Arbeitsmarktservice, um Jugendliche bei der Suche nach Ausbildungsplätzen stärker unterstützen zu können. Die Wirtschaftskammer Burgenland weist die Kritik an den Unternehmen zurück. Präsident Andreas Wirth verweist auf die hohe bürokratische Belastung vieler Betriebe.
Tatsächlich zeigt aber diese Entwicklung zunehmend strukturelle Probleme des Ausbildungssystems auf. Während Betriebe über Fachkräftemangel klagen, sinkt gleichzeitig die Bereitschaft vieler Unternehmen, selbst Lehrlinge auszubilden. Schlechte Ausbildungsbedingungen, fehlende Perspektiven und der Rückgang offener Lehrstellen verschärfen die Situation zusätzlich. Das Versagen eines Systems, das es seit Jahren nicht schafft, ausreichend Ausbildungsplätze und attraktive Bedingungen für junge Menschen sicherzustellen, ist offenkundig.
Quelle: ORF


















































































