Rosen, Orchideen, Pralinen und Restaurantbesuche: Der Muttertag zählt auch heuer wieder zu den umsatzstärksten Tagen des Jahres. Laut Wirtschaftskammer und KMU-Forschung plant rund die Hälfte der Steirerinnen und Steirer beispielsweisen Ausgaben für den Muttertag. Der Handel rechnet allein in der Steiermark mit rund 43 Millionen Euro Umsatz. Für Floristinnen und Floristen bedeutet das Hochbetrieb, bis zu 70 Prozent mehr Ware werde eingekauft, heißt es aus der Branche. Besonders beliebt seien Rosen, Tulpen und Orchideen. Auch Gutscheine, Wellnessangebote und Einladungen ins Restaurant boomen.
Der Muttertag ist nicht nur ein emotional aufgeladener Feiertag, sondern längst ein lukratives Geschäft. Während Unternehmen mit dem Bild der aufopfernden Mutter werben und Dankbarkeit vermarkten, bleibt die Lebensrealität vieler Mütter in Österreich von Überlastung und Unsicherheit geprägt. Denn ein Tag voller Blumen und symbolischer Wertschätzung – so nett dies auch gemeint sein mag – ändert nichts an den strukturellen Problemen, mit denen besonders Frauen aus der Arbeiterklasse täglich konfrontiert sind.
Zwischen Erwerbsarbeit und Care-Arbeit
Frauen sollen heute alles gleichzeitig sein, berufstätig, finanziell unabhängig, fürsorglich, emotional verfügbar und perfekte Mütter. Doch die gesellschaftlichen Bedingungen dafür existieren kaum bis gar nicht. Gerade in Österreich sind traditionelle Geschlechterverhältnisse und konservative geschlechtliche Arbeitsteilung weiterhin stark verbreitet. Gleichzeitig zwingt auch die ökonomische Realität – Teuerung und stagnierende Einkommen – viele Familien dazu, dass beide Elternteile arbeiten gehen. Die Verantwortung für Kinderbetreuung, Haushalt und Pflegearbeit bleibt dennoch überwiegend an den Frauen hängen, während Kinderbetreuung weder qualitativ noch quantitativ in einem ausreichenden Maße zur Verfügung steht.
Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird individualisiert. Statt gesellschaftliche Lösungen zu schaffen, wird von Müttern erwartet, selbst zu organisieren und zu entscheiden, ob und wie sie Erwerbsarbeit und Sorgearbeit bewältigen. Fehlende Ganztagsbetreuung, eingeschränkte Öffnungszeiten von Kindergärten und mangelnde Infrastruktur – besonders außerhalb der Städte – führen zu der Situation dass Frauen vermeintlich Rabenmütter sein können oder vielfach von ihren Partnern ökonomisch abhängen und in jedem Fall eine große psychische Belastung tragen. Lediglich um die 50 Prozent der Kindergärten ermöglichen eine Vollzeitwerwerbstätigkeit. Was politisch als „Vereinbarkeit“ bezeichnet wird, bedeutet für viele Frauen in Wahrheit permanente Überforderung und ist ein Märchen.
Die unsichtbare Belastung
Neben der sichtbaren vielfach unbezahlten Arbeit tragen Frauen häufig auch die Last des sogenannten „Mental Loads“, unsichtbare Organisations- und Planungsarbeit des Familienalltags. Arzttermine, Elternabende, Einkäufe, Geburtstage, Essensplanung oder emotionale Fürsorge – all das bleibt meist an den Müttern hängen. Diese Dauerbelastung hat Folgen. Psychische Erschöpfung, Stress und gesundheitliche Probleme nehmen zu. Gleichzeitig geraten viele Frauen ökonomisch ins Hintertreffen.
In Österreich liegt der Gender Pay Gap nach wie vor bei knapp 20 Prozent. Frauen verdienen also im Durchschnitt deutlich weniger als Männer. Noch drastischer zeigt sich die Ungleichheit im Alter, nämlich in der Konsequenz wie unbezahlte Care-Arbeit in Österreich aufgeteilt wird, der Gender Pension Gap beträgt über 40 Prozent. Gründe dafür sind Teilzeitbeschäftigung, Erwerbsunterbrechungen und die gesellschaftliche Abwertung von Care-Arbeit.
Teilzeit ist dabei selten eine freie Entscheidung. Viele Frauen reduzieren ihre Arbeitszeit, weil Kinderbetreuung und Haushalt sonst nicht bewältigbar wären. Die Konsequenzen tragen sie oft ein Leben lang – durch geringeres Einkommen, niedrigere Pensionen und höhere Armutsgefährdung.
Blumen lösen keine strukturellen Probleme
Der Muttertag inszeniert Dankbarkeit für jene Arbeit, die gesellschaftlich notwendig ist, aber gleichzeitig unsichtbar gemacht und abgewertet wird. Ein Blumenstrauß oder ein Wellnessgutschein ändern nichts daran, dass Frauen weiterhin den Großteil unbezahlter Sorgearbeit leisten und dafür ökonomisch bestraft werden.
Während Unternehmen am Muttertag Rekordumsätze feiern, bleibt die zentrale Frage ungelöst: Warum wird Care-Arbeit noch immer privatisiert und auf einzelne Frauen abgewälzt? Notwendig wären massive Investitionen in öffentliche Kinderbetreuung, ganztägige Bildungseinrichtungen, Arbeitszeitverkürzung und eine gerechtere Verteilung von Sorgearbeit. Die Wurzel hierfür liegt im Kapitalismus, der auf die patriarchalen Strukturen zurückgreift und von Sorge absieht, und sie Frauen als zu lösende und vermeintlich lösbare Herausforderung überantwortet. Mütter brauchen mehr als Muttertag, Frauen brauchen Brot und Rosen!
Quelle: ORF






















































































