Die neuesten Zahlen des Arbeitsmarktservice (AMS) zeigen die werktätigen Frauen zahlen als Teil der Arbeiterklasse für die Krise. Ende April waren 398.342 Menschen arbeitslos oder in Schulung gemeldet – ein Anstieg um 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Doch dieser Anstieg ist kein allgemeiner, er betrifft ausschließlich Frauen.
Während die Arbeitslosigkeit in männerdominierten Branchen wie Bau und Industrie sinkt oder stagniert, steigt sie dort deutlich an, wo überwiegend Frauen arbeiten, im Handel sowie im Gesundheits- und Sozialbereich. Die Zahl der arbeitslos gemeldeten Frauen inklusive Schulungsteilnehmerinnen stieg um 4,9 Prozent, während sie bei Männern sogar um 1,6 Prozent zurückging.
Staatliche oder staatlich subventionierte Jobs in der Krise – und mit ihm viele werktätige Frauen
Gerade jene Bereiche, die für das gesellschaftliche Leben unverzichtbar sind – Pflege, Betreuung, soziale Dienstleistungen – geraten zunehmend unter Druck. Jahrzehntelange Unterfinanzierung, Arbeitsverdichtung und Privatisierung sowie weitere Kürzungen zeigen ihre Wirkung. Dass ausgerechnet hier die Arbeitslosigkeit steigt, während gleichzeitig ein Fachkräftemangel beklagt wird, ist kein Widerspruch. Im Kapitalismus wird Care-Arbeit nicht als gesellschaftliche Notwendigkeit behandelt. Beschäftigte werden verschlissen, Arbeitsbedingungen verschlechtert, und wenn die Konjunktur schwankt, werden gerade in diesen Bereichen Stellen abgebaut oder nicht nachbesetzt. Frauen, die ohnehin den Großteil dieser Arbeit leisten – bezahlt wie unbezahlt –, werden so doppelt getroffen.
Besonders alarmierend ist der Anstieg der Langzeitbeschäftigungslosigkeit. Über 103.000 Menschen sind mittlerweile länger ohne Job – ein Plus von 13,3 Prozent. Die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit liegt inzwischen bei 134 Tagen. Wer einmal aus dem Arbeitsmarkt raus ist, hat es immer schwerer zurückzukehren. Für Frauen verschärft sich diese Dynamik durch Betreuungspflichten und Teilzeitfallen zusätzlich.
Regierung setzt auf kosmetische Maßnahmen und Sparmaßnahmen
Arbeitsministerin Korinna Schumann verspricht, „niemanden zurückzulassen“. Doch solche Aussagen stehen im Widerspruch zur tatsächlichen Politik. Während von Offensivmaßnahmen gesprochen wird, bleiben Sparmaßnahmen bestehen und werden verschärft.
Von Seiten der Wirtschaft wird die Situation erwartungsgemäß genutzt, um alte Forderungen zu wiederholen: Senkung der Lohnnebenkosten, keine neuen Steuern, mehr „Flexibilität“. Hinter diesen Schlagworten verbirgt sich nichts anderes als ein weiterer Angriff auf soziale Sicherungssysteme und Arbeitsrechte. Gleichzeitig wird auf tausende offene Stellen verwiesen – ohne zu erwähnen, dass es sich dabei oft um schlecht bezahlte, prekäre oder schwer mit Care-Verpflichtungen vereinbare Jobs handelt. Der „Fachkräftemangel“ ist in Wahrheit ein Mangel an akzeptablen Arbeitsbedingungen.
Die steigende Arbeitslosigkeit von Frauen ist kein Randphänomen, sondern Ausdruck eines Systems, das auf geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung basiert und indem sie in Beschäftigungsbereichen arbeiten, die besonders von Austeritätsmaßnahmen und Krisen betroffen sind.
Quelle: ORF


















































































