Wien. Ein 22-jähriger Mann bedroht in Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus seine Ex-Partnerin mit einer Waffe, drückt mehrfach ab, droht mit einer Explosion durch Manipulation der Gasleitung – und das alles im Beisein eines dreijährigen Kindes. Die Frau kann ihn aus der Wohnung drängen, ruft die Polizei, der Täter wird festgenommen. Frau und Kind bleiben körperlich unverletzt.
Doch wer hier von einem „glimpflichen Ausgang“ spricht, verkennt die Realität.
Denn was sich in dieser Wohnung abgespielt hat, ist kein isolierter Vorfall. Es ist Ausdruck einer Gewaltstruktur, die tief in der Gesellschaft verankert ist – und die besonders Frauen aus der Arbeiterklasse betrifft. Die Drohung, die Kontrolle, die Einschüchterung bis hin zur möglichen Tötung: All das sind keine „Ausraster“, sondern Mittel patriarchaler Machtausübung.
Die Tatsache, dass ein Kind anwesend war, verschärft die Situation zusätzlich. Gewalt gegen Frauen ist immer auch Gewalt gegen Kinder. Sie erleben Angst, Ohnmacht und Bedrohung – und wachsen in einem Umfeld auf, in dem Gewalt als Realität präsent ist.
Bemerkenswert ist jedoch auch, wie schnell der Fall juristisch „abgearbeitet“ wird. Betretungs- und Annäherungsverbot, Waffenverbot – und Anzeige auf freiem Fuß. Ein bekanntes Muster. Der Staat greift ein, verwaltet den Vorfall, stellt Regeln auf – doch an den Ursachen ändert sich nichts.
Denn Gewalt gegen Frauen entsteht nicht im luftleeren Raum.
Sie ist eingebettet in ein System, das auf Ungleichheit basiert. Ökonomische Abhängigkeit, prekäre Lebensverhältnisse, Wohnungsnot, Stress und Perspektivlosigkeit verschärfen Konflikte – und treffen auf patriarchale Strukturen, in denen Männer Gewalt als Mittel der Kontrolle gelernt haben. Der Kapitalismus reproduziert diese Bedingungen täglich, weil er auf Ausbeutung, Konkurrenz und Hierarchien basiert.
Gleichzeitig wird die Verantwortung individualisiert. Der Täter wird als „Einzelfall“ dargestellt, als Problem eines Einzelnen. Doch damit wird verschleiert, dass solche Taten systematisch auftreten. Frauenhäuser sind überfüllt, Beratungsstellen unterfinanziert, Präventionsarbeit chronisch vernachlässigt.
Für Frauen aus der Arbeiterklasse bedeutet das: Sie sind Gewalt ausgesetzt – und haben oft nicht die Mittel, sich ihr zu entziehen.
Eine wirkliche Bekämpfung solcher Gewalt kann jedoch nicht bei individuellen Maßnahmen stehen bleiben. Sie erfordert eine grundlegende Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse.
Wir dürfen Gewalt gegen Frauen nicht isoliert betrachten, sondern als Teil des kapitalistischen Systems. Das bedeutet, Schutz, Sicherheit und Selbstbestimmung darf nicht als private Angelegenheiten behandelt werden, sondern als gesellschaftliche Aufgaben.
Solange Frauen ökonomisch abhängig sind, solange soziale Infrastruktur fehlt und solange Gewalt als individuelles Problem behandelt wird, wird sich an der Realität wenig ändern.
Quelle: ORF



















































































