Köln/BRD. Die anhaltenden Streiks beim deutschen Luftfahrtkonzern Lufthansa zeigen einmal mehr eine zentrale Wahrheit kapitalistischer Gesellschaften: Ohne die Arbeit der Beschäftigten steht alles still. Hunderte gestrichene Flüge, über 900 abgesagte Starts und Landungen an den Drehkreuzen Frankfurt und München, Ausfälle auch in Wien und Salzburg – all das ist Ausdruck eines grundlegenden Konflikts zwischen Kapital und Arbeit.
Ein Arbeitskampf mit klaren Fronten
Der Streik des fliegenden Personals – konkret der Pilotinnen und Piloten – richtet sich gegen Verschlechterungen bei den Betriebspensionen. Dass dieser Konflikt eskaliert, ist kein Zufall. In großen Konzernen wie Lufthansa werden Gewinne privatisiert, während Risiken und Einschnitte zunehmend auf die Beschäftigten abgewälzt werden.
Die massive Zahl an Flugausfällen zeigt, wie zentral die Rolle der Beschäftigten ist. Ohne Pilotinnen und Piloten hebt kein Flugzeug ab. Ohne Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter – die laut Ankündigung in den kommenden Tagen ebenfalls streiken werden – funktioniert der Betrieb ebenso wenig. Und dennoch sind es genau diese Gruppen, deren soziale Absicherung zur Verhandlungsmasse gemacht wird.
Die Logik des Kapitals: Sparen auf Kosten der Beschäftigten
Im Zentrum des Konflikts steht die Betriebspension – also nichts anderes als die Frage, wie Menschen nach einem langen Arbeitsleben abgesichert sind. Dass hier gestritten wird, zeigt die Logik kapitalistischer Unternehmensführung: Kosten müssen gesenkt, Profite gesichert werden. Und wo wird gespart? Bei den Beschäftigten.
Dabei ist die Luftfahrtbranche kein Bereich, in dem „kein Geld da“ wäre. Vielmehr geht es darum, wie dieses Geld verteilt wird. Während Managergehälter und Aktionärsinteressen unangetastet bleiben, sollen Pilotinnen und Piloten Einbußen hinnehmen. Der Konflikt ist also kein technischer, sondern ein politischer: Wer bekommt welchen Anteil am gemeinsam erarbeiteten Reichtum?
Auswirkungen für Reisende – und die falsche Schuldzuweisung
Besonders betroffen sind Reisende, die über die großen Drehkreuze Frankfurt und München fliegen. Auch in Österreich – etwa in Wien und Salzburg – kommt es zu Ausfällen. Für viele Passagierinnen und Passagiere bedeutet das Unsicherheit, Verspätungen und Ärger.
Doch die Verantwortung für die Eskalation liegt nicht bei den Beschäftigten, sondern bei einem System, das ihre Rechte und ihre soziale Sicherheit immer wieder zur Disposition stellt. Dass etwa bei Eurowings der Betrieb wieder planmäßig läuft, zeigt zudem, wie Konzerne versuchen, Streiks zu umgehen oder zu isolieren – indem sie unterschiedliche Tochterfirmen gegeneinander ausspielen oder Arbeitsbedingungen fragmentieren.
Klassenkampf in der Luft
Was sich hier abspielt, ist ein klassischer Arbeitskampf. Auf der einen Seite stehen die Beschäftigten, die ihre Arbeitskraft verkaufen und für ihre Absicherung kämpfen müssen. Auf der anderen Seite steht das Kapital – in Form eines multinationalen Konzerns –, das versucht, Kosten zu drücken und Kontrolle zu behalten.
Dass nun auch die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter ihre Streiks angekündigt haben, könnte den Druck weiter erhöhen. Wenn mehrere Berufsgruppen gemeinsam handeln, entsteht genau jene kollektive Macht, die im Kapitalismus oft die einzige wirksame Gegenkraft darstellt.
Streiks als notwendige Gegenmacht
Die aktuellen Streiks offenbaren strukturelle Probleme. Solange wirtschaftliche Entscheidungen primär nach Profitlogik getroffen werden, werden soziale Rechte immer wieder angegriffen. Der Streik macht sichtbar, was im Alltag oft unsichtbar bleibt: Dass es die Arbeit der Vielen ist, die den Reichtum Weniger ermöglicht. Und dass diese Vielen jederzeit die Möglichkeit haben, den Betrieb zu stoppen. Genau darin liegt die eigentliche Sprengkraft unserer kollektiven Stärke.
Quelle: ORF


















































































