Am vor kurzem stattgefundenen Weltwassertag wird alljährlich die zentrale Bedeutung von Wasser für das Leben betont. Weniger im Fokus steht jedoch eine Entwicklung, die zunehmend an Dynamik gewinnt: die Kommerzialisierung eines lebensnotwendigen Gutes.
Genf. Während weltweit rund zwei Milliarden Menschen keinen sicheren Zugang zu sauberem Trinkwasser haben und bis zu vier Milliarden zumindest zeitweise unter extremer Wasserknappheit leiden, hat sich Wasser längst zu einem milliardenschweren Markt entwickelt.
Ein profitabler Markt
Der globale Wassersektor umfasst ein Marktvolumen von mehreren hundert Milliarden US-Dollar und wächst kontinuierlich. Große Konzerne wie Veolia und Suez dominieren die Wasserinfrastruktur, während multinationale Lebensmittelkonzerne wie Nestlé, Coca-Cola und PepsiCo im Geschäft mit abgefülltem Wasser hohe Gewinne erzielen. Das Geschäftsmodell ist einfach: Wasser wird oft zu geringen Kosten aus natürlichen Quellen entnommen, industriell verarbeitet und anschließend als Ware verkauft – häufig zu Preisen, die weit über den ursprünglichen Entnahmekosten liegen. Gleichzeitig entstehen neue profitable Bereiche, etwa in der Entsalzung oder industriellen Wasseraufbereitung, die vor allem dort wachsen, wo Wasserknappheit bereits Realität ist.
Knappheit und Markt
Wasserknappheit ist nicht nur eine ökologische, sondern auch eine ökonomische Realität. Für Unternehmen bedeutet sie stabile Nachfrage und neue Märkte, etwa im Bereich der Entsalzung oder industriellen Wasseraufbereitung.
Für große Teile der Weltbevölkerung hat sie hingegen existenzielle Folgen. Besonders betroffen sind Regionen in Subsahara-Afrika, Südasien und Teilen Lateinamerikas. Hier verschärfen Klimawandel, Übernutzung und unzureichende Infrastruktur die Situation.
Privatisierung kann diese Dynamik zusätzlich verstärken: Studien zeigen, dass Wasserpreise in privatisierten Systemen teils deutlich höher liegen⁴. Für ärmere Haushalte bedeutet das oft einen eingeschränkten Zugang – oder höhere Kosten für eine ohnehin knappe Ressource.
Die globale Wasserkrise ist eng mit sozialer Ungleichheit verknüpft. Während in wohlhabenden Ländern eine stabile Versorgung selbstverständlich erscheint, müssen Millionen Menschen täglich weite Wege zurücklegen, um Wasser zu beschaffen. Nach Schätzungen könnten bis 2030 bis zu 700 Millionen Menschen infolge von Wasserknappheit zur Migration gezwungen sein
Fazit
Die Frage nach Wasser ist damit mehr als eine ökologische Herausforderung. Sie ist eine Frage gesellschaftlicher Organisation.
Solange Wasser primär als wirtschaftliches Gut behandelt wird, bleibt der Zugang ungleich verteilt. Die Alternative – Wasser als öffentliches Gut zu begreifen und entsprechend zu organisieren – ist letztlich eine politische Entscheidung.
Quellen: WHO/Ken Research/PSI/Weltbank
















































































