Am 5. Juni 1967 griff Israel überraschend Ägypten an, später weiteten sich die Kämpfe auf Syrien und Jordanien aus. Nach wenigen Tagen endete der Krieg mit einer herben Niederlage für die arabischen Staaten. Über 300.000 Palästinenserinnen und Palästinenser wurden vertrieben. Es handelte sich um die größte Vertreibungswelle seit der Nakba.
Der 5. Juni erinnert an die Massenvertreibung der Palästinenserinnen und Palästinenser aus ihrer Heimat während und nach dem Sechs-Tage-Krieg von 1967. Für die arabisch-palästinensische Geschichtsschreibung bürgerte sich für die Ereignisse die Bezeichnung „an-Naksa“, auf Deutsch „der Rückschlag“, ein. Für hundertausende Vertriebene, die seit 1948 in Flüchtlingslagern lebten, rückte mit dem Krieg die Hoffnung auf Rückkehr in weite Ferne.
Israels Sieg und die Besetzung des Gaza-Streifens sowie des Westjordanlandes, die bis dahin unter ägyptischer und jordanischer Kontrolle standen, lösten eine neue Welle der Vertreibung und Gewalt aus, die bis heute anhält. „An-Naksa“ steht somit auch für den permanenten Prozess von Landraub, Vertreibung und illegalem Siedlungsbau, die in den letzten Jahren im Windschatten des Völkermordes in Gaza einen neuen Höhepunkt erreicht haben.
Der „Präventivschlag“
Als zentraler geschichtlicher Wendepunkt ist der Junikrieg auch Gegenstand einer Reihe von Mythen. Israel stellte den Angriff auf seine Nachbarstaaten geschickt als Präventivschlag dar, eine Deutung, die bis heute insbesondere in der bürgerlichen Geschichtsschreibung populär ist. Dem israelischen Narrativ zufolge hätte ein vernichtender Angriff der arabischen Staaten unmittelbar bevorgestanden, der ein präventives Eingreifen als Verteidigungsmaßnahme notwendig gemacht hätte.
Die These des Präventivschlages ist kaum haltbar. Selbst Israels späterer Premierminister, Menachem Begin, fand im Jahr 1982 deutliche Worte: „Im Juni 1967 hatten wir wieder eine Wahl. Die Konzentration der ägyptischen Armee im Sinai beweist nicht, dass Nasser tatsächlich im Begriff war, uns anzugreifen. Wir müssen ehrlich zu uns selbst sein. Wir entschieden uns, ihn anzugreifen.“
Für Israel bot sich 1967 die Gelegenheit, unter einer Reihe von Vorwänden Expansionismus und Eroberungspolitik auf eine neue Stufe zu heben und dem arabischen Nationalismus sowie seiner Leitfigur, dem ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser, einen empfindlichen Schlag zu versetzen. Nasser stand nach dem Suez-Krieg von 1956 auf dem Zenit seiner Macht und übte Strahlkraft auf die gesamte arabische Welt aus.
Der Nasserismus, eine Bewegung der aufstrebenden ägyptischen Bourgeoisie, konnte diesem Anspruch nie gerecht werden. Hinter radikaler Rhetorik versteckten sich meist protzige Selbstinszenierungen, um den eigenen Führungsanspruch in der arabischen Welt zu untermauern. So auch in den Wochen vor dem 5. Juni 1967, als Nasser die ägyptische Armee auf dem Sinai aufmarschieren ließ. Diese Truppenverlegungen wurden zum Dreh- und Angelpunkt des israelischen Mythos eines ägyptischen Vernichtungsangriffs, zu dem Ägypten zum damaligen Zeitpunkt nach Meinung vieler Historiker nicht fähig gewesen sein soll. Die ägyptische Beteiligung am Bürgerkrieg im Nordyemen beanspruchte bedeutende militärische Kapazitäten.
Krise und Expansion: Die Ursachen des Krieges
In den Jahren nach dem Suezkrieg von 1956 verschärften sich die Widersprüche zwischen Israel und den arabischen Staaten kontinuierlich. Israels Rückzug von der Sinai-Halbinsel und dem Gaza-Streifen im Jahr 1956, der durch innerimperialistische Gegensätze erzwungen wurde, ebnete den Weg für einen neuen Krieg um die Vormachtstellung in der Region.
Ursache für die expansionistischen Bestrebungen Israels war nicht zuletzt eine innere Krise. Die Wachstumsraten der israelischen Wirtschaft stagnierten in den 1960er Jahren und die Arbeitslosigkeit verdreifachte sich zwischen 1965 und 1967. Gleichzeitig sank die Anzahl an neu ankommenden Jüdinnen und Juden zwischen 1963 und 1966 um 75 Prozent, während Tausende Jüdinnen und Jugend Israel wieder den Rücken zu kehrten.
Die Grenzen zu Syrien und Jordanien waren in den Jahren vor dem Krieg regelmäßig Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen. Am 7. April 1967 versuchte Israel gewaltsam Teile der seit 1949 existierenden demilitarisierten Zone an der syrischen Grenze unter seine Kontrolle zu bringen. Ein Kerninteresse Israels stellten dabei die Wasserressourcen des Jordans dar. Die Besetzung und Annexion der Golanhöhen ermöglichte schließlich den Zugriff auf bedeutende Wasserressourcen. Der vergrößerte Absatzmarkt in den besetzten Gebieten, neue Anbaugebiete und die Ausbeutung palästinensischer Arbeitskraft dürfen ebenfalls nicht vernachlässigt werden.
Rückkehr nach Haifa
Während Hunderttausende erneut vertrieben wurden, bot sich für andere erstmals die Möglichkeit, die Orte zu besuchen, aus denen sie 1948 vertrieben worden waren. Da das Westjordanland und der Gaza-Streifen nun unter israelischer Kontrolle standen, fiel die alte Grenze weg. Für mehrere Jahre war ein einfacher Transit zwischen den Gebieten möglich. Mit dem alten Schlüssel in der Hand standen viele wieder vor ihren Häusern, nur wurden diese mittlerweile von anderen bewohnt. Die Erfahrung der Rückkehr in eine verlorene Heimat wurde literarisch von Ghassan Kanafani in seinem Roman Rückkehr nach Haifa verarbeitet.



















































































